Karrierefaktor 21. April 2016

5 Fragen an Gesine Westhäuser (Startpunkt57 – Die Initiative für Gründer e.V.)



Gesine Westhäuser ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied von Startpunkt57 – Die Initiative für Gründer e.V.

Startpunkt57 bündelt in der Region Siegen-Wittgenstein alle Aktivitäten und Angebote für Gründer/innen und solche, die es werden wollen – angefangen bei der Sensibilisierung für Fragen der unternehmerischen Selbstständigkeit in Schule und Universität bis hin zur Qualifizierung in fachlichen und persönlichkeitsbezogenen Themen. Wettbewerbe, Planspiele, Seminare, Coachings, Trainings u.v.m. bieten ein Umfeld, das Mut machen soll, die eigenen Geschäftsideen in die Tat umzusetzen.

 

  1. Was muss eine gute Idee mitbringen, damit es mit der Selbstständigkeit klappt?

Die Idee muss auf eine bestimmte Art und Weise einzigartig sein, damit Kunden das Produkt kaufen oder die Dienstleistung in Anspruch nehmen. Das klingt erst mal simpel, aber gerade daran scheitern viele Vorhaben: Der Gründer ist zwar selbst von seinem Produkt oder seiner Dienstleistung überzeugt, aber er trifft damit auf keine Nachfrage. Entweder weil es nicht genügend Bedarf dafür gibt oder weil bereits etablierte Lösungen am Markt bestehen oder weil das Produkt schlichtweg zu teuer ist. Wichtig ist daher, den Bedarf der Zielgruppe, die Marktlage und die Konkurrenz vorab genau unter die Lupe zu nehmen, um die Nischen zu erkennen, die mir als Gründer unternehmerische Chancen bieten.

 

 

  1. Müssen bestimmte Qualifikationen gegeben sein, um sich beruflich selbstständig machen zu können?

Die Person des Gründers ist – neben einem tragfähigen Geschäftskonzept – der Schlüssel zum Erfolg. Sehr viele Vorhaben scheitern leider an den nicht vorhandenen persönlichen oder fachlichen Voraussetzungen. So positiv Begeisterung und Optimismus, gepaart mit einer innovativen Idee auch sind: Gründer benötigen vor allem eine realistische Sicht ihrer Stärken und Chancen, aber auch ihrer Risiken und Schwächen. Daher ist es wichtig, im permanenten Austausch mit Praktikern und Beratern zu stehen, offen für Kritik und Korrektur zu sein und sich weiterzubilden. Praktisch kann dies z. B. bedeuten, kaufmännische Lücken zu schließen, sich Fachwissen zu Marketingthemen anzueignen oder auch das eigene Auftreten in Akquisegesprächen weiterzuentwickeln. Da die meisten jungen Unternehmer ihr Vorhaben alleine umsetzen, kommt dem persönlichen Selbst- und Zeitmanagement ebenfalls eine große Bedeutung zu. In der Gründungseuphorie werden die eigenen Fertigkeiten schnell überschätzt, was häufig bereits bei den berufsbezogenen, branchenspezifischen Kenntnissen anfängt.

 

 

  1. Welche verschiedenen Möglichkeiten gibt es überhaupt, ein Unternehmen zu gründen?

Die Spielarten sind so vielfältig wie die Geschäftsideen und die Personen, die durch ihre Gründung neues berufliches Terrain betreten. Möchte ich alleine oder im Team gründen? Will ich sofort im Vollerwerb durchstarten und mir direkt den eigenen Arbeitsplatz schaffen oder lege ich zunächst einmal im Nebenerwerb los, um allmählich Fuß zu fassen? Möchte ich eine eigene Geschäftsidee umsetzen? Oder lieber ein bestehendes Unternehmen übernehmen? Will ich in meiner Region in einem Ladenlokal präsent sein oder vollzieht sich mein Gründungsvorhaben auf einer Onlineplattform, so dass ich theoretisch direkt weltweit gefunden werden kann?

 

 

  1. Ausschlaggebend fĂĽr den Erfolg ist eine gute Vorbereitung, inkl. eines ĂĽberzeugenden Businessplans. Wie erstelle ich einen solchen Plan und welche Informationen muss er enthalten?

Der Businessplan sollte der persönliche Unternehmensfahrplan für den Gründer sein. Nicht nur ein potenzieller Geldgeber, sondern auch der junge Selbstständige selbst gewinnt durch einen realistischen Geschäftsplan einen Eindruck von der Idee, den Zielen des Vorhabens, den Erfolgsaussichten u.v.m. Gute Leitfäden und Tools für Businesspläne (z. B. www.smartbusinessplan.de) gibt es zahlreich. Es geht jedoch nicht darum, vorgefertigte Muster auszufüllen und möglichst viele Seiten zu produzieren. Vielmehr stellt ein guter Businessplan die persönliche Geschäftsstrategie dar. Folgende inhaltliche Struktur hat sich hierbei bewährt:

  • Zusammenfassung des Vorhabens
  • Profil des GrĂĽnders (Lebenslauf, fachlich, persönlich)
  • Geschäftsidee
  • Produkt/Dienstleistung (Merkmale, Kundennutzen, Entwicklungsstand usw.)
  • Markt / Wettbewerbssituation / Standort (Branche, Zielgruppe, Konkurrenz usw.)
  • Marketing und Vertrieb (Markteintritt, Absatzförderung, Werbung usw.)
  • Unternehmensorganisation (Rechtsform, Aufgabenverteilung usw.)
  • 3-Jahres-Plan und mögliche Szenarien
  • Kapitalbedarf und Finanzierung
  • Betriebswirtschaftliche Planrechnungen (Rentabilität, Liquidität)

Je nach Vorhaben sind selbstverständlich nicht alle Bausteine gleich relevant. Daher gilt es, die eigenen Planungen individuell, ehrlich, realitätsnah und gleichzeitig visionär zu Papier zu bringen.

 

 

  1. Wie kann der Start in die berufliche Selbstständigkeit finanziert werden?

Entweder mit eigenem oder mit fremden Geld. Selten reicht aber das Eigenkapital aus, und sämtliche Reserven aufzubrauchen, ist ebenfalls nicht empfehlenswert. Dennoch vereinfachen eigenes Geld oder Vermögensgegenstände den Zugang zum Fremdkapital, das ein Kreditinstitut in das Gründungsvorhaben investiert. Denn wer eigene Mittel einbringt, gewinnt Vertrauen und zeigt Risikobereitschaft. Ein klassisches Bankdarlehen, also Fremdkapital, wird verzinst, regelmäßig getilgt und bedarf i.d.R. einer Sicherheit. Um diese Zahlungen tätigen zu können, benötigt der Gründer entsprechende Einnahmen. Beteiligungskapital als Eigenkapitalersatz kann eine interessante Alternative sein, wenn beispielsweise zunächst einmal reine Forschungs- und Entwicklungskosten zu finanzieren sind. Vorteil für den Gründer ist, dass der Kapitalgeber sein Know-how und seine Erfahrungen ins Unternehmen einbringt und das Vorhaben daher deutlich enger begleitet als die Bank im Falle der Kreditbeziehung. Sicherheiten sind i.d.R. nicht erforderlich, da der externe Investor ein eigenes kalkuliertes unternehmerisches Risiko trägt. Er möchte – genau wie der Gründer – die Chance sehen, dass er mit seinem Investment Gewinne erzielt und die Beteiligung nach ein paar Jahren veräußert. Im Gegenzug nimmt der Gründer in Kauf, dass er bestimmte geschäftspolitische Entscheidungen nicht alleine trifft. Kredit und Beteiligung lassen sich übrigens auch miteinander kombinieren.

Wichtig ebenfalls: Öffentliche Förderinstitute. Sie geben zinsgünstige oder sogar zinsfreie Fördermittel aus, die ersten Jahre sind oftmals tilgungsfrei und Sicherheiten vielfach nicht erforderlich. Um in den Genuss dieser Vorteile zu kommen, ist i.d.R. ein positives Votum der Hausbank zur Bonität des Gründers und den Erfolgsaussichten des Geschäftsmodells nötig. Es gibt eine große Zahl öffentlicher Förderprogramme. Einen Weg durch diesen Dschungel lässt sich am besten mit dem Förderberater der eigenen Bank schlagen.

Ziemlich neu im Finanzierungs-1×1 ist Crowdfunding – also das Einsammeln von Geld in der Breite der Bevölkerung ĂĽbers Internet. Auch hier wollen die Menschen davon ĂĽberzeugt werden, dass die Geschäftsidee so erfolgreich oder zumindest populär ist, dass sie bereit sind, dem GrĂĽnder, den sie nicht persönlich kennen, Geld dafĂĽr zu geben.

In jedem Fall steht immer die Frage im Vordergrund, wofür das Geld benötigt wird, denn die Antwort hierauf entscheidet darüber, welche Form der Finanzierung dann am meisten Sinn macht. Muss der Gründer Anlaufkosten stemmen? Waren einkaufen? Sollen die künftigen laufenden Ausgaben vorfinanziert werden? Oder geht es um andere Anschaffungen?

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