Karrierefaktor 13. Mai 2015

5 Fragen an: Georg Meller (zeitconcept GmbH)

Interview mit Georg Meller (zeitconcept GmbH)

Georg Meller (Regensburg) ist Geschäftsführer der zeitconcept GmbH Personaldienstleistung, ein mittelständisches Personaldienstleistungsunternehmen mit mittlerweile 8 Standorten in Deutschland. Seit seiner Gründung im Jahre 2002 hat sich das Unternehmen in den Jahren seit Bestehen zu einer festen Größe in der Zeitarbeit und Personalvermittlung entwickelt. Zudem wurde das Unternehmen erst kürzlich vom Nachrichtenmagazin Focus als „Top Personaldienstleister 2015“ ausgezeichnet.

1. Wie genau funktioniert das System einer Zeitarbeitsfirma?

Das System einer Zeitarbeitsfirma zeichnet sich durch das besondere Verhältnis zwischen dem Unternehmen selbst, seinen Mitarbeitern und seinen Kundenunternehmen – dem so genannten „Entleiher“ – aus. Dieses Verhältnis besteht nämlich aus einem Dreiecksverhältnis zwischen den drei Parteien.

Dies bedeutet, dass der Mitarbeiter einen Arbeitsvertrag mit dem Zeitarbeitsunternehmen schließt. Darin ist geregelt, dass der Mitarbeiter bei Kundenunternehmen seines Arbeitgebers (der Zeitarbeitsfirma) tätig werden wird. Somit wird er also dem Kundenunternehmen überlassen.

Ist der Einsatz des Mitarbeiters beim Kunden (Entleiher) beendet, meldet dieser ihn bei dem Zeitarbeitsunternehmen (Verleiher) frei. Dieses begibt sich sogleich auf die Suche nach einem neuen Einsatzort fĂĽr seinen Mitarbeiter.

2. Warum hat die Zeitarbeit in der Ă–ffentlichkeit oft einen schlechten Ruf?

Während der Regierungszeit von Kanzler Schröder hatte die Zeitarbeit einen starken Image-Gewinn zu verzeichnen. Die Regierung hatte nämlich die Vorteile der Zeitarbeit, Menschen in Arbeit zu bringen, erkannt. Zu der Zeit kämpfte Deutschland mit einer Massenarbeitslosigkeit und galt als der „kranke Mann in Europa“.

Nach und nach wurden in der Zeitarbeitsbranche schließlich Tarifverträge geschlossen, wie der im Jahre 2003 zwischen einem Zeitarbeitsverband und der Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und PersonalService-Agenturen (CGZP), der weitere Vorteile für die Zeitarbeitnehmer bringen sollte. Dieser wurde allerdings wegen eines Formfehlers in der Satzung von verschiedenen Seiten angegriffen.

In einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) von 14. Dezember 2010 wurde der CGZP fĂĽr nicht tariffähig erklärt, womit der von ihm geschlossene Tarifvertrag nun von Beginn an unwirksam war. Daraufhin starteten die DGB Gewerkschaften eine Anti-Zeitarbeitskampagne, die leider auch von der Presse aufgegriffen wurde. Den DGB Gewerkschaften war die Zeitarbeit nämlich schon immer ein Dorn im Auge, da diese stark in den Branchen Metall, Elektro und Chemie – klassischen Gewerkschaftsdomänen – vertreten war.

Mit den Folgen, aus dieser für die Zeitarbeit ungünstigen Situation, hat unsere Branche noch heute zu kämpfen.

3. Was sind Vorteile der Zeitarbeit?

Die Zeitarbeit bietet sowohl für Unternehmen als auch für Bewerber (Arbeitssuchende) vielfältige Vorteile. Arbeitnehmern bietet es beispielsweise, die Chance auf einen (Wieder-) Einstieg in das Berufsleben. Dies gilt beispielsweise besonders für Menschen, die es auf den ersten Blick schwer haben mit ihrer Bewerbung zu punkten. Diese haben in der Zeitarbeit gute Chancen während ihres Einsatzes von ihrem Einsatzbetrieb übernommen zu werden. Diese Übernahmequote, der so genannte „Klebeeffekt“, liegt derzeit bei 30- 40%. Zudem entspricht die Zeitarbeit durch ihre Flexibilität dem Lebensgefühl vieler Arbeitnehmer, da sie ihnen die wunderbare Möglichkeit bietet auf kürzeste Zeit sehr viel Berufserfahrung zu sammeln und auszutesten in welcher Betriebsform (Konzern oder Familienunternehmen) sie sich beispielsweise am wohlsten fühlen.

Auch für die Unternehmen bietet die Zeitarbeit den enormen Vorteil, dass sie Flexibilität schafft. So können Unternehmen durch Zeitarbeit Auftragsschwankungen ausgleichen, indem sie in Spitzenzeiten Zeitarbeitnehmer einsetzen. Somit können Unternehmen die Auftragsspitzen voll ausschöpfen, ohne dadurch die Stammbelegschaft zu gefährden.

Inzwischen gibt es zudem gültige Tarifverträge die die Position der Zeitarbeitnehmer und ihre Rechte erheblich stärken und Ihnen eine faire Bezahlung garantieren.

4. In welchen Branchen sind Zeitarbeitslösungen besonders beliebt?

Zeitarbeitslösungen sind besonders in den Branchen Metall, Elektro und Chemie beliebt. Hier vor allem in der Produktion, also im Maschinen- und Automobilbau. In den letzten Jahren wurden besonders in kaufmännischen Berufen oder in Berufen aus dem medizinischen und pflegerischen Bereich Zeitarbeitslösungen immer beliebter.

5. FĂĽr welche Arbeitnehmer bietet die Zeitarbeit eine Karrierechance?

Die Zeitarbeit bietet besonders Berufseinsteigern – also Studienabgängern oder jungen Menschen, die gerade ihre Berufsausbildung abgeschlossen haben und von Ihrem Ausbildungsbetrieb nicht übernommen werden konnten – aber auch Wiedereinsteigern ins Berufsleben gute Karrierechancen.

Besonders Arbeitnehmer, die eine Weile aus dem Erwerbsleben ausgeschieden waren und nun wieder voll durchstarten wollen, nutzen gerne Positionen, die ĂĽber Zeitarbeit vergeben wurden als Sprungbrett in eine Karriere in der Festanstellung.

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2 Antworten zu “5 Fragen an: Georg Meller (zeitconcept GmbH)”

  1. Tobias sagt:

    30-40% der Leiharbeiter werden dank „Klebeeffekt“ ĂĽbernommen? Soso… Hier mal ein paar FAKTEN :
    1.) 57% aller Zeitarbeitsverhältnisse dauern weniger als 3 Monate. Leiharbeit ist nur ein schmaler Steg in den 1. Arbeitsmarkt. Für die meisten ist es eine Rutschbahn zurück in die Arbeitslosigkeit !

    2.) Ein Leiharbeiter bekommt nur 24 Tage Urlaub. Der Festangestellte oft 30.

    3.) Man wird als Leiharbeiter immer schlechter bezahlt, wie der Festangestellte. Beispiel: 8,50€x35 Std ergibt im Monat etwa 1200 BRUTTO (!) Will gar nicht wissen, was dieser Meller da oben so im Monat verdient. WĂĽrde ihm mal guttun, wenn er selber mal fĂĽr 8,50€/Std malochen mĂĽsste,….
    Ich hab selber mal bei Leihfirmen gearbeitet. Zwei von denen bekamen Post von meinem Rechtsanwalt, weil sie mich um meine Stunden betrĂĽgen wollten. Unverschuldet einsatzfreie Zeit wurde einfach vom Urlaub, bzw. Stundenkonto abgezogen. Das ist ganz klar rechtswidrig, aber sie versuchen es alle….

    • Karrierefaktor sagt:

      Lieber Tobias, vielen Dank für deine Hinweise. Es wäre schön, wenn du diese mit Quellen hinterlegen könntest. Der Urlaubsanspruch von 24 Werktagen ist beispielsweise für alle Arbeitnehmer durch § 3 Absatz 1 BUrlG festgelegt. Viele Grüße, dein Karrierefaktor-Team

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