Karrierefaktor 22. Oktober 2013

Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen – Ein Interview mit Bosse Danielsen

Interview Bosse Danielsen
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Bosse Danielsen machte von 2008 bis 2011 seine Ausbildung zum Hotelökonom an der Steigenberger Akademie. Um bessere Aufstiegschancen in seinem Beruf zu haben, absolvierte der gebürtige Kieler anschließend ein verkürztes Bachelor-Studium Hospitality Management an der Internationalen Hochschule Bad Honnef-Bonn (IUBH).

Heute arbeitet er als Event-Koordinator im Grand Hotel Heiligendamm. Bei uns im Interview gibt er Einblicke in die Hotellerie.

Herr Danielsen, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen: Ist das immer leicht oder wünscht man sich nicht doch manchmal, auch den Luxus genießen zu können?

Es ist natürlich phänomenal, an solch schönen Orten zu arbeiten und die Möglichkeit zu haben, diese während der Zeit neben dem Beruf auch zu genießen. Dennoch muss man auch immer im Sinn behalten, dass es ein Job ist. Ich versuche, den Luxus immer durch den Gast, seine Kommentare und seine Empfindungen zu erleben. Es mag jetzt wie ein auswendig gelernter Satz klingen, aber für mich ist die Freude der Gäste, die ihren Aufenthalt oder ihre Veranstaltung genießen, das wirklich Schöne an meinem Beruf. Wenn man im Hinterkopf behält, dass es sich um einen Job handelt, ist der schöne Ort wohl das perfekte Quäntchen Ablenkung.

Kleine Jungs wollen Feuerwehrmann, Fußballspieler oder Astronaut werden. War es schon immer Ihr Traum, in der Hotelbranche zu arbeiten? Wann haben Sie sich dazu entschieden, diesen Weg tatsächlich einzuschlagen?

Ich wollte erst Profi-Fußballer werden und für Borussia Dortmund auflaufen. Doch dieser Traum wurde sehr schnell von der Realität und dem fehlenden Talent eingeholt. Tatsächlich habe ich sehr lange gebraucht, um mich überhaupt mit der Hotellerie zu befassen. Es begann mit der Frage im Gymnasium, was man denn mit seinem Leben anfangen möchte.  Viele antworteten, dass sie mit Menschen arbeiten möchten oder diesen helfen wollen. Ich hingegen wollte schon immer die Kulturen dieser Welt erkunden. Glücklicherweise haben meine Eltern mit mir und meinen Geschwistern viele Reisen unternommen.  So habe ich schon in jungen Jahren viele Kulturen kennengelernt. Die Flexibilität sowie die Mobilität, die in der Hotellerie vorausgesetzt werden, waren also die perfekten Kriterien für mich und meine Karriere.

Häufig unterschätzt man die Arbeiten in einem Hotelbetrieb, und alles reduziert sich auf Housekeeping. Was fasziniert Sie so sehr an der Hotelbranche?

Ich kann das nur bestätigen: Das Housekeeping und die Mitarbeiter dort haben meinen gesamten Respekt verdient. Es ist unglaublich, was dort Tag für Tag geleistet wird. Mich fasziniert das Zusammenspiel vieler individueller Menschen und Kulturen an einem Ort und die Aufgabe, den Gästen ein Gefühl von Zuhause-sein  fern von dem wahren Zuhause zu vermitteln. Man versucht jeden Tag, mit aller Leidenschaft ein guter Gastgeber zu sein. Was mich dabei antreibt, ist der Fakt, dass sich die meisten Gäste in ihrem wohlverdienten Urlaub befinden und dieser so erholsam und entspannend wie möglich sein sollte.

Der Kunde ist König – Ist das der immer präsente Leitsatz? Fällt es Ihnen manchmal schwer, sich daran zu halten? Welche Charaktereigenschaften sollte man Ihrer Meinung nach für die Hotelbranche mitbringen?

In der Hotellerie oder der Gastronomie ist das Wort „Kunde“ ein absolutes Tabu, man redet immer von dem „Gast“. Bei uns wird nicht eingekauft, sondern man befindet sich im Urlaub. Das ist eine Regel, die man beim dritten Mal hören definitiv nicht wieder vergisst. Wir versuchen, jeden Wunsch im Vorhinein zu wissen und nach Möglichkeit auch zu erfüllen. Probleme gibt es nicht, genauso wie das Wort „Nein“, auch dieses wird nie benutzt – eine Herausforderung, die ich gerne annehme. Dass Fehler passieren und Unvorhergesehenes geschieht, ist ganz normal und ein ständiger Begleiter im Alltag. Es ist die Kunst, so charmant und schnell zu reagieren, dass es dem Gast im besten Fall gar nicht erst auffällt. Die wichtigsten Eigenschaften sind besonders beim Berufseinstieg Flexibilität und Entschlossenheit. Die Hotellerie ist eine Branche, die sehr schnell belohnt und einen sehr schnell weitbringen kann – und das ist nicht nur geografisch gemeint.

Ein Studium ist in den meisten Fällen sehr theoretisch. Im Hotelbetrieb gibt es aber ja kaum Eingewöhnungszeit, denn der Kundenkontakt ist ja stets vorhanden. Wie schlägt man am besten die Brücke zwischen Theorie und Praxis?

Durch Offenheit, Flexibilität und Entschlossenheit. „Ankommen und Funktionieren“ ist der Anspruch, den ich an mich selbst stelle. Ich denke, dass man auch mit einem gewissen Selbstbewusstsein die Brücke schlägt: Ich weiß, was ich kann. Ich wurde sehr gut durch die Steigenberger Akademie in die Praxis der Hotellerie eingeführt und habe die Theorie mit dem Studium an der IUBH abgerundet. Ich wusste, was auf mich zukommt und habe bis jetzt meine Fähigkeiten gut einschätzen können. Es ist wichtig, an sich selbst zu glauben, sich aber zugleich auch leiten lassen zu können. In der Hotellerie kommt die Besonderheit hinzu, dass jedes einzelne Hotel  eigene Herausforderungen birgt.

Seit Ihrem Studium an der IUBH haben Sie schon einige Stationen durchlaufen. Wo soll es denn mal hingehen, wenn Sie sich was aussuchen dürften? Ist da Auslandserfahrung auch mit eingeplant?

Ich arbeite in der Hotellerie auch wegen der geforderten Mobilität und der Chance, andere Länder und Kulturen kennenzulernen. Mein noch kleiner Erfahrungsschatz hat mich zudem gelehrt, dass diese Branche sehr schnelllebig ist. Man kann sich leiten lassen, und es werden sich fantastische Möglichkeiten auftun. Das bedeutet natürlich nicht „Abwarten und Tee trinken“, aber immer aufmerksam sein und Herausforderungen annehmen. Könnte ich es mir aussuchen, wären mehrere Auslandsengagements definitiv ein Teil meiner Karriere. Ein ganz besonderes Ziel ist das Raffles Singapur, für mich das Grand Hotel. Dort zu arbeiten wäre eine große Ehre. Ich versuche, ein Gastgeber der Grandhotellerie zu sein: Ich durfte schon Erfahrungen im Grand Hotel Schloss Bensberg sammeln und bin jetzt im Grand Hotel Heiligendamm angestellt – beides Topadressen der deutschen Traditions-Hotellandschaft.

Vom Tellerwäscher zum Millionär – das typische Klischee. Ist es tatsächlich möglich, nur mit Leistung in den Positionen aufzusteigen oder sind Praktika, Ausbildung und Studium zwingend notwendig, um in der Hotellerie Fuß zu fassen?

Ich denke, das vieles möglich ist und wenige Dinge unmöglich. Ein ehemaliger Lehrer nannte mich einen Träumer, als ich ihm erklärte, auch trotz meiner bescheidenen Mathematikkenntnisse weit kommen zu wollen. Je mehr Wissen und Erfahrung man hat, desto leichter wird’s; dennoch spielen Charaktereigenschaften eine mindestens ebenso große Rolle. Sich selbst anzutreiben und Gründe zu finden, warum man etwas so macht, wie man es macht sind unglaublich wichtig – für den Weg zum Millionär oder zum persönlichen Glück. Es ist möglich, vom Tellerwäscher zum Millionär zu werden, aber dabei ist der Weg genauso wichtig wie das Ziel. Zwingend notwendig ist ein Studium meines Erachtens nicht, aber irgendwie muss man sich das Wissen aneignen – ohne Know-how geht es nicht.

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Eine Antwort zu “Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen – Ein Interview mit Bosse Danielsen”

  1. Walter sagt:

    Hallo Bosse, Super Artikel, gefällt mir sehr gut. Liebe Grüße Walter

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