Karrierefaktor 15. Juni 2017

Bildungsurlaub: So erhält man zusätzliche Urlaubstage im Jahr

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Viele Angestellte in Deutschland nehmen ihren Bildungsurlaub nicht. Vor allem deshalb, weil sie nicht gut genug darüber informiert sind. Tatsächlich sind die Regelungen auch von Bundesland zu Bundesland verschieden, sodass du selbst immer noch ein bisschen recherchieren musst. Wir haben ein paar spannende Infos für dich zusammengetragen.
 

Was ist Bildungsurlaub?

Bildungsurlaub klingt irgendwie nach „Buch lesen im Schatten der Palme am Meer“, ganz so ist das aber natürlich leider nicht. Urlaub bedeutet in diesem Fall nicht Erholung, sondern eine Freistellung von der Arbeit, damit du dich fortbilden kannst. Es handelt sich um fünf Tage im Jahr, an denen du für eine Weiterbildung freigestellt werden kannst.

Das Seminar bezahlst du selber, während der Arbeitgeber dir wie im bezahlten Urlaub oder im Krankheitsfall weiterhin den normalen Lohn zahlt. In vielen Branchen ist es so, dass sich wegen fortschreitender Forschung und Entwicklung plötzlich neue Themenbereiche auftun oder Wissen plötzlich veraltet ist. Willst du hier am Puls der Zeit bleiben, sind Fortbildungen unabdingbar.
 

Kann ich jedes Seminar belegen?

Da dein Arbeitgeber dich weiterhin bezahlt, sollte dein Kurs natürlich schon im weitesten Sinne mit deinem Job zu tun haben. Bist du zum Beispiel Ingenieur und das Unternehmen hat soeben nach Frankreich expandiert, kannst du locker eine Woche Französisch-Intensivkurs anerkannt bekommen.

Möchtest du hingegen einen Crashkurs als Yogalehrer machen, hat dein Chef keinen Mehrwert davon, deshalb wird der Kurs nicht anerkannt werden. Und auch bei den Seminaren, die thematisch passen, solltest du noch einmal selbst überprüfen, ob sie anerkannt werden können – egal, was der Veranstalter sagt.
 

Keine einheitliche Regelung

Ursprünglich hätte es einmal eine einheitliche Regelung zum Thema Bildungsurlaub für ganz Deutschland geben sollen. Leider ist nie ein entsprechendes Gesetz verabschiedet worden, und so haben jetzt alle Bundesländer bis auf Bayern und Sachsen ihre eigenen gesetzlichen Regelungen zu diesem Thema. In Bayern und Sachsen hingegen gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub. In den meisten Ländern wird die Freistellung nur einem gewissen Prozentsatz der Angestellten pro Jahr erlaubt.

Du solltest, wenn du einen Bildungsurlaub beantragen möchtest, dir die gesetzlichen Regelungen deines Bundeslandes genau ansehen. Für Angestellte gelten die fünf Tage (bei Vollzeit, bei einem Teilzeitjob sinkt der Anspruch prozentual) Bildungsurlaub. Landesbeamte hingegen haben im Großteil der Bundesländer keinen Anspruch, in Mecklenburg-Vorpommern nur ohne Lohnfortzahlung. Achtung: Wenn du in einem Bundesland lebst und in einem anderen arbeitest, gelten für dich die Regelungen desjenigen Landes, in dem du deinem Beruf nachgehst.
 

Erst einmal mit dem Chef sprechen

Am einfachsten ist es, wenn du zuerst deinen Chef fragst und ihn auf das Thema vorbereitest. Ein Antrag, ganz ohne dass du deine Pläne angesprochen hast, kann sonst etwas überrumpelnd wirken. Viele Chefs sind nicht daran gewöhnt, dass ihre Angestellten den Bildungsurlaub nutzen wollen, und kennen sich nur wenig mit dem Thema aus. Haben sie sich an den Gedanken gewöhnt, zeigen sich sie aber oft umgänglich und hilfsbereit.
 

 

So beantragst du den Bildungsurlaub

Hast du mit deinem Chef gesprochen, kannst du dich über das Angebot informieren. Bei interessanten Seminaren überprüfst du, ob sie anerkannt werden. Dann schaust du nach, welche Fristen in deinem Bundesland für den Antrag gelten: Vier bis sechs Wochen im Voraus solltest du den Antrag schon eingereicht haben.

Dem Antrag auf Freistellung musst du die Anmeldebescheinigung, die Anerkennungsbescheid und den Ablaufplan hinzufügen. Um diese Dokumente zu bekommen, musst du dich natürlich erst anmelden. Da in diesem Fall immer noch das Risiko besteht, dass dein Chef ablehnen könnte, solltest du darauf achten, dass du gegebenenfalls die Anmeldung ohne Verluste widerrufen kannst.
 

Bescheinigungen und Bestätigungen

Lass dir schriftlich bestätigen, dass und an welchem Datum du den Antrag eingereicht hast. So stellst du sicher, dass dein Chef den Antrag fristgerecht prüfen und ihm stattgeben oder ihn ablehnen muss. Und nach dem Seminar reichst du unverzüglich die Teilnahmebescheinigung bei deinem Arbeitgeber ein. Sorgst du für einen reibungslosen Ablauf, wird dein Chef im nächsten Jahr eher wieder bereit sich, dich freizustellen, damit du dich erneut fortbilden kannst. Schließlich profitiert er selbst auch von gut ausgebildeten Fachkräften im Arbeitsalltag.
 

Achtung: Bildungsurlaub ist nicht gleich Bildungsurlaub!

Viele Broschüren locken in exotische Länder zum Bildungsurlaub: Hier werden Sprachkurse und hochwertige Führungen mit einheimischen Fachkräften angeboten. In einem solchen Urlaub lernst du zwar jede Menge, aber das hat nichts mit der gesetzlichen Freistellung eines Angestellten zur Fortbildung zu tun, von der auch die Firma profitiert.

Einen solchen Urlaub müsstest du also in deiner Freizeit durchführen. Allerdings wären fünf Tage für ein solches Programm auch etwas zu wenig Zeit, und der Nutzen für den Arbeitgeber ist in den meisten Fällen auch nicht direkt begründbar.
 

Passende Beiträge zum Artikel:

Fortbildung: Nehmen Sie Weiterbildungschancen wahr

 

Regelungen zum Bildungsurlaub/zur Bildungsfreistellung je Bundesland:

 

 

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