Karrierefaktor 17. April 2018

Verliebt in einen Kollegen: So gehen Sie richtig mit der Situation um

©Fotolia | Urheber: studio2013

Fragt man Flirt-Experten, an welchen Orten man die besten Chancen hat, jemanden kennenzulernen, dann antworten viele selbstbewusst: Am Arbeitsplatz. Es mag fĂŒr viele erst einmal befremdlich klingen, doch tatsĂ€chlich sind amouröse GefĂŒhle unter Kollegen keine Seltenheit. Kein Wunder, schließlich verbringen Mitarbeiter einen Großteil ihrer Zeit miteinander. Stresssituationen und Erfolge schweißen zusammen und auch ein starker Teamgspirit in manchen Abteilungen kann aus einem Kollegen oder einer Kollegin irgendwann einen potentiellen Partner machen. Doch wie verhĂ€lt man sich eigentlich richtig, wenn man feststellt, dass man verliebt in einen Kollegen ist?

Hinweis: Aus GrĂŒnden der Lesefreundlichkeit wird im Folgenden immer die mĂ€nnliche Form von Kollege verwendet. Die Informationen und Tipps behalten Ihre GĂŒltigkeit jedoch auch, wenn man sich in eine weibliche Person (sprich: eine Kollegin) verliebt hat.

 

Am Anfang ist stets Diskretion gefragt

Verliebtsein ist etwas Tolles. Wenn die Schmetterlinge im Bauch Achterbahn fahren, will man am liebsten die ganze Welt umarmen und jeden an seinem GlĂŒck teilhaben lassen. Doch Vorsicht, im beruflichen Umfeld ist zunĂ€chst einmal ZurĂŒckhaltung gefragt. Immerhin kann sich die Situation auch schnell in eine unangenehme verwandeln. Wer verliebt in einen Kollegen ist, sollte seine Emotionen zunĂ€chst einmal fĂŒr sich behalten und damit nicht hausieren.

 

Woran erkenne ich, ob ich in meinen Kollegen verliebt bin?

Die Grenze zwischen „jemanden wirklich sehr mögen“ und „verliebt sein“ kann selten eindeutig aufgezeigt werden. Wer sich fragt, was genau er fĂŒr einen Kollegen empfindet, sollte daher ganz genau auf bestimmte Signale achten. So können GefĂŒhle richtig eingeordnet werden.

Eine SchwĂ€rmerei fĂŒr einen Kollegen Ă€ußert sich in der Regel durch diese Anzeichen:

  • Konzentrationsschwierigkeiten (v.a. wenn man mit der Person im gleichen Raum ist)
  • Eifersucht, wenn die Person mit anderen Kollegen spricht oder zum Mittagessen geht
  • Bewusste und hĂ€ufige Kontaktaufnahme (unter Nennung eines beruflichen Vorwands)
  • NervositĂ€t beim direkten face-to-face-Kontakt oder unmittelbar davor
  • Gedanken an die Person auch abseits des Arbeitsplatzes

 

Ist der Kollege vergeben oder nicht?

Ist man sich sicher, dass man tiefere GefĂŒhle fĂŒr einen Kollegen hegt, wird es Zeit fĂŒr den nĂ€chsten Schritt. Dieser sieht jedoch nicht vor, sofort in die Charme-Offensive ĂŒberzugehen. Vielmehr gilt es, seine FĂŒhler auszustrecken und in Erfahrung zu bringen, ob der Schwarm in festen HĂ€nden ist – oder eben nicht.

Befindet sich der Kollege in einer Beziehung (egal wie locker oder fest), gebietet es der Anstand, dies zu akzeptieren und seine GefĂŒhle vorerst fĂŒr sich zu behalten. Oftmals reicht die Information, dass das Herzblatt vom Markt ist, schon aus, um der Liebelei ein Ende zu setzen.

 

Wie gestehe ich, dass ich verliebt in einen Kollegen bin?

Doch was, wenn der Kollege zu haben ist beziehungsweise die GefĂŒhle trotz Beziehungsstatus „vergeben“ immer stĂ€rker werden? Dann ist es, wenn man denn will, an der Zeit, mit offenen Karten zu spielen. Die folgenden Tipps sind dabei behilflich:

  • Vier-Augen-GesprĂ€ch: Es sollte sich von selbst verstehen, dass man amouröse GefĂŒhle nicht vor dem kompletten Team verkĂŒndet. Eine solche Situation könnte fĂŒr den Kollegen schnell unangenehm werden. Besser ist es, das Thema unter vier Augen anzusprechen.
  • Abseits des Arbeitsplatzes: FĂŒr viele ist eine sich anbahnende Beziehung unter Kollegen automatisch kompliziert. Um das GesprĂ€ch so neutral und angenehm wie möglich zu gestalten, ist es sinnvoll, es abseits vom Arbeitsplatz zu fĂŒhren. Denkbar ist hierfĂŒr zum Beispiel eine Einladung zum Feierabenddrink oder ein Spaziergang in der Mittagspause.
  • Die richtigen Worte: Wer einem Kollegen seine GefĂŒhle gesteht, sorgt wahrscheinlich fĂŒr ein erhebliches GefĂŒhlschaos. Umso wichtiger ist es, dass die dafĂŒr gewĂ€hlten Worte so eindeutig wie möglich sind. Ein „Ich habe mich in dich verliebt“ ist natĂŒrlich eine ziemlich starke Aussage, aber immerhin auch eine unmissverstĂ€ndliche.
  • FreirĂ€ume bieten: Es erfordert extrem viel Mut, einer anderen Person seine GefĂŒhle zu gestehen. Um diese im Anschluss nicht unter Druck zu setzen, sind FreirĂ€ume und Bedenkzeiten hilfreich. Niemand soll sich verpflichtet fĂŒhlen, sofort ein Statement abzugeben. Es kann schließlich durchaus sein, dass der Kollege erst einmal von der „Beichte“ ĂŒberrumpelt wird.

 

Wenn die GefĂŒhle nicht erwidert werden


…dann gilt das gleiche wie wenn der Kollege schon einen Partner hat: Respektieren und Abstand nehmen. Das Betriebsklima ist schnell in Gefahr, wenn eine Abfuhr nicht akzeptiert wird.

Die Eroberung des Herzblattes mag im Film vielleicht sehr romantisch daherkommen. Doch im beruflichen Umfeld sollten die großen Gesten und Liebesbeweise eher gemieden werden. Diese fĂŒhren leider schnell dazu, dass man zum Gespött im Team wird und vielleicht sogar seine AutoritĂ€t verliert. SpĂ€testens hier ist es an der Zeit, eine klare Linie zwischen Berufs- und Privatleben zu ziehen.

 

Wenn die GefĂŒhle erwidert werden


…dann besteht natĂŒrlich erst einmal Grund zu Freude. Nichts ist aufregender als die ersten zaghaften Anzeichen einer aufkeimenden Beziehung. Auch unter Kollegen dĂŒrfen diese in vollen ZĂŒgen genossen werden.

Allerdings empfiehlt es sich auch, die GefĂŒhle fĂŒreinander erst einmal geheim zu halten. Das macht die Situation nicht nur noch ein bisschen spannender, sondern vermeidet auch unnötigen Klatsch und Tratsch am Arbeitsplatz. Immerhin – so ehrlich muss jeder zu sich selbst sein – kann eine frische Romanze auch schnell in die BrĂŒche gehen.

Hat sich die Liebelei jedoch zu einer ernsthaften Beziehung entwickelt, darf diese auch gern offen kommuniziert werden. Das ist vor allem im Hinblick auf die anderen Mitarbeiter sinnvoll. Denn nur selten kann eine Beziehung dauerhaft vertuscht werden. Wer merkt, dass das Getratsche in der KaffeekĂŒche immer lauter wird, sollte darauf reagieren.

 

Kann ein Arbeitgeber die Beziehung zwischen Kollegen verbieten?

Kurz und knapp: Nein. Eine Beziehung ist – auch wenn sie am Arbeitsplatz begonnen hat – eine private Angelegenheit und unterliegt somit nicht dem Machtbereich eines Arbeitgebers. Auch entsprechende AbsĂ€tze im Arbeitsvertrag, die eventuelle AnnĂ€herungen unter Kollegen untersagen und eine KĂŒndigung als Konsequenz benennen, sind rechtlich nicht gĂŒltig.

ZulĂ€ssig hingegen ist die Regelung, wonach Angestellte dazu verpflichtet sind, eine feste Liebesbeziehung zu melden. Außerdem können Vorgesetzte liebende Mitarbeiter durch Versetzung in andere Abteilungen voneinander trennen. Das ist jedoch meist nur der Fall wenn:

  • die Beziehung einen negativen Einfluss auf ihre Arbeitsleistung hat und/oder
  • ein Kollege dem anderen hierarchisch ĂŒbergeordnet ist und somit Konfliktpotential entsteht

Hinweis: Ein Mitarbeiter, der seine Arbeitspflicht nicht wie im Arbeitsvertrag vereinbart erfĂŒllt, kann gekĂŒndigt werden. Sorgt zu viel Liebelei fĂŒr vermehrte Fehler und/oder eine dauerhaft nachlassende Leistung, kann es also durchaus problematisch werden.

Die meisten Menschen, die sich am Arbeitsplatz verlieben, sind zunĂ€chst einmal mit ihren GefĂŒhlen ĂŒberfordert. Wurden diese jedoch erst einmal richtig eingeordnet und ist der Schwarm nicht in festen HĂ€nden, dann kann sich ein AnnĂ€herungsversuch durchaus lohnen. Immerhin gaben 11 Prozent der Befragten in einer Studie aus dem Jahr 2013 an, dass sie ihren Partner am Arbeitsplatz kennengelernt haben. Es gibt also durchaus Aussichten auf Erfolg.

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