Karrierefaktor 30. Juni 2017

So gelingt jedes Mitarbeitergespräch


Du wirst zum Mitarbeiterjahresgespr√§ch eingeladen. Macht dich das erst einmal nerv√∂s? Das muss es nicht, selbst wenn du ein solches Gespr√§ch bislang noch nicht gef√ľhrt hast.

Ein solches Feedbackgespr√§ch gibt dir die M√∂glichkeit, Dinge anzusprechen, die dir am Herzen liegen. Gleichzeitig bekommst du erkl√§rt, wie du auf deine Vorgesetzten wirkst. Wahrscheinlich wird sich eure Ansicht nicht in allen Punkten √ľberschneiden. Dennoch wird sich das Gespr√§ch als konstruktiv erweisen.
 

Was ist das Mitarbeiterjahresgespräch?

Bei Unternehmen mit flachen Hierarchien kann es durchaus sein, dass der Chef mal in der K√ľche steht und beil√§ufig fragt: „Wie l√§uft’s?“ Das ist nat√ľrlich eine nette Geste, aber wahrscheinlich antwortest du darauf √§hnlich mechanisch mit „gut, danke“ oder „muss ja“, wie wenn jemand sich bei der Begr√ľ√üung nach deinem Befinden erkundigt: Zwischen T√ľr und Angel sprichst du mit einem Vorgesetzten wohl kaum √ľber das schwierige Arbeitsklima, vor allem, wenn deine Kollegen jederzeit um die Ecke kommen k√∂nnen.

Im Mitarbeiterjahresgespr√§ch hast du die M√∂glichkeit, ehrlich und offen √ľber deinen Arbeitsalltag zu sprechen. Gemeinsam √ľberlegt ihr, was gut l√§uft, wo Verbesserungen n√∂tig sind und wie ihr sie erreichen k√∂nnt.
 

Sorgfältig vorbereiten

Nimm die Einladung zum Mitarbeiterjahresgespr√§ch nicht auf die leichte Schulter! Es geht nicht nur darum, wie du dich im Unternehmen f√ľhlst, sondern auch, welchen Mehrwert du bietest. Geh all deine Aufgaben und Projekte des letzten Jahres durch: Wo warst du besonders erfolgreich? Und warum? Was ist dir weniger gut gegl√ľckt, und was waren die Gr√ľnde daf√ľr? √úberlege, welchen Wert du f√ľr das Unternehmen darstellst und was du gern noch erreichen m√∂chtest. Welche Anstrengungen wirst du daf√ľr unternehmen m√ľssen? M√∂chtest du gern eine Fort- oder Weiterbildung machen? Inwiefern k√§me diese dem Unternehmen zugute?

Hast du bereits ein Mitarbeiterjahresgespr√§ch gehabt, solltest du dir anschauen, welche Ziele damals vereinbart worden sind. Hast du sie erreicht? Und falls nicht, was waren die Gr√ľnde daf√ľr? Hast du bestimmte Talente und F√§higkeiten, die du nicht nutzen kannst, obwohl das gut f√ľr das Unternehmen w√§re?
 

Mit Kritik richtig umgehen

Sei darauf vorbereitet, dass du nicht nur gelobt werden wirst. Das funktioniert am besten, wenn du deine möglichen Fehler genau beleuchtest. Haben Kollegen dir schon gesagt, dass du Dinge schneller kommunizieren musst? Wenden sie sich im Team eher an andere Mitarbeiter als an dich? Diese kleinen Hinweise solltest du annehmen, um im Gespräch nicht eiskalt erwischt zu werden, wenn dein Vorgesetzter dir sagt, dass du an deiner Kommunikation und Teamfähigkeit arbeiten musst.

Bei Aufgaben, die nicht gut gelaufen sind, musst du den Grund herausfinden ‚Äď sie werden auf jeden Fall angesprochen. Zeige, dass du dich mit dem Misslingen oder der nicht optimalen Erf√ľllung auseinandergesetzt hast und dass du bereit bist, daran zu arbeiten, dass das nicht wieder passiert.

Kritisiert dein Vorgesetzter dich, nimm seine Worte nicht pers√∂nlich. Er greift dich nicht an, sondern zeigt dir Punkte auf, an denen du arbeiten musst. Auch, wenn du das Gef√ľhl hast, dass die Kritik ungerechtfertigt ist, widersprich nicht sofort: Deine eigene Wahrnehmung muss nicht zwingend der seinen entsprechen. Lass dir Zeit, um dar√ľber nachzudenken: Kann es sein, dass er nicht doch recht hat? Ein gut vorbereiteter Vorgesetzter kann dir Punkte nennen, in dem dein Verhalten negative Auswirkungen hatte.

Pr√ľfe objektiv und mit etwas Abstand, ob nicht doch ein K√∂rnchen Wahrheit darin steckt. So kannst du an dir arbeiten. Frage im Zweifelsfall bei Kollegen nach, ob sie auch diesen Eindruck hatten. Meinst du etwas nicht so, wie alle es auffassen, ist eine Verhaltens√§nderung trotzdem angebracht ‚Äď schlie√ülich kann keiner deiner Kollegen oder Vorgesetzten hellsehen.
 

Kritik sorgfältig formulieren

Das Mitarbeiterjahresgespr√§ch ist dazu da, dass du selbst Probleme ansprechen kannst. Allerdings ist es nat√ľrlich eine kitzelige Situation, den Vorgesetzten zu kritisieren, mit dem du gerade sprichst. F√ľhrt sein Verhalten allerdings dazu, dass dir die Arbeit erschwert wird, musst du das ansprechen. Immer wieder wird zum Beispiel die Klage laut, dass die Kommunikation in Unternehmen nicht gut funktioniert: Informationen werden dann nur bruchst√ľckhaft oder sp√§t weitergegeben.

Die Mitarbeiter arbeiten in solchen F√§llen unter einem zeitlichen Druck, der die Sorgfalt beeintr√§chtigt. Wird hier das Ergebnis fehlerhaft, k√∂nnen sie nichts daf√ľr. √úberlege dir in solchen F√§llen genau, wie du das formulierst: Es sollte nicht wie ein Vorwurf klingen. Erkl√§re sachlich, wie eins zum anderen f√ľhrt, und zeige auf, wie durch eine kleine √Ąnderung im Verhalten deines Vorgesetzten alle profitieren k√∂nnen.
 

Talente und Ideen einbringen

Jeder hat bestimmte Themen, die ihn besonders interessieren. Du wirst auch schon festgestellt haben, dass einige Aufgaben spannender f√ľr dich waren als andere. Stelle deine Erfolge bei diesen Aufgaben besonders heraus und erkl√§re, warum ein √§hnlicher Einsatzbereich f√ľr dich und das Unternehmen vorteilhaft w√§re. Wenn du deinen Talenten und Neigungen nachgehen kannst, bist du zufriedener und produktiver, als wenn du dich mit Dingen herumschl√§gst, die dir vollkommen egal sind. Das wei√ü auch jeder gute Vorgesetzte.

Hattest du bei einem Projekt eine Idee, wie man es verbessern könnte, sprich das jetzt an: Vielleicht könnt ihr ohne allzu großen Aufwand den Leistungskatalog erweitern oder die Abläufe verschlanken? Eine derartige Eigeninitiative wird immer gern gesehen: Sie zeigt, dass du dich mit dem Unternehmen auseinandersetzt und dass du Lust hast, es mit nach vorne zu bringen.
 

Immer das nächste Gespräch im Auge

Ein guter Vorgesetzter versucht, dein Potenzial, deine St√§rken und deine Schw√§chen zu erkennen. Du kannst ihm helfen, indem du ihn darauf hinweist, was du sehr gut und was du weniger gut kannst. Setzt er dich so ein, dass du deine Vorteile nutzen und deine Schw√§chen bearbeiten kannst, ist euch beiden gedient. Die Zielvereinbarung f√ľr das n√§chste Jahr sollte diesen Dingen Rechnung tragen. Und du selbst machst dir am besten vom ersten Tag an Stichpunkte: Was habt ihr vereinbart, und wie setze ich es um?

Die Annahme, dass du dir alles merken kannst, ist ein Fehlschluss. Zwei, drei Projekte später erinnerst du dich an bestimmte Abläufe nur noch schemenhaft. Schreibe also sofort auf, was im Projekt wie geschehen ist, wie du agiert und wie du die Kritik umzusetzen versucht hast. Sei ehrlich dabei, denn ein Vorgesetzter, der sich sorgfältig vorbereitet, macht sich ebenfalls Stichpunkte.

Trefft ihr euch in einem Jahr wieder und stellt ihr fest, dass eure Beobachtungen einander gleichen, hast du direkt einen Stein bei ihm im Brett: Du hast unter Beweis gestellt, dass du den Job nicht nur wegen des Gehalts machst, sondern dass du kritikf√§hig und breit bist, an dir zu arbeiten. Solche Mitarbeiter braucht jedes Unternehmen. Viel Gl√ľck im Gespr√§ch!
 

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