Karrierefaktor 11. August 2017

Interkulturelle Kompetenz: Was genau ist dabei zu beachten?

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Vor allem in Unternehmen, die weltweit Niederlassungen haben oder eng mit Partnern in aller Welt zusammenarbeiten, ist interkulturelle Kompetenz gefragt. Was genau hat es damit auf sich? Es bedeutet zumindest nicht, dass du instinktiv alle Verhaltensregeln aus allen Ländern erfassen musst. Eine gewisse Weltoffenheit und Lernfreude solltest du aber auf jeden Fall mitbringen.
 

Der Blick über den Tellerrand

Deutsche sind pünktlich und gehen zum Lachen in den Keller. Amerikaner sind oberflächlich. Japaner sind höflich bis zur absoluten Undurchschaubarkeit. Franzosen sind unpünktlich und stellen den Genuss über das Geschäft – und so weiter, und so fort. All diese Vorurteile und noch viele weitere Stereotypen sind dir sicherlich bekannt. Und sie alle musst du beiseiteschieben, wenn du interkulturelle Kompetenz erlernen möchtest. Es geht darum, dass du Gepflogenheiten betrachtest und akzeptierst, ohne sie zu bewerten. Schließlich neigt man allzu leicht dazu, das Bekannte als besser einzustufen.
 

Vor der Geschäftsreise informieren

Zugegeben: In manchen Unternehmen kann es sehr hektisch zugehen, und manchmal musst du ganz plötzlich in ein anderes Land reisen. Trotzdem solltest du die knapp bemessene Zeit nicht als Vorwand nehmen, um dich nicht vorzubereiten. Die Grundregeln des Benehmens in deinem Zielland kannst du dir auch auf der Reise noch aneignen. Es geht dabei vor allem um die grundlegenden Punkte, etwa

  • die passende Garderobe
  • Pünktlichkeit
  • die Begrüßung
  • die Ausdrucksweise

Bei der Garderobe ist es grundsätzlich nicht falsch, einen hochwertigen Anzug oder ein Markenkostüm zu tragen. Trotzdem gibt es stets Besonderheiten zu beachten: In arabischen Ländern sollten Frauen etwa hochgeschlossene Blusen tragen und Röcke, die zumindest die Knie bedecken. In China sind Markenanzüge gern gesehen, aber bitte nicht in der Farbe Weiß – die ist hier Beerdigungen vorbehalten.

Pünktlichkeit wird überall auf der Welt anders verstanden. Bei Japanern ist es obligatorisch, auf die Minute pünktlich zu sein – so, wie man es den Deutschen nachsagt. In den Mittelmeerstaaten ist man eine Viertelstunde später noch immer pünktlich, und in arabischen Ländern trifft man Verabredungen eher für Zeiträume als für eine bestimmte Uhrzeit: „am Nachmittag“ etwa ist gängig – du musst dir hier also einfach mehr Zeit nehmen.

Die Begrüßung ist besonders wichtig, da du hier den ersten Eindruck machst. Lies dir also auf jeden Fall durch, womit du dich nicht ins Fettnäpfchen setzt! In Deutschland schütteln wir gern die Hände, aber damit stehen wir halbwegs allein. Sowohl US-Amerikaner wie auch Briten sehen von Körperkontakt eher ab, während beispielsweise Russen und Muslime keinen Handschlag mit Frauen austauschen.
 
In Japan überreicht man mit einem ehrerbietigen Kopfnicken und mit beiden Händen seine Visitenkarte, die ebenfalls mit beiden Händen entgegengenommen wird. Steck sie aber nicht einfach ein! Merke dir Namen und Rang und platziere die Karten nach Rang geordnet vor dir auf dem Tisch, ehe du sie einpackst.

Auch die Ausdrucksweise ist extrem unterschiedlich. Falls du denkst: Was kann denn da so schwierig sein, man sagt halt einfach, was man meint? – liegst du vollkommen falsch. In den wenigsten Ländern ist eine unverblümte Absage gern gesehen. Vor allem in China kannst du dich damit herrlich in die Nesseln setzen.
 
Stattdessen bedankst du dich für das großzügige Angebot und bedauerst, es nicht annehmen zu können. Und wenn du ein bisschen darüber nachdenkst, erkennst du, dass das nur eine Weiterführung der höflichen Verbrämung ist, die wir auch hier lernen. Die Mär von „offen und geradeheraus“ bewährt sich in der Geschäftswelt nicht, sie ist einfach ungezogen.

Ein wichtiger Unterpunkt bei der Ausdrucksweise ist die Floskel. Kein US-Amerikaner will deine Krankheitsgeschichte hören, wenn er „how are you“ fragt – die einzig mögliche Antwort ist für dich als Geschäftskontakt hier ein „fine“. Und nur, weil jemand sagt „let’s have dinner“, bist du noch lange nicht verabredet. Das bist du erst, wenn tatsächlich ein Termin dafür abgemacht wird.
 

Weitere wichtige Punkte

Schau dir auf jeden Fall die religiösen Regeln in deinem Zielland an. In Deutschland sind Kirche und Staat getrennt voneinander, aber das ist in vielen Ländern nicht der Fall. Zahlreiche religiöse Regeln können in den Alltag eingreifen. Zum Beispiel ist es kein Zeichen interkultureller Sensibilität, wenn du im Ramadan in einem Land voller Muslime tagsüber öffentlich schlemmst. Du solltest außerdem wissen, welche religiösen Gebäude du nicht mit Schuhen betreten darfst.

Informiere dich über die Gepflogenheiten bei Tisch. In Japan zum Beispiel verlässt du zum Naseputzen den Tisch. Gilt es bei uns als verpönt, Schmatz- oder Kaugeräusche zu machen, gilt es in einigen asiatischen Ländern als Zeichen dafür, dass das Essen besonders gut ist. Diese Angewohnheiten sind aber teilweise auch innerhalb eines Landes unterschiedlich, daher solltest du diskret sein und erst einmal deine Tischgenossen beobachten.
 

Wenn du Gäste empfängst

Interkulturelle Kompetenz ist auch wichtig, wenn du Gäste von außerhalb in Deutschland empfängst. Du solltest zum Beispiel nicht auf die Idee kommen, Moslems oder Juden ins Schnitzelhaus mitzunehmen. Informiere dich im Vorfeld über die Besonderheiten, die du für deine Gäste beachten solltest, und halte dich daran.
 

Wie ist das mit der Sprache?

Wenn du die Landessprache beherrschst, ist das natürlich super. Allerdings ist das kein zwingendes Kriterium für interkulturelle Kompetenz. Viele Unternehmen holen Dolmetscher dazu, oder die Unterhaltung findet gleich auf Englisch statt. Trotzdem ist es ein Zeichen von Höflichkeit und Respekt, wenn du ein paar Worte sagen kannst – dich vorstellen etwa, oder „danke“, „bitte“ und „Entschuldigung“. Deine Gesprächspartner werden deinen Einsatz zu schätzen wissen. Aber Achtung: Übe diese Worte mit einem Einheimischen zusammen! Eine falsche Betonung kann sonst dafür sorgen, dass du etwas vollkommen anderes sagst als gedacht, und das wirkt eher lächerlich.
 

Niemand macht alles richtig

Grundsätzlich gilt: Wenn du dich gut vorbereitest und sorgfältig auf das Verhalten der Menschen in deiner Umgebung achtest, wirst du deine Sache schon gut machen. Es kann durchaus sein, dass du trotzdem einen Fauxpas begehst. Das bedeutet nicht gleich, dass deine interkulturelle Kompetenz schlecht ist.
 
Wenn du die ganze Zeit über höflich, freundlich und interessiert bist, wird man dir einen solchen Ausrutscher in den Gepflogenheiten auch gern nachsehen. Je nachdem, wie offen dein Verhältnis zu deinen Kontaktpersonen ist, kannst du sie auch bitten, dich auf die entsprechenden Situationen hinzuweisen. Lernwille und offenes Interesse an der fremden Kultur kommen schließlich überall gut an.

 

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