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Homeoffice – Produktiv oder Urlaub?

Immer häufiger wird von Mitarbeiter die Möglichkeit genutzt von zuhause aus zu arbeiten.
Eine (scheinbar) lohnende Alternative, wenn man sich die steigenden Spritkosten, die Umweltbelastung und auch die im Stau verloren gegangene Zeit vor Augen führt.

Aber verleitet das heimische Umfeld nicht dazu eher eine oder zwei Pausen mehr zu machen als im normalen Büroalltag? Wenn man einigen Umfragen Glauben schenkt, ist das genau nicht der Fall.

Bei einigen Unternehmen konnte eine Produktivitätssteigerung von 35 Prozent beobachtet werden. Eine weltweite Umfrage zeigte, dass 65 Prozent der Befragten der Meinung waren, dass sich neben der Produktivität auch die Qualität ihrer Arbeit gesteigert hat.

Warum ist das so?

Zum einem liegt dies an der Chance, dass der Arbeitsalltag flexibel gestaltet werden kann. Ein Punkt, der vor allem für Familien ausschlaggebend ist, da der berühmte „Spagat“ zwischen Berufs- und Privatleben nicht notwendig ist.

Auch die wegfallenden Arbeitswege, inklusive nervenraubende Staus, tragen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit bei. Allgemein wirkt sich die freie Gestaltung vom Start in den Tag, Aufgabenaufteilung, Pausen und Arbeitszeit positiv auf unsere Motivation aus.

Ein Punkt der zunächst nicht zwangsläufig als positiv erscheint ist der fehlende Kontakt zu anderen Mitarbeiten. Hierbei ist aber anzumerken, dass auch etliche Plausche auf dem Gang oder Plaudereien mit dem Kollegen zwischen Tür und Angel einem nicht mehr die Arbeitszeit stehlen.

Allerdings birgt Homeoffice auch einige Gefahren hinsichtlich Ablenkung und anderweitigen unproduktivem Zeitvertreib.

Um diesen vorzubeugen gilt es einige Grundsätze zu beherzigen:

  1. Arbeitsplatz bleibt Arbeitsplatz! Alle unnötigen Ablenkungen sollten hier verbannt werden, überladene Dekoration, viele Bilder, Fernseher etc. Auch sollte im heimischen Büro stets Ordnung herrschen.
  2. Konzentration! Facebook, Skype, Youtube sind alle Störfaktoren die die Produktivität einschränken und negativ beeinflussen.
  3. Planung! Eine Tagesordnung hilft oft unnötige Arbeitsschritte zu vermeiden und darüber Zeit zu verlieren
  4. Auch wenn man von zuhause aus arbeitet ist es doch besser, wenn man nicht in Jogginghose vorm Laptop sitzt sondern sich wie gewohnt „zurecht macht“ bevor man sich an die Arbeit macht

Tatsache ist, dass nicht jeder für Homeoffice geeignet ist. Ein hohes Maß an Disziplin sowie Eigeninitiative sind notwendig um den fehlenden persönlichen Kontakt zu Kollegen und den erschwerten Informationsaustausch zu kompensieren.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, dann ist Homeoffice ein produktives und zugleich entspanntes alternatives Arbeitsplatzmodell.

5 Fragen an: Ivan Blatter

Ivan Blatter ist Produktivitätstrainer und hilft seinen Kunden, ihre Ziele schneller zu erreichen. Dazu bietet er Seminare und verschiedene Online-Produkte an.
Seit ein paar Jahren betreibt er einen Blog rund um das Thema Zeitmanagement, in dem er regelmässig Tipps und Hinweise gibt, wie Sie produktiver arbeiten können.

 

1. Wie wichtig sind to-do-Listen für den Arbeitsalltag?

Grundsätzlich helfen To-do-Listen, den Überblick zu wahren und nichts zu vergessen. Das ist die positive, wichtige Seite. Aber sie haben auch einen Nachteil: Sie werden nie kürzer. Das kann sehr demotivierend sein und schnurstracks zu Aufschieberitis führen.
Eine moderne To-do-liste muss deshalb neue Funktionen erfüllen können. Primär muss sie garantieren, nichts Wichtiges zu vergessen. Vollständigkeit kommt in dieser Formel nicht vor.
Der Kunde, der ein Angebot will, wird innerhalb der nächsten 1-2 Tage bedient. Statt diese Aufgabe auf eine unendliche Liste zu nehmen und dann doch zu übersehen, fange ich lieber jetzt damit an.
Nur diejenigen Dinge, die ich tendenziell vergesse, die ich in den nächsten Tagen nicht erledigen kann oder die einen Termin haben, schreibe ich auf die Aufgabenliste.

2. Besonders zum Jahreswechsel sind viele Arbeitnehmer im Stress – Wie schaffe ich es in dieser Zeit Wichtiges von Unwichtigem zu trennen?

Wie zu jeder anderen Zeit auch: Antizyklisches Verhalten. Je größer der Stress, desto wichtiger ist es, sich zuerst zurückzulehnen, durchzuatmen und in aller Ruhe (!) zu überlegen, was wirklich wichtig ist, was dringend ist und was warten kann.
Sobald man das hat, kommt eine der Kardinaltugenden im Zeitmanagement zum Zuge: „Nein“ sagen. Das geht tatsächlich – auch gegenüber dem Chef oder dem Kunden. Allerdings nicht ständig und mit Fingerspitzengefühl. Doch solange jemand  nicht „nein“ sagen kann, ist ein erfolgreiches Zeitmanagement fast unmöglich.

3. Chaot oder Ordnungsfetischist, Deadline-Ausreizer oder Überpünktlicher – Wer arbeitet am effektivsten?

Alle vier. Ich bin sehr davon überzeugt, dass es nicht die eine richtige Lösung für alle gibt. So wird es der Chaot niemals schaffen, zu einem sehr ordentlichen Menschen zu werden. Trotzdem kann er effektiv arbeiten. Nur: Das Risiko, dass der Chaot etwas vergisst oder übersieht, ist größer als beim Ordnungsfetischisten.
Genauso beim Deadline-Ausreizer: Auch der kann effektiv arbeiten. Vielleicht nicht stressfrei, aber effektiv. Doch auch hier ist die Gefahr groß, dass plötzlich etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommt und die Deadline nicht ausgereizt wird, sondern überzogen. Diese Gefahr kennt der Überpünktliche nicht.
Was heißt das nun? Alle vier können effektiv arbeiten. Der Chaot und der Deadline-Ausreizer werden vermutlich mehr im Stress sein und tragen ein größeres Risiko, dass es nicht klappt.

4. Was können Arbeitnehmer tun, wenn ihr Chef jegliches Zeitmanagement durch verworfene Deadlines und plötzliche Aufgabenblitze zerstört?

Das ist ein schwieriges Problem, eigentlich ein Führungsproblem. Gute Chefs sorgen ja dafür, dass ihre Mitarbeiter gut und effizient arbeiten können.
Man kann das höchstens durch gute Organisation auffangen: Tragen Sie beispielsweise immer etwas zu schreiben bei sich, damit Sie bei Einfällen des Chefs und Spontan-Sitzungen auf dem Flur gewappnet sind.
Trotzdem ist das nur ein Trostpflaster. Die einzige richtige Antwort mag nicht befriedigen und ist auch nicht ganz einfach, aber hier kommt man um ein Gespräch mit dem Chef nicht herum. Einiges mag man durch gute Organisation auffangen, doch wirklich helfen tut nur ein Gespräch.

5. Wenn doch alles wichtig und dringend ist – Wie lautet Ihr Geheimrezept gegen Stress?

Auch hier wieder: Antizyklisches Verhalten. Je mehr Stress, desto wichtiger sind Pausen, Erholung und ruhiges Arbeiten.
Natürlich helfen die üblichen Verdächtigen: Gesunde Ernährung, genug Schlaf, Bewegung/Sport als Ausgleich. Doch genauso wichtig ist die eigene Haltung. Wer meint, bei großem Stress könne er Pausen weglassen, um Zeit zu sparen, steuert in eine Sackgasse und in die Erschöpfung. Gerade dann ist es wichtig, sich auch tagsüber zu erholen, damit die Energie bis abends reicht. Genauso bei Hektik: Niemand bestimmt, dass ich da mitmachen muss. Im Gegenteil: Ein ruhender Pol, der auch mal sagt „Wie ist das jetzt ganz genau?“ wird sehr geschätzt.

Arbeitslust vs. Arbeitsfrust

Die moderne Technik macht’s möglich: Laut aktuellen Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbund müssen rund 60 Prozent der Arbeitnehmer auch in ihrer Freizeit erreichbar sein. Handys und vor allem Smartphones ermöglichen es uns, jederzeit Anrufe, Anfragen und e-Mails zu empfangen.

Viele Politiker und Gewerkschaftsmitglieder sind überzeugt: Dies ist ein Grund dafür, dass psychische Erkrankungen der Arbeitnehmer einen steilen Aufwärtstrend fahren. Die ständige Erreichbarkeit führt zu Stress, welcher wiederrum Burn Out zur Folge haben kann.
Deswegen werden die Forderungen gegenüber Politik und Unternehmen nach klaren Regelungen immer lauter. Anti-Stress-Regeln, feste Zeitrahmen zur Beantwortung von e-Mails und das Festlegen einer Uhrzeit zum Ausschalten von Smartphones stehen zur Debatte.

Das Problem: Auch wenn solche Regelungen bei manchen Arbeitnehmern Stress vermindern können, führt es bei anderen möglicherweise dazu, dass sie sich in ihrem Enthusiasmus gebremst fühlen.
Projektbezogene Mitarbeiter empfinden die Arbeit nach offiziellem Feierabend oft als selbstverständlich, da sie motiviert sind, ihre Projekte möglichst schnell abzuschließen. Zeitlich orientierte Arbeitnehmer mit festem Tagesrhythmus sehnen sich hingegen oft nach vorgegebenen Arbeitszeiten und Regelungen.

Deswegen sollte versucht werden Lösungen zur Problemstellung individuell zu gestalten.

Dabei sollten Sie beim Gespräch mit Ihrem zukünftigen Vorgesetzten nicht nur Rücksicht auf die Ziele ihres Arbeitgebers nehmen, sondern vor allem Ihre eigenen beachten. Überlegen Sie sich beispielsweise, bei folgenden Punkten, wo ihre Präferenzen lägen:

  • projektbezogene, selbstständige Arbeit oder feste Arbeitszeiten und Regelungen
  • zeitlich flexibler Arbeitsalltag oder familienfreundliche Arbeitszeiten

Sie sollten sich Ihrer Möglichkeiten und Wünsche bewusst sein und auf Grundlage derer hinterfragen, welche Chancen das Unternehmen Ihrer Wahl anbietet bzw. bereit wäre anzubieten.

Die Arbeitswelt im Wertewandel – Ein Interview mit Jan Thomas Otte

Zahlen einer Studie des Linzer Market Instituts behaupten: Die Werte in der Arbeitswelt stehen vor einem Wandel. Das Erschreckende? Vor allem die sozial-orientierten, zwischenmenschlichen Werte befinden sich auf dem Rückgang. Aufschwung hingegen erhalten stark karriereorientierte Eigenschaften. Stimmt das Vorurteil, Wirtschaft und Ethik seien widersprüchliche Aspekte etwa doch?

Dazu haben wir mit Jan Thomas Otte gesprochen. Von Kindesbeinen an als Journalist unterwegs, forscht der Wirtschaftsethiker nun für seine Doktorarbeit. Er beschäftigt sich vor allem mit dieser Frage: „Was motiviert ethisches Verhalten?“. Antworten dazu findet Thomas auch in Reportagen und Interviews im von ihm gegründeten Onlinemagazin Karriere-Einsichten.

Karrierefaktor: Karriere und Charakter, ein Widerspruch in sich?

Jan Thomas Otte: Alles eine Frage der Authentizität. „Eigentlich bin ich ganz anders. Komme nur selten dazu“, das höre ich in meinen Recherchen immer wieder. Und da treffe ich wirklich auf die verschiedensten Typen, Berufsbilder und Lebensläufe. Ja, vielleicht ist das ein Widerspruch. Aber der klingt echt komisch.

Versetzen wir uns doch mal in die Lage eines Berufseinsteigers, quasi „frisch von der Uni“. Nennen wir ihn Frido. Jetzt macht er Karriere. Mit allen Stärken und Schwächen, die Frido eben wie jeder andere auch hat. Ersteres ist natürlich super für seinen Chef. Letzteres kehrt er gerne unter den Tisch, will er doch möglichst einen guten Eindruck im Team hinterlassen, am besten bei der ganzen Abteilung. Seine Kollegen raten ihm eh: „Bloß nichts anbrennen lassen!“

Es geht beim Karriere-Machen immer auch um Anerkennung, manchmal das Kompensieren von Minderwertigkeitsgefühlen, wir nennen das gerne Komplexe. Die sind meiner Meinung dann die Crux an der ganzen Geschichte: Das Frido ohne es genau zu merken schon damit angefangen hat, jemand anderes sein zu wollen. Und vor lauter Vergleichen, Biegen und Schönmalen gar nicht mehr dazu kommt, echt zu sein. Das ist dann tatsächlich eine „contradictio injectionis“, hat mir mal mein Latein-Lehrer in eine Klassenarbeit reinkorrigiert…

Karrierefaktor: Die Studie des „market Instituts“ behauptet, Eigenschaften wie Höflichkeit, Ehrlichkeit und Bescheidenheit befinden sich auf dem Rückgang. Ehrgeiz, Wettbewerbs- und Karriereorientierung hingegen werden wichtiger. Finden Sie nicht, dass das nach einer sehr egoistischen Gesellschaft klingt?

Jan Thomas Otte: Groß angelegte Umfragen sind eine spannende Sache. Aber wirklich objektiv sind auch die nicht, hängt doch alles von der Methode und den Kriterien ab, die der Wissenschaftler an seine Studie anlegt. So gesehen kann man auch das klare Gegenteil behaupten!

Alles also eine Frage der Sicht. Nehme ich unsere Arbeitswelt eher egoistisch war, völlig brutal – oder doch auch ein bisschen nett, kooperativ. Hart auf hart kann ich Stromberg nur zustimmen, wenn der Büromensch sagt: „Das Leben ist kein Ponyhof“. Oder: „Wir sind hier nicht bei „Wünsch dir Was“. Nun ja. Auch diese pessimistische Sichtweise hat ihre Achterbahn vor sich.

Bei großen Entlassungen zum Beispiel, ob Schlecker, Nokia oder Opel. Obwohl man es nicht vermuten würde. Da entsteht etwas, was Politiker, Pfarrer und andere Prediger gerne Solidarität nennen. Menschenketten werden im Streik gebildet, Würstchen für die gesamte Belegschaft gegrillt, Sparschweine für Hilfsfonds unter Mitarbeitern gefüllt. Also bilden sich da auch Grüppchen. Klar, da gibt es auch das: Cliquen, die ihre überschüssige Energie lieber darin auslassen, andere Kollegen zu dissen, bashen und mobben…

Karrierefaktor: Führen der Verlust solcher Werte nicht auch zur Häufung von Fehlern? Wer zu ehrgeizig ist und zu sehr nach Profit strebt, vergisst oft offen für Kritik und andere Ideen und Lösungsvorschläge zu sein.

Jan Thomas Otte: Da fällt mir spontan ein gängiges Sprichwort ein: „Erfolg macht blind“. Angenommen, Frido wird irgendwann mal erfolgreicher Manager in einer Linienposition, nachdem er sich einige Jahre als Unternehmensberater hochgearbeitet hat. In seinem Karriere-Modell hat er mitbekommen, wie Mitarbeiter nach bestimmten Kriterien gegeneinander bewertet wurden. Das Prinzip: „Up or out“, wie es zum Beispiel McKinsey nennt. Auf dem Weg nach oben spielen „soft skills“, wie es in der Geschäftswelt gerne heißt, bisher kaum eine Rolle.

Das kann ich jetzt gut oder schlecht finden. Häufig höre ich diese vermeintlichen Entschuldigungen: „Das System ist halt so“, „Ethik ist nice-to-have“ oder „Business ist eben Business“.

Auf der Karriereleiter klettert Frido mit Ellenbogen schneller hoch. Solange er die Erwartungen seiner Vorgesetzten übertrifft, seine Kunden mehr als zufrieden sind. Dann sind ein paar Kollegen neidisch, fragt man nach dem Wie, wie Frido das angestellt hat. Frido kann aber beim Was bleiben, wenn weiter die Kasse klingelt, in der Firma und beim jährlichen Zahlen von Fridos Bonus. Das System gibt ihm quasi Recht…

Karrierefaktor: Stichwort Bankenkrise: Immer wieder wird der Vorwurf laut, wir befänden uns in dieser Krise, weil die Banker ohne Rücksicht auf Verluste profitgierig gehandelt haben. Die eigene Karriere voran bringen um jeden Preis. Heißt das, vor 20 Jahren hätten wir nicht in eine solche Krise schlittern können?

Jan Thomas Otte: Vor 20 Jahren ging es los, das große Geschäft an der Börse, die ganze Globalisierung wurde losgetreten. Wirtschaftsethiker nennen das gerne Casino- oder Hyperkapitalismus. Wie man das Ungeheuer auch nennen will, eins ist klar: Solange wir nur übers System schimpfen, wird sich nichts ändern.

Es reicht auch nicht, dass Unternehmen ein paar Euro aus ihren gemachten Umsätzen in soziale Projekte stecken – vorausgesetzt, es geht um „Window-Dressing“ oder „Green-Washing“. In meiner Doktorarbeit fange ich deshalb ganz vorne an, beim eigenen Ich, dem Charakter. Und der Frage, was Werte motiviert, um diese doch so gemeine Welt, wo manche sich selbst am nächsten sind, tatsächlich ein bisschen besser zu machen.

Karrierefaktor: Oft wird behauptet, Männer seien zielorientierter und weniger rücksichtsvoll und könnten sich gerade deswegen in Führungspositionen besser behaupten als Frauen. Müssen Frauen unhöflicher werden?

Jan Thomas Otte: Frauen haben weniger Fridos Problem. Sie verstellen sich weniger, sind authentischer, mehr sie selbst. Und sie sind so schlau, für ihre Karriere nicht ihren Charakter, ihre Seele zu verkaufen. Vielleicht kann die Telekom deswegen noch nicht ihre Frauenquote im Top-Management mit 30 Prozent füllen.

Sie wissen: Selbst der beste Job dieser Welt ist ein wichtiger Teil ihrer Selbstverwirklichung. Aber eben nur ein Teil vom Ganzen, neben stabilen Beziehungen: Familie, Freunde, Bekannte. Die sind kein Haifischbecken, geben einem eher ehrlich gemeintes Feedback. Bevor das Kind in den Brunnen fällt und man sich mit „Work-Life-Balance“ oder ähnlichen Spagat-Konstruktionen rausreden muss…

Karrierefaktor: Was können Firmen tun, um Unternehmenskulturen zu entwickeln, die gesellschaftliche Werte waren?

Jan Thomas Otte: Gute Frage! Leider keine sonderlich konkrete Antwort. Das wichtigste ist meiner Meinung, Unternehmen nicht nur als organisatorische Notwendigkeit zu verstehen. Es geht bei ihnen um mehr als „nur“ Geld für Miete, Versicherung und Supermarkt zu verdienen, dem Staat Steuern zu zahlen. Lasst uns nicht weiter über das WAS reden, sondern eben das WIE.

Da sind Familienunternehmer, denen ihr Laden selbst seit Generationen gehört, immer noch den Managern von an der Börse gehandelten Firmen um Meilen voraus, die Hipps und Deichmänner.

Karrierefaktor: Wollen Unternehmen das dann überhaupt? Ist es nicht wichtiger einen profitorientierten Mitarbeiter zu beschäftigen, als einen, der dem Chef morgens die Tür aufhält?

Jan Thomas Otte: Siehe Fridos Beispiel. Das ist kurzfristig alles erfolgreich, „cash is king“ und so weiter. Aber langfristig wird Frido spätestens in der Chefetage ein Schild sehen: „Ab hier geht es nicht mehr aufwärts, sondern nur noch runter“. Und die Treppe auch mal wieder nach unten gehen zu können, nachdem man die Karriereleiter hochgehechelt ist, das verlangt Mut und Courage. Charakter eben!

Karrierefaktor: Ein abschließendes Statement von Ihnen zum Thema Karriere und Werte: Rechnen Sie auch mit einem so rapiden Wandel oder wird am Ende doch noch alles gut?

Jan Thomas Otte: Ich glaube daran. Aber diesen Glauben habe ich nicht selbst. Ich teile ihn mit anderen Weltverbesserern, vor allem in der Kirche. Und ich will die Kirche weder im Dorf lassen noch „Gott einen guten Mann sein lassen“.

Krempeln wir doch einfach mal wieder die Ärmel hoch, weil Stärken stärken eben stärker macht. Statt sich mit seinen völlig normalen Schwächen weiter zu schwächen, indem sich Frido in seine eigene Tasche lügt. Ich glaube daran, dass wir eigentlich viel grösser sind, als wir denken. Meine unseren Charakter. Ich arbeite also bin ich? Vielleicht, hoffentlich aber mehr als das.

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