Gastbeitrag Gastbeitrag 18. September 2017

Mitarbeit in einem Startup: Wer wirklich dafĂŒr geeignet ist. Ein Check-Up

Group of Business People Working on an Office Desk

Startups können sehr schnell zu einem großen Erfolg werden. Wer möchte nicht beim nĂ€chsten Facebook dabei sein? Doch Startup kann nicht jeder – ein Check-Up.

Kann ich Startup?

Nirgendwo außer im Rahmen einer SelbststĂ€ndigkeit kann man sich so selbstverwirklichen wie mit einer eigenengagierten Mitarbeit in einem Startup. Nirgendwo sind die Aufgabengebiete so abwechslungsreich, die Hierarchien so flach, die Arbeit so unternehmerisch geprĂ€gt wie in einem Startup – aber es gibt auch Risiken und Nachteile in der so attraktiv erscheinenden GrĂŒnderwelt: Auch gute Startup-Ideen können scheitern, komplett umgekrempelt werden, die GehĂ€lter liegen oft unter denen von Konzernen, Überstunden und Nachtschichten gehören eher zur Regel als zur Ausnahme und fĂŒr den Lebenslauf entscheidet man sich in den seltensten FĂ€llen fĂŒr eine Startup-Karriere, denn meist fehlt die dafĂŒr nötige Reputation des Startups.
Um zu wissen, ob man selbst in die Arbeitswelt von Startups passt, ist eines besonders wichtig: Kommunikation und die intensive BeschĂ€ftigung mit der Wunschbranche und dem GrĂŒnderunternehmen, in dem man sich am liebsten erfolgreich beteiligen möchte. Also: XING und LinkedIn nutzen, Kontakte knĂŒpfen und mit Leuten reden, die entweder bereits in einem Startup arbeiten oder dort schon einmal gearbeitet haben.

Hat man den Kontakt zu interessanten Persönlichkeiten im Startup-Umfeld hergestellt, sind zunÀchst mal die Antworten auf folgende klassische Fragen hilfreich:

  • Welche beruflichen Voraussetzungen haben andere mitgebracht?
  • Welche Ausbildung mit welchen Schwerpunkten wurde absolviert?
  • Welche Berufspraxis war eine gute Vorbereitung fĂŒr das aktuelle Engagement in dem jeweiligen Startup?
  • Welche generellen Empfehlungen sind möglich?

Hierdurch erhĂ€lt man Klarheit darĂŒber, in welcher Weise die eigenen Zwischenziele auf dem Weg zum eigentlichen Karriereziel gelegt werden könnten. Ein strategisch guter Plan, der schriftlich festgehalten und kontinuierlich beachtet sowie bei Bedarf angepasst wird, ist eine ideale Vorbereitung und UnterstĂŒtzung bei der Hauptaufgabe: Tun, machen, handeln!

Praxiserfahrungen, Praktika, Projekte, unbezahlte kurzfristige Mitarbeit sowie freie Mitarbeiten sind ebenfalls alles Chancen, um herauszufinden, ob man wirklich fĂŒr die Arbeitswelt in einem Startup geeignet ist. Von außen mag die Startup-Welt unglaublich interessant, locker und anziehend wirken. Doch wer einmal hinter die BĂŒhne geschaut hat, der kann viel fundierter beurteilen, ob dieses Arbeitsumfeld fĂŒr einen selbst wirklich Sinn macht oder nicht.

Zu dieser EinschĂ€tzung gehört auch die Beantwortung der Frage, ob man die notwendige Ausdauer und Begeisterung mitbringt, um auch stressige Phasen, Phasen der vielfĂ€ltigen Unsicherheiten und Phasen der Frustration ĂŒberstehen zu können. Man muss vorab selbstkritisch beurteilen, ob man fĂŒr eine solche Perspektive wirklich der richtige Kandidat bzw. die richtige Kandidatin ist. Ein Startup ist permanenter Wandel und wer sich mit Unsicherheit nicht wohl fĂŒhlt, der wird wahrscheinlich in diesem Umfeld nicht glĂŒcklich.

Es bestehen oft keine Sicherheiten und auch die Rollen der Mitarbeiter sind meist nicht klar definiert. Gerade aus diesem Grunde sollte man sich selbst darĂŒber sicher sein, was man kann und wo man hin möchte. Ansonsten besteht die Gefahr sich im den Unsicherheiten des Startup-Lebens zu verlieren und nur reaktiv zu agieren.

Eine Empfehlung ist deshalb sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Bei einer Vielzahl von Unsicherheiten und stÀndiger Dynamik ist es empfehlenswert, eine gewisse innere Klarheit hinsichtlich der eigenen Ziele und PrioritÀten zu haben und diese idealerweise schriftlich festzuhalten. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass die Visualisierung von Zielen und Zwischenschritten die Chance zur Zielerreichung massiv steigert.

Auch wenn die unsichere Startup-Welt nicht mit festen, starren PlĂ€nen vereinbar ist, so können gewisse grobe Ziele, z. B. bestimmte bevorzugte Aufgabengebiete, durchaus als Wunsch formuliert werden. Auf diese Weise behĂ€lt man den Überblick und kann auch in stĂŒrmischen Zeiten einfacher entscheiden, wie man auf unerwartete Herausforderungen gut reagiert. Dies alles mag nun vielleicht etwas komplex klingen, aber das Visualisieren der eigenen Ziele ist ein durchaus relevanter Punkt, um im Startup erfolgreich und einflussreich zu werden.

Wenn dann klar ist, dass die Startup-Welt genau das richtige ist, geht es an die Wahl des fĂŒr einen richtigen Startups. Dabei zu beachten? Genau: Kommunikation und Erfahrungsaustausch mit (Ex-)Mitarbeitern und spĂ€ter dann: das richtige Deuten der Antworten auf die eigenen Fragen, die man wĂ€hrend des VorstellungsgeprĂ€chs stellen konnte.

Wichtig ist nicht nur, dass der oder die GrĂŒnder eine klare Vision haben, sondern diese auch in klar definierte Arbeitspakete ĂŒbersetzen kann/können. Handelt es sich um ein GrĂŒnderteam, sollte klar sein, dass es an einem Strang zieht – zerstrittene GrĂŒnder sind mitunter das Schlimmste, was einem Startup passieren kann, denn eine Vision braucht ein geschlossenes Team hinter sich, das zielgerecht und fokussiert fĂŒr die Idee arbeitet. Ebenfalls wichtig: Ein divergent zusammengesetztes Startup-Team mit Köpfen voller unterschiedlicher Erfahrungen, Wissenswelten und Kenntnissen wie FĂ€higkeiten, denn die tĂ€glichen Herausforderungen sind so bunt und vielfĂ€ltig, dass ein gleichförmiges Team sie nur schwer bewĂ€ltigen könnte.

Arbeitsmarkt und Recruiting

Auch in der Startup-Welt gilt das Motto „Gute Leute werden immer gebraucht“. Wichtig ist, zu verstehen, dass dieser Satz mit einer gewissen Dynamik verbunden ist, also sich der Personalbedarf sehr flexibel entwickeln kann und dass die Mitarbeitersuche sich von der von Konzernen und mittelstĂ€ndischen stark unterscheidet: Stellenausschreibung sind weniger relevant als persönliche GesprĂ€che und Netzwerke.
Die FlexibiliÀt im Personalbedarf hÀngt u. a. mit den unterschiedlichen Startup-Phasen zusammen. Immer wird auch die verÀnderte Situation der jeweiligen Phase eine individuelle Personalsituation erzeugen, die dann zum Personalbedarf wird.

Es ist ein Fakt, dass eine traditionelle Karriere im Sinne von Einstieg, BewĂ€hrung und Aufstieg sicherlich ebenfalls in Startups möglich, jedoch auf keinen Fall die Regel ist. Die Geschwindigkeit ist eine andere: Von neuen Mitarbeitern im Startup werden im Vergleich zu mittelstĂ€ndischen Firmen oder gar Konzernen mehr und schnellere Entscheidungen verlangt. FĂŒr Mitarbeiter bedeutet dies, dass man sich an die sich stetig Ă€ndernden Bedingungen und Situationen sowie an eine schnelle Arbeitsgeschwindigkeit anpassen sollte.

Engagierte Mitarbeiter sind fĂŒr 36 Prozent der deutschen Startup-Unternehmen der zentrale Erfolgsfaktor und damit relevanter als eine GeschĂ€ftsidee (29 Prozent) oder eine klare Vision und Strategie (22 Prozent), sagt eine Studie des WirtschaftsprĂŒfungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC) , das deutschlandweit rund 270 Startups befragt hat. Startups sind also laufend auf der Suche nach qualifizierten und talentierten Bewerbern, haben aber auch besondere AnsprĂŒche, die nicht (in allen Punkten) mit denen eines MittelstĂ€ndlers oder gar eines Konzerns zu vergleichen sind. Logisch, denn die MĂ€rkte von Startups sind meist hart umkĂ€mpft. Dementsprechend groß ist der Wettbewerbsdruck. Hinzu kommen hohe Erwartungen der Investoren an effiziente Workflows, gutes Management und vor allem: An einen frĂŒhen Markterfolg.

Trotz spezieller Startup-Jobbörsen, Startup-Recruiting-Events und Anbindung an Netzwerke (via VCs oder Business Angels oder der NĂ€he zu bestimmten Hochschulen) haben viele Startups massive Probleme, die richtigen Leute zu finden. Das bestĂ€tigen die Zahlen der PwC-Studie: Fast drei von vier (73 Prozent) GrĂŒndern haben nach eigenen Angaben Schwierigkeiten bei der Mitarbeitersuche. „Startup-Unternehmen bekommen den FachkrĂ€ftemangel deutlich zu spĂŒren“, so PwC weiter. Allerdings gibt es regionale Unterschiede: In der Startup-Hauptstadt Berlin gaben nur 63 Prozent der Jungunternehmer an, sich bei der Rekrutierung von Mitarbeitern schwerzutun. Die meisten Startups gaben ebenfalls an, dass sie sich gerne wieder von Mitarbeitern trennen wĂŒrden, weil es ihnen an Motivation fehle (44 Prozent).

Die GrĂŒnde dafĂŒr, dass viele GrĂŒnder kein gutes HĂ€ndchen fĂŒrs richtige Personal haben und die Fehlbesetzungsquote im Vergleich zu etablierten Unternehmen deutlich zu hoch ist, sind vielfĂ€ltig: Der ausschlaggebendste Grund, glaubt man der Studie von PwC, liegt darin, dass die Mitarbeitersuche hĂ€ufig nicht sonderlich professionell ablĂ€uft: 74 Prozent der Jungunternehmer rekrutieren ihr Personal ĂŒber private Kontakte und Empfehlungen. Klar, denn welches Startup hat schon GrĂŒnder, die ĂŒber Recruiting-Erfahrung verfĂŒgen? Ein Budget fĂŒr die Personalsuche können ebenfalls die wenigsten mit einplanen, geschweige denn einen Vollzeit-Personaler einstellen.

Bekannt sind viele Startups in der Regel auch nicht, sodass Initiativbewerbungen so gut wie nie vorkommen. Und aus Sicht des Bewerbers sind die HĂŒrden auch etwas grĂ¶ĂŸer als bei einem Job in einem bekannten Unternehmen: Die Stellenbezeichnungen und Aufgabenprofile sind oft nicht ganz eindeutig, denn die Verantwortungsgrenzen in Startups verschwimmen meist sehr stark. Die Jobsicherheit der Mitarbeiter ist geringer, das Unternehmen ist ein lebendiger Change-Prozess, es gibt wenig klare Strukturen, feste Prozesse und ggf. auch ein geringeres Gehalt als in einem traditionellen Konzern.

Aber das alles sollte keinen abschrecken, der sich mit dem Gedanken beschĂ€ftigt, Karriere in einem Startup machen zu wollen, denn den genannten Punkten stehen eine Reihe an Vorteilen von Startup-Jobs gegenĂŒber.

DurchkĂ€mmt man online den Stellenmarkt nach Startup-Jobs und kategorisiert man grob die Aufgabenbereiche, in denen Top-Talente gesucht werden, wird man schnell fĂŒndig – und stellt fest, dass man trotz der vielen Technologie-Startups kein Informatikstudium abgeschlossen haben muss, um eine erfolgreiche Karriere im Startup zu starten: Einige Startups suchen nach weiteren Mitgliedern fĂŒr das Management-Team, die GeschĂ€ftsfĂŒhrung oder das Interims-Management.

Sucht man nach Fachbereichen, ist die IT-Branche ziemlich weit vorne: Entwickler, Programmierer, Experten fĂŒr Schnittstellendesign oder User-Experience werden von nahezu jedem Startup gesucht, gefolgt von Stellen im Produkt- und Projektmanagement, Marketing/PR, Content/Redaktion, Vertrieb/Sales, Finanzen/Controlling. Praktikanten und Werkstudenten werden in der Regel in allen genannten Fachbereichen gesucht, plus z. B. Administration, Callcenter.

 

Top Startup-Branchen

Startups fordern klassische Player in allen Bereichen heraus. Beispiele hierfĂŒr sind die Industrien Energie/Smarthome, Gesundheit, Immobilien, Bildung, Personalwesen, Versicherungen, Infrastruktur und MobilitĂ€t. Die digitale Transformation mĂŒssen sie nicht meistern. Sie leben digital und entwickeln neue digitale GeschĂ€ftsmodelle oder -prozesse in MĂ€rkten, in denen tradierte Konzerne nicht nur, aber auch mit der Digitalisierung kĂ€mpfen.
Auf Platz eins der Risikokapitalinvestitionen rangiert laut einer Studie der WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft Ernst&Young der Bereich Finanzdienstleistungen/FinTech, gefolgt vom Bereich e-Commerce. Darunter fallen zum Beispiel Lieferdienste oder Online-HĂ€ndler und Shopping Clubs. Auf Rang drei folgt die Branche Software & Analytics, Health, Media & Entertainment, Mobility und Energie.

Location, Location, Location: Startup-Regionen in Deutschland

Ungeschlagene Startup-Hauptstadt ist Berlin. Das zeigt das Startup-Barometer der WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft EY: Bei 220 Finanzierungsrunden erhielten Berliner Jungunternehmen insgesamt 1,07 Milliarden Euro. Wie in Berlin wurden auch in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hamburg mehr Finanzierungsrunden gezĂ€hlt als im Vorjahr. Beim Finanzierungsvolumen konnten sich im vergangenen Jahr die Start-up-Standorte Bayern und Nordrhein-Westfalen hinter der Bundeshauptstadt platzieren – und verzeichneten dabei erhebliche ZuwĂ€chse: Bayern um 87 Prozent und NRW um 57 Prozent.
Laut KPMG holt außerdem vor allem die Metropolregion Rhein-Ruhr extra auf, zu der StĂ€dte wie Dortmund, Köln oder DĂŒsseldorf zĂ€hlen. In dieser Region sind bereits 14,1 Prozent aller deutschen Startups zuhause.

Weitere Empfehlungen & Tipps rund um die Arbeit in einem Startup in unserem Buchtipp:

Buchtipp: Im Startup die Welt gestalten

 

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Gastbeitrag Gastbeitrag von: Stefan Rippler
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Über den/die Autor(in)

Stefan Rippler lebt in MĂŒnchen. Er ist Herausgeber und Autor mehrerer Karriere-FachbĂŒcher. Journalistische Erfahrungen gesammelt bei der Lokalpresse, spĂ€ter bei Burda, Bertelsmann, Bauer und Springer. Derzeit ist er Chefredakteur der DIY- und Wohnzeitschriften aus der Selbermachen Media GmbH. In der Freizeit liest er Philosophisches oder SachbĂŒcher, ist mit der Kamera unterwegs oder joggt und genießt die Natur – am liebsten in den Bergen.


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