Karrierefaktor 10. April 2017

Was ist ein duales Studium?

Teilen

Wenn du dich zwischen Studium und Ausbildung nicht entscheiden kannst, ist ein duales Studium vielleicht genau das Richtige für dich. Diese Studienform mit einem sehr großen Praxisanteil sorgt dafür, dass du nicht grün hinter den Ohren in den Beruf starten musst. Wir erklären dir hier, was genau es mit dem dualen Studium auf sich hat, welche Formen es gibt und was die Vor- und Nachteile sind.

 

Eine junge Form der Ausbildung

Wenn man bedenkt, dass ein duales Studium inzwischen für die Schulabsolventen mit Hochschul- oder Fachhochschulreife längst zu einer normalen Alternative geworden ist, ist es doch erstaunlich, dass es erst im Jahr 2009 eingeführt worden ist. In diesem Jahr nämlich gab es den ersten dualen Studiengang in Baden-Württemberg.

Da die Vorteile klar auf der Hand liegen, haben die anderen Bundesländer schnell nachgezogen: Inzwischen kannst du in jedem Bundesland ein duales Studium absolvieren. Dass die Entwicklung aber noch relativ jung ist, zeigt sich auch darin, dass es noch verhältnismäßig wenige Regeln gibt. Viele Hochschulen benennen die Studiengänge unterschiedlich oder bauen sie verschieden auf.

 

Die Grundformen

Es gibt vier Grundformen des kombinierten Ausbildungswegs, nämlich
• das ausbildungsintegrierende
• das praxisintegrierende
• das berufsintegrierende
• das berufsbegleitende duale Studium
Das woran, die meisten Leute denken, wenn sie den Begriff hören, ist ausschließlich die erste Form. Die vier Formen unterscheiden sich deutlich:

 

1. Das ausbildungsintegrierende duale Studium
Hier absolvierst du ein Bachelorstudium und gleichzeitig eine Ausbildung in einem Unternehmen, das mit der Hochschule kooperiert. Am Ende hast du einen Bachelorabschluss und eine abgeschlossene Ausbildung. Allerdings sind die Anforderungen hoch: Du bist abwechselnd im Ausbildungsbetrieb und in der Hochschule, und darüber hinaus musst du auch die Berufsschule besuchen.

Deine Zeit wird je nach Hochschule aufgeteilt: Entweder bist du pro Woche drei Tage im Unternehmen und zwei Tage in der Uni, oder du wechselst im Rhythmus von etwa zwölf Wochen hin und her. Manche Hochschulen passen die Studiumszeiten des dualen Studiums den normalen Semestern an. Dann bist du in der vorlesungsfreien Zeit im Ausbildungsbetrieb.

 

2. Das praxisintegrierende duale Studium
Der Unterschied zum ausbildungsintegrierenden Studium liegt darin, dass du nicht als Auszubildender in dem Unternehmen lernst, sondern als Praktikant oder als normaler Angestellter aushilfst. So bekommst du ebenfalls eine Menge Praxiserfahrung und bist in Sachen Arbeitsalltag ein alter Hase, wenn du dein Bachelorstudium beendest. Auch fällt die Berufsschule für dich weg – dadurch wird die Belastung ein bisschen geringer. Allerdings bekommst du natürlich keinen Ausbildungsabschluss.

 

3. Das berufsintegrierende duale Studium
Arbeitest du bereits in einem Beruf, möchtest aber dennoch ein Studium absolvieren, kannst du dich unter Umständen mit deinem Arbeitgeber darüber verständigen. Falls alle Parteien damit zufrieden sind, kannst du deine Arbeitsstunden reduzieren und in der gewonnenen Zeit nebenher studieren. Auf diese Art und Weise kannst du sogar manchmal studieren, ohne dass du eine (Fach-)Hochschulzugangsberechtigung brauchst: Die Arbeitserfahrung, die du gesammelt hast, qualifiziert dich dann für den mit deinem Beruf zusammenhängenden Studiengang.

 

4. Das berufsbegleitende duale Studium
Möchtest du neben deinem Beruf studieren, kannst deine Arbeitszeiten aber nicht verkürzen, musst du auf die Abendstunden oder die Wochenenden ausweichen. Tatsächlich muss auch hier dein Arbeitgeber zustimmen – er kann dich unterstützen, indem er dir ab und zu Präsenzzeiten erlässt oder dich mit anderen Vergünstigungen fördert. Trotzdem bleibt bestehen, dass du dein Studium neben einem Vollzeitjob absolvierst. Dafür musst du ein gutes Nervenkostüm mitbringen und eine Zeit lang deine sozialen Aktivitäten ein wenig hintanstellen.

 

Zwei Wege der Bewerbung

Wie du an einen Platz für ein duales Studium kommst, ist von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. In den meisten Fällen suchst du dir zunächst ein Unternehmen, in dem du gern ausgebildet werden würdest. Freie Stellen findest du zum Beispiel in Studienplatzbörsen oder auf den Webseiten der Unternehmen selbst. Schick deine Bewerbung um den Platz ein. Wirst du angenommen, ist der nächste Schritt, dich bei der kooperierenden Hochschule zu immatrikulieren (also einzuschreiben). Frag aber beim Unternehmen genau nach: Manche von ihnen möchten, dass du erst eine sechsmonatige Probezeit im Betrieb absolvierst, ehe du dich an der Hochschule einschreiben darfst.

Manche Hochschulen bevorzugen den umgekehrten Weg: Hier wendest du dich zunächst an die Hochschule und bewirbst dich um einen Studienplatz. Diese Hochschulen kooperieren mit vielen ausbildenden Unternehmen. Wirst du angenommen, helfen sie dir bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

 

Welche Vorteile bietet ein duales Studium?

Erst einmal hast du mit all deiner Praxiserfahrung im Berufsleben klar die Nase vorn gegenüber den ausschließlichen Studenten, die sich nach ein, zwei kurzen Praktika im Arbeitsalltag zurechtfinden müssen. Weiterhin bietet dir der Doppelabschluss des ausbildungsintegrierenden dualen Studiums eine breite Perspektive auf dem Arbeitsmarkt. Zusätzlich bekommst du natürlich auch ein Ausbildungsgehalt bezahlt.
 

Ohne Nachteile geht es nicht

Wenn du jetzt denkst, dass das alles super klingt, müssen wir dich doch noch auf ein paar Nachteile hinweisen – nichts ist perfekt. Zunächst ist dir sicher schon aufgefallen, dass in dem straffen Zeitplan des dualen Studiums nur wenig Freizeit vorgesehen ist. Tatsächlich hast du die normalen Urlaubstage, also 25 bis 30 Tage pro Jahr frei. Weiterhin ist die sehr praktische Ausrichtung des dualen Studiums auch nicht ideal, wenn du mittendrin merkst, dass du eigentlich doch gern eine wissenschaftliche Karriere einschlagen möchtest.

Bevor du dein Studium beginnst, solltest du außerdem wirklich sicher sein, dass du in genau diesem Teilbereich genau dieser Branche arbeiten möchtest. Ist es für normale Studenten noch relativ leicht möglich, zwischendrin abzubrechen und etwas Neues zu beginnen, kann das bei einem dualen Studium schwierig werden. Steuert dein Arbeitgeber zum Beispiel etwas zu den Studiengebühren bei, kann er die bisher gezahlten Summen zurückverlangen, wenn du abbrechen willst.

 

Gute Vorbereitung ist das A und O

Damit du deine Entscheidung für ein duales Studium nicht bereust, solltest du dich im Vorfeld sehr sorgfältig informieren. Finde heraus, ob dein Wunschstudium tatsächlich auch der richtigen Form entspricht und in welchen Rhythmus du an der Hochschule zwischen Studium und Ausbildungsbetrieb wechseln müsstest.
 

Zum Thema:

Newsletter abonnieren

Was bringt meine Karriere voran? Regelmäßige Tipps zu Karriere & Weiterbildung...

E-Mail-Adresse eintragen:
 Ich akzeptiere die Datenschutzbestimmungen (Widerruf jederzeit möglich)

 

Karrierefaktor von: Karrierefaktor
24 0 0


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Top-Artikel

Weiterbildung

Ein gelungener Start für Ihre englische E-Mail

Wie gut sind Ihre englischen E-Mails? Können Sie sicher verkehren und haben Sie stets die richtigen ...
Weiterlesen »

Karrierefaktor von: Karrierefaktor
46363 0 1
Firmenfahrzeug Im Job

Dienstwagen statt Gehaltserhöhung: Wann sich der Deal lohnt

Wenn der Chef die Bitte nach einer Gehaltserhöhung immer wieder ablehnt, bleibt noch die ...
Weiterlesen »

Karrierefaktor von: Karrierefaktor
18827 0 5
Deckblatt Bewerbung Bewerbung

Das Deckblatt in der Bewerbungsmappe – Ihre Visitenkarte

Das Deckblatt gibt der Bewerbungsmappe einen persönlichen und individuellen Touch. Der Leser ...
Weiterlesen »

Karrierefaktor von: Karrierefaktor
9382 4 8

Legende: Karrierefaktor = Karrierefaktor   Gastbeitrag = Gastbeitrag



Karrierefaktor

Google+