Karrierefaktor 14. November 2018

Passive Jobsuche: So bewerben sich die Arbeitgeber bei Ihnen!


Die traditionelle Jobsuche verläuft nach einem festen, immer gleichen Schema: Ein Arbeitnehmer sucht nach passenden Stellenausschreibungen, versendet seine Bewerbungsunterlagen und hofft dann darauf, zu einem Vorstellungsgespräch (Englisch auch Jobinterview genannt) eingeladen zu werden.

So war es immer und so wird es immer bleiben!? Natürlich nicht. Denn wie so vieles in der modernen, von der Digitalisierung geprägten Arbeitswelt befindet sich auch die Jobsuche in einem stetigen Wandel. Und so kommt es, dass sich inzwischen zu der klassischen Variante eine neue gesellt: Die passive Jobsuche. Was es damit auf sich hat, was Sie davon erwarten können und wie genau die passive Jobsuche überhaupt funktioniert – das alles erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag.

 

Definition: Was ist die passive Jobsuche?

Die passive Jobsuche ist – vereinfacht gesagt – der Gegenentwurf zur traditionellen Jobsuche. Anstatt aktiv auf einen Arbeitgeber zuzugehen, indem Sie ihm Ihre Bewerbungsunterlagen zusenden, begeben Sie sich in eine passive Rolle und lassen sich finden.

  • Klassische Jobsuche: Arbeitnehmer geht auf den Arbeitgeber zu
  • Passive Jobsuche: Arbeitgeber geht auf den Arbeitnehmer zu

Oder anders formuliert: Sie suchen keinen Job, sondern der Job findet Sie.

Wichtig zu wissen: „Passiv“ bedeutet nicht, dass Sie sich als Jobsuchender zurücklehnen können und einfach nur darauf warten müssen, dass Ihr Traumarbeitgeber anklopft. Auch diese Form der Jobsuche verlangt nach einem gewissen Engagement.

 

Die wachsende Bedeutung der passiven Jobsuche

Während noch vor wenigen Jahren kaum daran zu denken war, dass sich Arbeitgeber gezielt an Arbeitnehmer wenden und ihnen eine Stelle anbieten, wird die passive Jobsuche mittlerweile immer mehr zur Normalität.

Das liegt an verschiedenen Faktoren:

  • die fortschreitende Digitalisierung begĂĽnstigt viele Möglichkeiten der passiven Jobsuche
  • Arbeitgeber erkennen, dass sie durch die passive Jobsuche Zeit und Geld sparen können

Zu Punkt 1 dieser kurzen Auflistung erfahren Sie weiter unten im Beitrag mehr. An dieser Stelle möchten wir uns noch etwas intensiver mit Punkt 2 auseinandersetzen.

 

Der Vorteil der passiven Jobsuche fĂĽr Arbeitgeber

Im ersten Moment erscheint die Aussage widersprüchlich – immerhin muss der Arbeitgeber (beziehungsweise die Personalabteilung) viel Zeit in die Suche nach geeigneten Kandidaten investieren und anschließend die Initiative im Hinblick auf den ersten Kontakt ergreifen.

Trotzdem (oder gerade deswegen) ist die passive Jobsuche für Unternehmen so interessant. Sie sorgt nämlich dafür, dass Personaler viel bewusster nach vielversprechenden Mitarbeitern suchen können und von einer großen Bewerberflut verschont bleiben. Durch die gezielte Ansprache und den Wegfall der Sichtung von zig Bewerbungsmappen entsteht eine hohe Zeitersparnis – was wiederum bedeutet, dass das Unternehmen auch Geld spart.

 

Vorteile und Nachteile der passiven Jobsuche fĂĽr Arbeitnehmer

Nun wissen wir, warum die passive Jobsuche für Personalabteilungen und Arbeitgeber so attraktiv ist. Doch wie sieht es mit der anderen Seite aus? Auf welche Vorteile (und Nachteile!) können Sie sich als Bewerber einstellen?

 

Wie funktioniert die passive Jobsuche?

Die passive Jobsuche folgt keinen festen Regeln und Gesetzmäßigkeiten. Wichtig ist letztlich nur das:

Sie müssen die Aufmerksamkeit der Unternehmen gewinnen beziehungsweise sichtbar für Personaler sein. Diese Möglichkeiten stehen Ihnen hierfür (unter anderem) zur Verfügung:

 

Das eigene Netzwerk / „Vitamin B“

Egal ob Netzwerktreffen, überregionale Branchen-Konferenz oder ein Abendessen mit Freunden – immer dann, wenn sich Ihnen die Gelegenheit bietet, sollten Sie ansprechen, dass Sie offen für berufliche Veränderungen sind.

Sobald Ihr (berufliches und privates) Umfeld über Ihre Absichten informiert ist, wird es mehr oder weniger bewusst Augen und Ohren offen halten und Ihren Namen fallen lassen, wenn es um die Suche nach fähigem Fachpersonal geht.

Praxistipp: Haben Sie immer ein paar Visitenkarten zur Hand, die Ihr Kontakt an potentielle Arbeitgeber weiterreichen kann. So bleibt Ihr Vorhaben im Gedächtnis und die Entscheider wissen gleich, auf welchen Wegen sie Sie erreichen können.

 

Social Media-Aktivitäten

Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram sind längst nicht mehr nur „Orte“ der seichten Unterhaltung. Sie verwandeln sich nach und nach in ein Schaulaufen der beruflichen Intentionen und werden auch dementsprechend eingesetzt.

Plattformen, die für die passive Jobsuche ganz besonders gut geeignet sind, sind die Karriere-Netzwerke Xing und LinkedIn. Hier steht das Business im Vordergrund und hier gehört die berufliche Vernetzung zum guten Ton.

Damit Ihre Chancen auf Erfolg möglichst hoch sind, sollten Sie alle Möglichkeiten, die Ihnen Xing und LinkedIn bieten, vollständig ausschöpfen:

  • Legen Sie einen lĂĽckenlosen Lebenslauf an
  • Erstellen Sie ein aussagekräftiges Portfolio mit mehreren Arbeitsproben, Arbeitszeugnissen und anderen Dokumenten, die Ihre Fähigkeiten unterstreichen
  • Betonen Sie Ihr Interesse an einem Jobwechsel unterschwellig durch Aussagen wie „Immer auf der Suche nach neuen beruflichen Herausforderungen“
  • Machen Sie möglichst viele Angaben zu Ihrer Person (ehrenamtliches Engagement, Zertifikate, Fremdsprachenkenntnisse, etc.)

 

Blogs und andere Web-Projekte

Das World Wide Web bietet Ihnen unendlich viel Raum für die private und berufliche Selbstdarstellung. Nutzen Sie diesem, um Ihrem Traumjob ein großes Stück näher zu kommen!

Ein Blog ist zum Beispiel die ideale Plattform, um Ihr Expertenwissen auf dem Gebiet XY zu unterstreichen. Wenn Sie selbst keine Zeit haben, regelmäßig Fachbeiträge für Ihre Branche zu verfassen, dann besteht auch die Möglichkeit, nur hin und wieder als Gastautor auf anderen Blogs aufzutreten.

Wenn Ihnen das Schreiben nicht sonderlich liegt, Sie aber dennoch Ihr Können im Internet unter Beweis und zur Schau stellen wollen, dann können Sie auch jedes andere Web-Projekt in die Tat umsetzen. Hier ein paar Beispiele:

  • Podcast
  • Youtube-Channel
  • grafische Arbeiten in Form von Printables
  • Videospiel-Demo
  • Online Shop-Dummy

 

Eigene Webseite

Die genannten Beispiele sind Ihnen zu speziell und Sie sind auf der Suche nach einer allgemeineren Möglichkeit, um sich auf die passive Jobsuche zu begeben? Dann legen Sie doch eine Webseite an, die sich ausschließlich mit Ihrer Person und Ihren bisherigen beruflichen Erfolgen befasst.

Auf „www.vorname-nachname.de“ können Sie nicht nur einen umfassenden Lebenslauf hinterlegen, sondern auch alle bisherigen Stationen Ihrer Karriere detailliert beschreiben. Arbeitsproben, Angaben zu persönlichen Interessen und O-Töne bisheriger Arbeitgeber runden die Web-Präsenz ab.

Praxistipp: Um die Aufmerksamkeit der suchenden Personaler möglichst schnell zu wecken, sollten Sie das Thema Suchmaschinenoptimierung auf keinen Fall aus den Augen lassen. Verwenden Sie beispielsweise spezielle Suchbegriffe wie „IT-Experte aus Berlin“, um auch wirklich gefunden zu werden.

 

Spezielle Jobportale

Nicht nur die Personalabteilungen der Unternehmen haben die passive Jobsuche auf dem Schirm, auch entsprechende Portale bieten ihren Nutzern mittlerweile die Möglichkeit an, vom Arbeitgeber gefunden zu werden.

Diese wohl einfachste Form der passiven Jobsuche erfreut sich natürlich größter Beliebtheit – und sollte genau deswegen nicht als Allheilmittel verstanden werden. Um aus der Masse der Konkurrenten hervorzustechen, müssen Sie mit Ihrem Bewerberprofil unbedingt überraschen.

Betonen Sie also nicht nur, was Ihre Stärken sind, sondern machen Sie auch deutlich, aus welchen Gründen Sie einzigartig sind. Mit 08/15-Angaben überzeugen Sie niemanden.

 

GemeinnĂĽtziges Pro bono-Arbeiten

Ehrenamtliches Engagement ist nicht nur gut für Ihr Karma-Konto, sondern kann sich auch positiv auf die passive Jobsuche auswirken. Indem Sie beispielsweise ohne Bezahlung für eine gemeinnützige Organisation arbeiten oder sich in einem bestimmten Bereich aktiv engagieren, machen Sie sich automatisch einen Namen. Auch diese Aktivitäten bleiben den Personalabteilungen nicht verborgen.

Jede hier vorgestellte Maßnahme für die passive Jobsuche funktioniert selbstverständlich für sich, kann aber auch beliebig mit anderen kombiniert werden. Wichtig ist, dass Sie sich klar positionieren und den Personalern deutlich machen, was man von Ihnen als Angestellten erwarten darf.

 

Ergänzung, nicht Ersatz!

Zu guter Letzt noch ein ganz entscheidender Hinweis für Sie: Wenn Sie planen, die passive Jobsuche für eine berufliche Veränderung zu nutzen, dann muss Ihnen klar sein, dass es sich hierbei um eine Ergänzung zum klassischen Bewerbungsprozess handelt – nicht aber um einen Ersatz!

Wer sich ausschließlich auf die passive Jobsuche stützt, sollte grundsätzlich mit seiner aktuellen Arbeit zufrieden sein. Streben Sie hingegen aktiv einen Jobwechsel an, dann sollten Sie auch entsprechend aktiv handeln und die Möglichkeiten der passiven Jobsuche als Zusatz verstehen.

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