Karrierefaktor 17. März 2017

So findet man die richtige Gehaltsvorstellung bei einer Bewerbung

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Die Stellenanzeige klingt perfekt, doch da ist er wieder, der verhasste Satz: „Bitte schicken Sie uns Ihre Unterlagen mit dem frühesten Eintrittsdatum und Ihren Gehaltsvorstellungen.“ Wie funktioniert das? Woher sollst du wissen, was angemessen ist? Möglicherweise spielst du mit dem Gedanken, diesen Punkt großzügig zu übersehen.

Mach das nicht! Denn wenn du schon die erste Anweisung missachtest, die du überhaupt von deinem potenziellen Arbeitgeber bekommst, macht das einen wirklich schlechten Eindruck. Und mit ein wenig Recherche findest du auch die angemessene Zahl.

 

Was bleibt unterm Strich?

Grundsätzlich musst du wissen, dass die Gehaltsvorstellung, die du in der Bewerbung angibst, das Bruttojahresgehalt ist. In manchen Stellenanzeigen steht „Gehalt p.a.“ – das steht für „per annum“ also „pro Jahr“. Und Brutto bedeutet, dass davon noch die Lohnsteuer und deine Sozialabgaben abgehen.

Möchtest du herausfinden, wie viel von deiner Bruttosumme netto noch bleibt, findest du im Internet mehrere Brutto-Netto-Rechner. Die Höhe deiner Abgaben steigt nicht linear, daher kann ein leicht höheres oder tieferes Gehalt einen deutlichen Unterschied ausmachen.

 

Gehaltsvorstellung nach Branchen

Wenn du im Internet nach Durchschnittsgehältern suchst, musst du immer erst die Branche angeben. Vor allem in der Industrie, aber auch im Handel kannst du ziemlich gut verdienen, während du zum Beispiel als Frisör oder Bäcker mit vergleichsweise deutlich weniger Geld auskommen musst. Hat dein Wunschunternehmen einen Tarifvertrag unterzeichnet, ist deine Gehaltsvorstellung natürlich besonders einfach.

Aber auch sonst gibt es für die meisten Branchen sehr zahlreiche Angaben zu den Gehältern, sodass sich ein relativ guter Mittelwert ergibt. Aber auch den solltest du nicht einfach übernehmen: Es gibt noch mehrere Faktoren, die du mit in deine Berechnung einbeziehen solltest.

 

Stadt, Land, Fluss

In vielen Fällen zahlen kleine Unternehmen in strukturschwachen Gegenden deutlich weniger als große Konzerne in wirtschaftlich starken Landstrichen oder Großstädten. Allerdings sind natürlich in letzteren Gegenden auch die Lebenshaltungskosten höher. Hier musst du überschlagen, was sich für dich mehr lohnt, wenn du nicht sowieso genau weißt, wo und wie du leben möchtest.

Allerdings sind Stadt und Land nicht die einzigen Regionalfaktoren: Oft ist es auch trotz allmählicher Angleichung noch immer so, dass Jobs im Westen besser bezahlt werden als im Osten. Das gilt allerdings auch für Süden und Norden: Bayern und Baden-Württemberg etwa sind für relativ hohe Löhne (bei ebenfalls hohen Lebenshaltungskosten) bekannt.

 

Wofür denn eigentlich?

Überleg gut, was du dem Unternehmen für einen Mehrwert bietest, bevor du dich in die Gehaltsverhandlung stürzt. Als Absolvent, der kaum praktische Erfahrung vorzuweisen hat, solltest du nicht so viel verlangen wie Kollegen, die schon lange dabei sind. Kannst du allerdings mit so spannenden Dingen wie einem ausgiebigen Praktikum im Ausland auftrumpfen und mit der perfekten Beherrschung von Fremdsprachen, sind das natürlich Werte für das Unternehmen. Hast du bereits Erfahrung gesammelt, gibst du das an und setzt deine Gehaltsvorstellung ein bisschen höher.

 

Beim nächsten Job verbessern

Natürlich möchtest du nicht weniger Gehalt als bisher bekommen, wenn du eine neue Stelle antrittst. Du kannst auch ein bisschen was auf dein bisheriges Gehalt draufschlagen: Normal sind etwa fünf bis 15 Prozent. Weißt du sicher, dass du bislang extrem wenig bekommen hast, kannst du auch um 20 Prozent mehr bitten.

Schließlich weiß ja niemand deiner neuen Chefs, wie deine Lohnabrechnung bisher ausgesehen hat. Aber schieß nicht übers Ziel hinaus: Die wenigsten erfolgreichen Unternehmer sind bekannt dafür, das Geld mit vollen Händen zu verteilen.

 

Nicht zu schlau sein wollen!

Du willst diesen Job wirklich unbedingt haben und gibst deshalb eine niedrigere Gehaltsvorstellung an, um die anderen auszustechen? Das ist leider eine schlechte Idee, und zwar gleich aus zwei Gründen. Erstens sehen die Recruiter, dass du dich auf eine so wichtige Angelegenheit wie deine Bewerbung nicht sorgfältig vorbereitet hast.

Das wirkt schon einmal nicht besonders verlockend – es besteht sogar die Möglichkeit, dass man dich deshalb nicht einlädt. Und zweitens: Wenn sich der Chef denkt, dass er diese günstige Gelegenheit doch gern ergreift, wirst du auf der Arbeit später nicht froh. Du bekommst mit, dass deine Kollegen für die gleiche Arbeit mehr Geld bekommen, und das führt zu Frustration. Aufholen kannst du diesen Abstand in diesem Unternehmen dann nicht mehr.

Gleiches gilt, wenn du die Summe zu hoch ansetzt, um dich später herunterhandeln zu lassen. Manche Human Resources Manager ziehen vor den Einladungen bei einer bestimmten Summe eine Grenze. Liegst du darüber, hast du Pech. Halte dich also am besten wirklich in dem Rahmen, den du durch deine Recherche absteckst, so kannst du nichts falsch machen.

 

Wichtige Quelle: Die Unternehmenswebsite

Die Branche, die Lage, die Größe – das sind alles wichtige Faktoren, die du in Betracht ziehen solltest, ehe du deine Gehaltsvorstellung formulierst. Aber wirf auf jeden Fall auch einen Blick auf die Unternehmenswebsite! Wie geht es deinem Wunscharbeitgeber denn so? Hat er gerade ein neues Werk eröffnet oder ins Ausland expandiert? Musste er eine Abteilung schließen, oder werden die Angestellten in Kurzarbeit beschäftigt?

Je nachdem, ob das Unternehmen gerade Probleme hat oder floriert, kannst du mehr oder weniger aus dem allgemeinen Rahmen verlangen. Wirf auch einen Blick auf die Arbeitgeberbewertungen im Internet: Hier siehst du, wie zufrieden die Angestellten mit ihrer Bezahlung sind.

 

Das Beste zum Schluss

Die Gehaltsvorstellung setzt du in deinem Anschreiben für die Bewerbung an den Schluss. So hat der Arbeitgeber im Vorfeld schon lesen können, warum du dich für das Unternehmen gut eignest und welchen Mehrwert du bietest. Hast du eine sehr genaue Vorstellung, kannst du eine runde Summe nennen. Bist du dir eher unsicher, gibst du eine Spanne an, etwa „zwischen 34.000 und 36.000 Euro brutto im Jahr“. Letzteres gibt dir auch einen gewissen Spielraum im Gespräch. Ferner vermeidest du es so, wegene eines zu hohen Gehalts aussortiert zu werden. Ist erst einmal das Bewerbungsgespräch erreicht, kann man hier flexibler auf die Vorstellungen des Unternehmens eingehen.

 

Die Gehaltsverhandlung: Optionen anhören

Wirst du tatsächlich eingeladen und bekommst eine Summe genannt, die deine Vorstellung unterbietet, solltest du trotzdem nicht direkt ablehnen. Viele Arbeitgeber bieten ihren Angestellten geldwerte Vorteile. Einer der wichtigsten ist der Firmenwagen, doch es gibt auch noch viele weitere Möglichkeiten. Lass sie dir erst in Ruhe erklären und nimm dir Zeit zum Rechnen, ehe du zusagst oder ablehnst. Alles Gute!

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