Karrierefaktor 22. Mai 2017

5 Fragen an Buchautor Alex T. Steffen √ľber Millennials


 

1. Was sind typische Anforderungen der Millennials an die Arbeitswelt?

Erstens eine gelebte Innovationskultur, kollaborative Arbeitsweisen und eine Macher-Haltung statt st√§ndiger Ja-abers: Solche Rahmenbedingungen sind ein Magnet f√ľr talentierte Millennials. Zweitens die Kletterwand-Karriere: Wir wollen viele Karrieren, nicht eine.

Statt eine uniforme Karriere-Leiter zu erklimmen, begeben wir uns gerne auf eine Zickzack-Route mit der Option, immer wieder Neues zu lernen. Drittens die Kundenzentrierung: Wir wollen einen Job, in dem wir echte Mehrwerte und hierdurch Wiederkäufer schaffen. Das bringt Freude im und Identifizierung mit dem Job.

 

2. Wie unterscheidet sich diese Arbeitsweise von vorherigen Generationen?

In den hierarchischen Strukturen der Old Economy ist immer der Mächtigste vorn und wird mit allen Mitteln versuchen, dort zu bleiben. Die agilen Strukturen der Next Economy bewirken, dass stets der Kompetenteste vorn ist. Millennials denken weniger an Konkurrenz und Besitzstandswahrung. Informationen werden nicht gehortet, sondern geteilt. So entwickelt man Organisationen viel schneller weiter.

Auch wird deutlich weniger in Absicherung investiert. Millennials reisen mit leichtem Gep√§ck: Car-Sharing statt Firmenwagen und Co-Working statt Chefb√ľro. Das schafft Freiheit f√ľrs Wesentliche und Raum zum Ausprobieren. Aber auch ‚Äěalte‚Äú Arbeitsweisen haben ihre Berechtigung und durchaus Vorz√ľge. Wenn man das Beste aus beiden Welten kombiniert, entfaltet sich die wahre St√§rke einer Organisation.

 

3. Zur Nutzung von Technologien: Werden zum Beispiel E-Mails noch genutzt, und wie wird hauptsächlich kommuniziert?

Fr√ľher korrelierte Marktdurchdringung meist mit der H√∂he des Marketingbudgets. Doch die Informationsfl√ľsse des Internet haben das ge√§ndert. Die f√ľr den User n√ľtzlichsten und effizientesten Medien und Werkzeuge liegen jetzt vorn. E-Mails wird es wohl noch eine Weile geben, denn sie sind in bestimmten Kontexten sehr n√ľtzlich. In anderen Kontexten √ľberzeugen andere Plattformen mehr, zum Beispiel Whatsapp f√ľr private Nachrichten oder Slack im Community-Bereich.

 

4. Wie wichtig ist Status, und wie sieht es mit Hierarchien aus? Wie mit Verantwortung?

Wer als F√ľhrungskraft aufgrund von Hierarchie und trotz unzureichender digitaler Kompetenz Millennials bevormundet, demotiviert sie. Wer hingegen echte Verantwortung √ľbertr√§gt, motiviert die Digital Natives und f√∂rdert Glanzleistungen. Man m√∂chte meinen, das sei v√∂llig normal. Wer entsprechende Studien verfolgt, kann sehr leicht erkennen, dass wir noch wesentlichen Nachholbedarf in Sachen wertsch√§tzender F√ľhrung haben.

Obwohl klar ist, dass Konkurrenz die Leistung steigern kann, meinen viele Millennials, dass eine Firma nicht vornehmlich ein Ort des Kr√§ftemessens sein sollte. Wir bevorzugen eine kollegiale Zusammenarbeit in sich selbst organisierenden Teams. Das aktive Einbinden √ľber Generations- und Geschlechtergrenzen hinweg macht Unternehmen zukunftsfit und bringt sie vorw√§rts.

 

5. Was sollte man bestehenden Unternehmen dringend raten? Wo ist vor allem Veränderung nötig?

In unserem Buch ‚ÄúFit f√ľr die Next Economy‚ÄĚ raten wir F√ľhrungskr√§ften die Agenda #ADCD. Das bedeutet agiler, digitaler, collaborativer und disruptiver zu arbeiten. Moderne Organisationen brauchen eine gelebte Innovationskultur und eine digitale Strategie. Innovationskultur beginnt mit einer gemeinsamen Sprache f√ľr digitale Konzepte, einer Macher-Haltung und Kundenzentrierung.

Digitale Strategien brauchen den Input der jungen Generation. Wir schleppen keine alten Mindsets mit uns herum, k√∂nnen Herk√∂mmliches radikal infrage stellen und suchen st√§ndig nach besseren L√∂sungen als die, die es am Markt bereits gibt. Sich von jungem Gedanken und frischen Ideen inspirieren zu lassen, genau das macht den Unterschied zwischen den zuk√ľnftigen √úberfliegern der Wirtschaft und dem √ľbrigen Rest.

Alex T. Steffen (Jahrgang 1990) ist Unternehmensberater mit Fokus Innovation und Digitale Transformation. Zuvor war er Angestellter in analogen Unternehmen und digitalen Startups. Daher kennt er in Bezug auf die Arbeitswelt beide Seiten. Er hat einen Bachelor of Science in International Business. Durch seine Vorträge und Workshops hilft er Unternehmen dabei, in Zeiten des Wandels agiler und robuster zu werden. Kontakt: www.alextsteffen.com

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