Karrierefaktor 7. Februar 2019

5 Fragen an Frau Karin Kiesele und Andrea Schlösser


Mit ihrem Buch „Job-Coaching“ bieten die Autorinnen Karin Kiesele und Andrea Schlösser Coaches, die im Bereich Job- und Karrierecoaching arbeiten, einen Leitfaden mit Toolbox fĂŒr den herausfordernden Arbeitsalltag.

Der Begriff „Job-Coaching“ bezeichnet in erster Linie Maßnahmen der Arbeitsagentur und des Jobcenters, die Arbeisuchenden helfen sollen, wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Aufgrund der Zielgruppe unterscheidet sich die Arbeitsweise eines Job-Coaches mitunter erheblich von der eines Karriere-Coaches. Denn um sich „fit“ fĂŒr den Arbeitsmarkt zu fĂŒhlen, ist es fĂŒr die Kunden der Arbeitsagentur oder des Jobcenters oft ein weiter und steiniger Weg. Diese Coaching-Prozesse verlangen vom durchfĂŒhrenden Job-Coach mitunter eine große FlexibilitĂ€t und viel Know-how sowie FeingefĂŒhl im Prozess.

Das Fachbuch bietet seinen Lesern einen strukturierten Leitfaden fĂŒr die tĂ€gliche Arbeit – angefangen von der Auftragsgestaltung, ĂŒber Besonderheiten und HĂŒrden des Job-Coaching-Settings bis hin zu einer Vielzahl praxiserprobter Methoden. Viele der angefĂŒhrten Modelle und Interventionen lassen sich ebenfalls sehr gut fĂŒr klassische Karriere-Coachings nutzen.

 

1. Sie haben ein Handbuch fĂŒr Job-Coaches geschrieben. Warum dieses Buch?

Das ist schnell gesagt. Weil es bislang eigentlich keine einschlÀgige Literatur zum Thema Job-Coaching gibt. Wir wollten unseren Kollegen in diesem Bereich endlich einen Leitfaden und ein Nachschlagewerk an die Hand geben, das auf die speziellen Anforderungen des Job-Coachings eingeht.
Auf die Veröffentlichung eines Fachartikels zum Thema im Coaching Magazin (Schlösser &Kiesele 2017) erhielten wir von Kollegen sehr positives Feedback. Das ermutigte uns, Job-Coaches ein praxisorientiertes Handbuch zur VerfĂŒgung zu stellen, in dem wir unsere Kenntnisse und Erfahrungen weitergeben.
In diesem Buch haben wir zahlreiche Denkmodelle, Methoden und Techniken zusammengefasst, die sich in unserer tĂ€glichen Praxis bewĂ€hrt haben. Im Fokus steht fĂŒr uns der Praxistransfer – damit Job-Coaches dieses Buch vor allem in ihrer tĂ€glichen Arbeit nutzen können.

 

2. Was sind denn die speziellen Anforderungen an Job-Coaches?

Die Anforderungen an Job-Coaches sind komplex:
Zum Berufsbild des Job-Coachs gehören zumeinen Haltung und Methoden des klassischen Coachings, zum anderen werden auch Fachkenntnisse ĂŒber den aktuellen Arbeitsmarkt sowie Erfahrungen als FĂŒhrungskraft und im Personal- und Bewerbermanagement benötigt. Auch das Wissen ĂŒber Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten ist in diesem Beruf von Vorteil.
Mit dem Job-Coach ist ein neues Berufsbild entstanden, das vielen AnsprĂŒchen gerecht werden soll. Gleichzeitig sind die Inhalte und auch die DurchfĂŒhrung von Job-Coaching-Prozessen diffus und von sehr unterschiedlicher QualitĂ€t. Noch gibt es kein klares Berufsprofil. Wir haben in der Praxis allzu oft die Devise „learningbydoing“ beobachtet.

Im Bereich Job-Coaching arbeiten viele Quereinsteiger, wie zum Beispiel Sachbearbeiter, Verwaltungsfachangestellte, Betriebswirte, Arbeitspsychologen, Schauspieler, Lehrer oder Journalisten. Jede dieser Berufsgruppen bringt spezielle Fachkenntnisse mit, die sich durch eine fundierte Qualifizierung im Bereich Coaching gut einbringen lassen. Wer jedoch ohne eine Coaching-Ausbildung als „Job-Coach“ arbeitet, hat vermutlich keinen einschlĂ€gigen Methodenkoffer im GepĂ€ck. Er arbeitet als Coach und ist wahrscheinlich mit den wichtigsten Coaching-GrundsĂ€tzen nicht vertraut.

Deshalb war es uns wichtig, in unserem Handbuch sowohl Coaching-Knowhow als auch unseren umfangreichen Erfahrungsschatz im Personal- und Bewerbermanagement zu Papier zu bringen.

 

3. Wie kamen Sie dazu, zusammen dieses Buch zu schreiben?

Wir haben uns bei einem gemeinsamen Auftraggeber kennen gelernt, wo wir u.a. beide als Ausbilderinnen fĂŒr Job-Coaches tĂ€tig waren. Wir haben gemerkt, dass wir beide fĂŒr das Thema Coaching „brennen“ und uns eine qualitativ hochwertige Ausbildung der Teilnehmer am Herzen lag.
In der Zusammenarbeit hat sich herausgestellt, dass wir als Team gut funktionieren. ZunĂ€chst haben wir dann als Autoren den bereits erwĂ€hnten Artikel zum Thema Job-Coaching publiziert. Aufgrund der positiven Reaktionen von Kollegen und Weiterbildungsteilnehmern, sind wir „mutig“ geworden und haben uns dazu entschlossen, das Buch zu schreiben. Auf der Suche nach einem geeigneten Verlag, sind wir auf den Junfermann Verlag aufmerksam geworden, der uns dann auch recht schnell ein Angebot unterbreitet hat.

 

4. Wenn man zusammen ein Buch schreibt, ist man sich sicherlich nicht immer einig. Wie haben Sie das erlebt?

Wichtig war uns in der Zusammenarbeit, dass wir Ă€hnliche Werte und Überzeugungen im Hinblick auf unsere Arbeit als Coaches teilen. Beim gemeinsamen Austausch ĂŒber die Inhalte zu den einzelnen Kapiteln waren unsere unterschiedlichen Sichtweisen und Erfahrungen spannend. Wir haben oft heiß diskutiert – was immer dazu gefĂŒhrt hat, dass wir noch tiefer in die Thematik eingestiegen sind. Diese fruchtbaren Debatten waren zum Teil anstrengend, haben aber auch Spaß gemacht, weil sie dazu gefĂŒhrt haben, das wir Inhalte hinterfragt, ergĂ€nzt und optimiert haben.

 

5. Job-Coaching, Karriere-Coaching, Business-Coaching
 Was genau sind denn hier die Unterschiede und was macht Job-Coaching so besonders?

Ein Karriere-Coach muss seine Klienten nicht erst fĂŒr „die gute Sache“ gewinnen. In der Regel ist Coaching, z.B. Karriere-Coaching, ein Angebot, das bewusst ausgesucht wird. Entweder ein Klient möchte mit der UnterstĂŒtzung eines Coaches sein berufliches Anliegen gezielt in Angriff nehmen, oder Unternehmen und Organisationen engagieren einen Karriere-Coach im Rahmen ihrer internen FĂŒhrungskrĂ€fteentwicklung. Meist ist so ein Karriere-Coaching mit einem nĂ€chsten Schritt auf der Karriereleiter verbunden.
Job-Coachings werden in der Regel von sozialen TrĂ€gern und Weiterbildungseinrichtungen angeboten und von den Ämtern oder dem EuropĂ€ischen Sozialfond finanziert. Nimmt ein Kunde ein Job-Coachingz.B. von der Arbeitsagentur oder dem Jobcenterin Anspruch, benötigt er einen sogenannten AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein). Dieser kann ausschließlich bei zertifizierten TrĂ€gern eingereicht und genutzt werden.

Viele Klienten kommen aber zunĂ€chst gar nicht freiwillig, sondern fĂŒhlen sich zu dieser Einzelmaßnahme „geschickt“ und im Extremfall zur Teilnahme „gezwungen“. DarĂŒber hinaus ist der Job-Coaching-Prozess zu Beginn oft von dem bestimmt, was der Klient an negativen Vorerfahrungen mitbringt. Und das ist oft ein BĂŒndel an Hoffnungslosigkeit, fehlender Motivation, Frust und ein wackliges Selbstbewusstsein. Deshalb unterscheidet sich gerade der Einstieg in das Job-Coaching maßgeblich von der Vorgehensweise im Karriere- oder Business Coaching.

 

Was zeichnet Sie beide persönlich aus?

 
Karin Kiesele:
Mit Menschen im Kontakt zu sein, liegt mir beruflich und privat am Herzen. Ich setze auf gute Ergebnisse durch ein offenes und wertschÀtzendes Miteinander. Ich glaube rein menschlich gesehen bin ich ein kreativer, humorvoller, empathischer und herzlicher Charakter.
Meine Haltung in der Zusammenarbeit mit meinen Klienten ist bestimmt durch SensibilitĂ€t, Offenheit und FlexibilitĂ€t. In fachlicher Hinsicht bringe ich neben einem akademischen Abschluss in Kommunikationswissenschaften und einer fundierten Coachingausbildung vor allem langjĂ€hrige FĂŒhrungserfahrung mit. Rund 15 Jahre war ich in leitender Funktion bei nationalen und internationalen Liveshows fĂŒrden Inhalt der Sendungen verantwortlich.

 
Andrea Schlösser
Ich bin ein Mensch, dem Selbstbestimmung sehr wichtig ist. FĂŒr mich steht die persönliche Entwicklung nicht nur bei meinen Klienten im Fokus. Auch bei mir spielt das eine große Rolle. Lebenslanges Lernen gepaart mit einer gesunden Portion Selbstreflexion begleiten meinen Alltag. Ich bin transparent, strukturiert und klar. Das sind ĂŒbrigens auch die Punkte, die meine Klienten sehr an mir schĂ€tzen. Privat liebe ich es mit meiner Familie unterwegs zu sein und neue LĂ€nder zu entdecken. Ich merke dann auch immer wieder, dass mich das Reisen beim „out of the box“ Denken unterstĂŒtzt und meine Offenheit gegenĂŒber anderen Menschen bestĂ€rkt.

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