Gastbeitrag Gastbeitrag 6. März 2015

Fake it until you make it: Mimik und Gestik als nonverbales Kommunikationsmittel

Körpersprache
© Jeanette Dietl - Fotolia.com

Mimik und Gestik sind entscheidende Bestandteile der menschlichen Körpersprache. Durch Haltung, Gesichtsausdruck und bewusste (oder unbewusste) Bewegungen vermitteln wir nonverbale Inhalte, die unsere Worte unterstützen oder aber im Widerspruch zu ihnen stehen. Der Anthropologe Paul Ekman klassifizierte sieben Basisemotionen, die sich aufgrund ihrer erblichen Bedingtheit kulturübergreifend bei allen Menschen eindeutig zuordnen lassen. Emotionale Gesichtsausdrücke der Wut, Freude, Ekel oder Angst sind also nicht kulturell, sondern genetisch determiniert und lassen sich von anderen als solche Erkennen. Doch auch, wenn die US-amerikanischen Fernsehserie „Lie to me“ (welche in enger Zusammenarbeit mit Paul Ekman entstand) dem Zuschauer suggeriert, dass unser Gegenüber prinzipiell genauso „durchschaut“ und gelesen werden kann, sollte man beachten, dass die Interpretation der Mimik ist immer subjektiv geschieht. Aufgrund der angesprochenen evolutionären Gleichheit deutet man einen Großteil zwar häufig instinktiv richtig, viele dieser Mikrobewegungen werden allerdings nicht oder unvollständig beachtet. Aufmerksames Beobachten und genaues Hinschauen kann dabei helfen, die wahren Intentionen des Gesprächspartners zu erfassen. Und das ist es, was Personaler sehr gut können und bewusst tun.

Wohin mit den Händen? Gestik sicher als Verstärker einsetzen

Mit unserer Gestik vermitteln wir Signale an unsere Umwelt. Bewusst nutzen wir zum Beispiel den Händedruck zur Begrüßung oder ein Nicken des Kopfes als Ausdruck der Zustimmung und Ermutigung. Zum anderen verrät unsere Gestik aber auch viel über unser aktuelles Empfinden, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Beispiele solch unbewusster Gestik wären das nervöse Herumspielen mit einem Kugelschreiber, das Kratzen am Hals oder Zurrechtrücken der Kleidung bzw. der Krawatte. Zeichen dafür, dass wir uns in einer Situation unwohl und unsicher fühlen. Auch sollte man die Arme nicht vor der Brust verschränken, das ist eine ablehnende defensive Pose. Lieber sollte man seine Hände im Stehen ruhig hinter dem Rücken halten, oder gemäß der Gesprächssituation auch mal ans Kinn halten (ich höre zu), an die Wange oder entspannt übereinander legen, was Souveränität ausstrahlt. Und wenn man mit seinen Händen nirgendwo hin weiß, weil man gerade zuhört und die Hände nicht zum gestikulieren verwenden kann, greift man sich vielleicht auch an einen Ring am Finger. Nur sollte man damit nicht zu nervös herumspielen. Andererseits erwarten Personaler keine perfekten, souveränen Bewerber. Kommt man zu selbstsicher rüber kann das sogar kontraproduktiv wirken, da man seinem Gegenüber Überlegenheit demonstriert. Man bewirbt sich in der Regel nicht als neuer Chef.

Bewusste wie unbewusste Gestiken können den Verlauf eines Gesprächs teils stark beeinflussen. Wildes Gestikulieren wirkt mitunter unsicher auf unseren Gesprächspartner und lässt eine hektische Stimmung aufkommen. Dabei hat nicht nur die „Schnelligkeit“ der Bewegung einen Einfluss: Auch die Richtung zählt. Bewege ich Hände und Körper zu jemandem hin, hat das eine andere Bedeutung und Wirkung, als führe ich sie von ihm weg. Eine Gestik in Richtung des eigenen Körpers signalisiert: Das beziehe ich auf mich! Das hat etwas mit mir zu tun. Entsprechend kann man mit der entgegengesetzten Bewegung etwas „von sich weisen“. Wichtig in diesem Zusammenhang ist jedoch zu wissen, dass viele nonverbale Ausdrücke situativ sind, das heißt je nach Kontext eine andere Bedeutung haben können. Handflächen, welche nach unten gerichtet sind, können so einerseits als Ausdruck von Dominanz und Bestimmtheit, in einer anderen Situation aber auch als Beschwichtigung gewertet werden. Was immer positiv wirkt, sind „offene Hände“ oder geöffnete Arme wenn man gestikuliert.

 

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Körperhaltung: Wirkung mit Signalcharakter

Die Körperhaltung sendet wichtige Signale und beeinflusst unsere Wirkung auf unsere Mitmenschen auf entscheidende Weise. Die Leitsätze „Kopf hoch“ oder „Brust raus, Bauch rein“ kommen nicht von ungefähr. In einer Vielzahl unterschiedlicher Studien konnte nachgewiesen werden, dass unsere Körperhaltung einen maßgebenden Einfluss sowohl auf unseren Hormonhaushalt als auch auf unsere Stimmung und Emotionen hat. Die Sozialpsychologin Amy Cuddy untersuchte beispielsweise den Einfluss einer machtbezogenen Körperhaltung auf das Befinden und Verhalten. Ihre Studien zum sogenannten „Power Posing“ zeigen ein eindeutiges Bild: Unsere Körperhaltung erzeugt machtbezogene körperliche und verhaltensbezogene Veränderungen und das unabhängig davon, welche Stellung im Unternehmen jemand inne hat. Ob Mitarbeiter oder Führungskraft: Nehmen Menschen eine offene, selbstbewusste Körperhaltung ein, setzen sich beispielsweise mit geradem Rücken und weiter Brust an einen Schreibtisch, verwenden sie im Anschluss „machtvollere“ Worte bei der Einschätzung. Interessant dabei ist auch die Haltung des Kopfes. Legen Sie ihn nicht schief, sondern möglichst immer gerade. Ein geneigter Kopf signalisiert Unterwerfung. Wichtig ist bei jeglicher Körperkontrolle nicht gekünstelt oder steif zu wirken. Daher gerne mal mit einem Bekannten solche Situationen üben.

Blickkontakt: Standhalten oder lieber wegsehen?

Auch in puncto Blickkontakt gibt es divergierende Meinungen: Sollte ich etwa dem bohrenden Blick meines Chefs standhalten oder nach gegebener Zeit zur Seite schauen, um… Ja, was eigentlich? Unterwürfigkeit, Wertschätzung, Akzeptanz von Hierarchie auszudrücken? Um ihn nicht aggressiv zu machen? Oder wirke ich dadurch weich und wenig selbstbewusst? Der Augenkontakt stellt häufig den ersten Schritt zur Kontaktaufnahme dar. Im Privat- wie auch im Geschäftsleben dient der Blickaustausch als nonverbaler Verstärker, um beispielsweise die Bedeutung einer Situation auch ohne Worte zu untermalen. Vor allem im unternehmerischen Kontext herrschen bestimmte „Regeln“, was als angemessen und unangemessener Blickkontakt verstanden wird. Man sollte dabei auf die Reaktionen des Gegenübers achten, denn wie bereits weiter oben erwähnt, sind diese Regeln zwar durch gesellschaftliche Konventionen geformt, da Menschen aber noch immer Individuen sind, können sie auch teils sehr unterschiedlich reagieren.

Zusammenfassung

  • Leisten Sie einen sicheren Händedruck, ohne die Hand gleich wieder wegzuziehen und schauen Sie Ihren GegenĂĽber dabei an.
  • Ein offener Gesichtsausdruck bei der BegrĂĽĂźung schafft eine positive Grundlage.
  • Stehen und sitzen Sie möglichst gerade, ohne steif zu wirken.
  • Sympathie, Interesse und Neugier können durch einen klaren, offenen Blick mit angedeutetem Lächeln ausgedrĂĽckt werden.
  • Das (kurze) Anheben der Augenbrauen gepaart mit einem leichten Lächeln symbolisiert Interesse, Freundlichkeit und Freude ĂĽber die Kontaktaufnahme.
  • BezĂĽglich der Länge des Blickkontakts gilt eine einfache Regel: Mindestens eine Sekunde, jedoch nicht länger als drei Sekunden. Zu langes „Starren“ kann vom GegenĂĽber als unangenehm und aufdringlich empfunden werden. Starren lässt sich durch einen lockeren, interessierten Blick vermeiden. Wobei es nicht schaden kann, seinem GegenĂĽber auch mal tief in die Augen zu schauen. Das kann vertrauensbildend wirken.
  • Zeigen Sie ein ehrliches Interesse am GegenĂĽber, das spĂĽrt man.
  • FlĂĽchtige Blickkontakte symbolisieren Desinteresse oder Angst.
  • Auf den Boden schauen zeigt Unterwerfung und wirkt unaufrichtig.
  • Wenn Sie den Blick lösen, schauen sie eher seitlich weg.
  • Man sollte sein GegenĂĽber nicht zu offensichtlich mustern, das wirkt aufdringlich.
  • Sehr hilfreich ist ein kurzes Nicken der Zustimmung, das ermuntert mein GegenĂĽber.
  • Beim Zuhören halten Sie die Hände vor dem Bauch und legen sie entspannt ĂĽbereinander oder auch mal eine Hand ans Kinn (gesteigertes Interesse), wenn es zum Inhalt passt. Zum Auflockern ist auch das Festhalten eines Stifts oder Rings am Finger möglich.
  • Beim Reden sollte man die Hände mit ruhigen, offenen Bewegungen zur Verstärkung des Gesagten einsetzen. Dabei immer sein GegenĂĽber ansehen, das hält die Aufmerksamkeit.

 

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Gastbeitrag Gastbeitrag von: Oliver Marquardt
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Ăśber den/die Autor(in)

Oliver Marquardt ist studierter Kommunikationsdesigner, Marketingberater und Autor aus Hamburg. Bis 2006 arbeitete er als Designer und Texter für namhafte Werbeagenturen. Im Anschluss daran macht er sich selbstständig und konzipierte freiberuflich Marketinglösungen für international bekannte Marken. Mit dem Wunsch nach Veränderung zog er 2012 aus der Hansestadt nach Hessen und gründete zusammen mit seiner Frau Katharina Marquardt das Büro "Marquardt+Compagnie" für nachhaltige Markenentwicklung und Unternehmenskommunikation in Marburg. Zum Kundenkreis zählen mittlerweile ausschließlich klassische mittelständische Unternehmen. Privat schätzt er die Natur, spielt Golf, produziert elektronische Musik und kocht gerne.


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