Digitales Gr√ľnden mit effizienten Rating-Prozessen – Interview mit Frau Dr. Leibrock

Frau Dr. Leibrock ist wissenschaftliche Beir√§tin des Deutschen Gr√ľnderverbands und Mitglied des Aufsichtsrats der Accelerest AG. Frau Dr. Leibrock ist mit dem Thema Digitalisierung und Gr√ľnden √ľber verschiedene Stationen bei der BayernLB, der Kreditanstalt f√ľr Wiederaufbau KfW und der strategischen Beratung (Boston Consulting Group) intensiv in Ber√ľhrung gekommen.

An diesen Einsatzorten ist sie immer wieder auf die Schwachstellen bei der Kreditfinanzierung von Gr√ľndungsunternehmen gesto√üen. Accelerest bietet eine Hilfestellung, dieser Problematik systematisch zu begegnen.

 

Welche Bedeutung hat der Bankkredit im Vergleich zu anderen Finanzierungsquellen f√ľr Gr√ľnder (Investments)?

Der klassische Bankkredit hat nach wie vor seine Berechtigung neben anderen Finanzierungsquellen. Ob fremd- oder eigenkapitalbasiert, die Finanzierung muss zum Gr√ľnder, zum Unternehmen und zu den langfristigen Zielen passen. Es ist eben ein Unterschied, ob ich ein Fintech-Startup gr√ľnde oder eine Fahrradwerkstatt.

Laut KfW-Gr√ľndungsmonitor 2017 werden Existenzgr√ľndungen zudem immer kapitalintensiver. J√§hrlich gibt es in Deutschland durchschnittlich 25.000 Vollerwerbsgr√ľnder mit einem Kapitalbedarf von √ľber 25.000,- EUR. Der durchschnittliche Kapitalbedarf von Jungunternehmern in der Gr√ľndungs- und Startphase liegt bei 60.000,- EUR, in der Wachstumsphase sind es 120.000,- EUR. Fazit: Der neue junge Mittelstand ist ein Wachstumsmarkt. Dennoch ziehen sich viele Banken aus dem Gr√ľnderkredit zur√ľck.
 

Wie ist der Status Quo in Bezug auf Kreditentscheidungen f√ľr Gr√ľndungen heute?

W√§hrend der Kapitalbedarf weiter steigt, steigen auch die H√ľrden der Kreditvergabe durch Banken, u.a. durch regulatorische Anforderungen. Die Schere zwischen Bedarf und Verf√ľgbarkeit an Gr√ľnderkrediten scheint auseinanderzugehen. F√ľr die Bank ist das Kreditrisiko gerade bei Gr√ľndern sehr schwer einzusch√§tzen, da historische Daten zum Unternehmen fehlen und die Qualit√§t der eingereichten Gesch√§ftspl√§ne sehr heterogen ist.

Die Bank muss pauschale Annahmen zum Ausfallrisiko treffen und dieses mit Eigenkapital unterlegen. Die geringe Standardisierung f√ľhrt au√üerdem zu vergleichsweise hohem Verwaltungsaufwand und damit Kosten. Interessant ist auch, dass Kundenbetreuer zu recht unterschiedlichen Entscheidungen kommen, selbst innerhalb desselben Hauses. F√ľr die Bank wird das schnell unattraktiv, und √ľber 80 Prozent der Gr√ľnderkreditanfragen werden abgewiesen
 

Was brauchen Banken, um eine valide Kreditentscheidung (Gr√ľndungskredite) zu treffen?

Die Banken brauchen vor allem m√∂glichst gute, spezifische und verl√§ssliche Informationen, um die Kreditw√ľrdigkeit bzw. die Ausfallwahrscheinlichkeit und damit das Risiko einzusch√§tzen, das die Bank eingeht. Der eingereichte Businessplan alleine reicht daf√ľr nicht aus. Viele Jungunternehmer tun sich damit auch schwer, nicht jeder ist ja im betriebswirtschaftlichen Bereich ausgebildet.

Gr√ľndungsberater k√∂nnen hier zwar unterst√ľtzend und begleitend zur Seite stehen, was fehlt, ist aber ein einheitlicher, standardisierter und digitaler Prozess. Das w√ľrde allen Beteiligten helfen ‚Äď den Unternehmern, den Beratern und den Banken. Nur so wird sichergestellt, dass die erfassten Informationen auch tats√§chlich aussagekr√§ftig und vergleichbar sind.
 

Wie kann hier Digitalisierung helfen?

Digitalisierung erm√∂glicht einerseits die Standardisierung und Automation von Routine- und Kontrollaufgaben, erleichtert die Dokumentation und schafft Transparenz und Aktualit√§t. Auf der anderen Seite hilft Digitalisierung, alle am Gr√ľndungsprozess Beteiligten auf einer einzigen Plattform zu vernetzen. Das sind die Unternehmer selbst, Berater, F√∂rderinstitute, Banken, Investoren, Versicherer, Leasinggeber und weitere Beteiligte. Alle k√∂nnen auf einem einheitlichen Informationsstand aufsetzen, wobei das individuelle Informationsbed√ľrfnis sichergestellt wird.

Erg√§nzt wird dieses digitale √Ėkosystem durch einen unabh√§ngigen und vollautomatischen Bewertungsprozess des Gesch√§ftsmodells. Im Endeffekt geht es also darum, durch Kostenreduktion und bessere Risikoeinsch√§tzung Unternehmensgr√ľndung und -wachstum f√ľr alle Beteiligten – auch f√ľr den Gr√ľnder oder Jungunternehmer selbst – wieder attraktiver zu machen.
 

Über viele Jahrzehnte spielte der persönliche Kontakt und das daraus resultierende persönliche Vertrauensverhältnis eine wichtige Rolle beim Verhältnis Bank-Unternehmer. Wird dieses persönliche Verhältnis nun durch die Digitalisierung komplett unwichtig?

Nein, √ľberhaupt nicht, das pers√∂nliche Vertrauensverh√§ltnis zwischen Kunde und Bankberater ist nach wie vor extrem wichtig. Schlie√ülich will der Kunde ja wissen, dass im Zweifelsfall jemand da ist, den er ansprechen kann und nicht nur eine anonyme Maschine. Im Gegenteil, ein transparenter Prozess mit klaren Entscheidungskriterien und -hilfen und einer m√∂glichst umfangreichen Datenbasis erleichtert die Vertrauensbildung. Die Beratung kann sich auf die relevanten Fragen konzentrieren.

 

Welche Faktoren spielen f√ľr ein qualitatives Rating eine Rolle?

F√ľr das qualitative Rating spielen drei Dimensionen eine Rolle: die personelle, die organisationelle und die externe. Auf der personellen Seite etwa sind Erfolgsfaktoren wie das unternehmerische Verhalten, pers√∂nliche Kompetenzen oder das Gesch√§ftsmodell selbst, das im Rahmen der organisationalen Dimension dann noch genauer untersucht wird, etwa hinsichtlich Strategie, Planung, Organisation u.v.a.m. Und nat√ľrlich spielen auch Faktoren wie Zielgruppen, Standort und Wettbewerb eine Rolle.

Alle diese Informationen gibt der Gr√ľnder auf der smartaxxess-Plattform ein, die Angaben werden durch den Gr√ľndungsberater bewertet, weder Gr√ľnder noch Berater k√∂nnen jedoch Einfluss nehmen auf die Gewichtung dieser Faktoren untereinander, das macht der smartrating-Algorithmus in Abh√§ngigkeit von der spezifischen Situation.
 

Welche Faktoren spielen f√ľr ein quantitatives Rating eine Rolle?

Selbstverst√§ndlich flie√üen auch quantitative Werte – soweit z.B. aus Bilanz und GuV bereits vorhanden – in das Risikobewertungsmodell ein. Der Rechenkern, auf dem smartrating basiert, wurde bereits 2002 von Prof. Dr. Schneck entwickelt und ist in √ľber 3.000 Installationen in Europa im Einsatz. Erst in der Kombination von quantitativen und qualitativen Faktoren wird eine m√∂glichst valide Insolvenzprognose erreicht. Der Ginikoeffizient betr√§gt etwa 0,83, d.h. mit 83% Wahrscheinlichkeit wurden in der Validierungsstudie verl√§ssliche Ratings erzeugt – das ist ein sehr hoher Wert.

Im Ergebnis erh√∂ht die smartaxxess-Plattform die Gr√ľndungsbereitschaft, indem sie alle relevanten Informationen erfasst, aufbereitet, bewertet und Partnern zug√§nglich macht. Auf der anderen Seite bekommen Banken und andere Investoren ein einfach zu nutzendes Tool an die Hand, mit dem sich die Komplexit√§t der Kredit- oder Kapitalvergabe an Gr√ľnder und Jungunternehmer massiv reduzieren l√§sst. Ziel ist es, Gr√ľndung f√ľr alle Beteiligten wieder attraktiv zu machen.
 

Worauf sollten/m√ľssen Gr√ľnder generell achten, wenn sie mit Banken wegen einer Unternehmensfinanzierung in Kontakt treten?

Generell sollten die Gesch√§ftsidee und ihre Umsetzung schon m√∂glichst gut durchdacht und aufbereitet sein, bevor der Gr√ľnder den Kontakt aufnimmt. Das ist genau die Idee hinter smartaxxess, indem der Gr√ľnder und auch der Gr√ľndungsberater hier Checklisten-basiert durch den Prozess gef√ľhrt werden. So gibt es keine unangenehmen √úberraschungen, wenn der Bankberater kritische Fragen stellt. Und auch der Gr√ľnder selbst will ja schlie√ülich Vertrauen in sein Gesch√§ftsmodell und seinen Business Plan haben k√∂nnen.
 

Welche Zielsetzungen sollte das Rating in Verbindung mit der Geschäftsmodellierung verfolgen?

Geschäftsmodellierung und Rating sollten gemeinsam möglichst umfassend qualitativ wie quantitativ Ausgangslage und Zielbild des Unternehmens abbilden, um Stärken und Schwächen rechtzeitig zu erkennen, Entwicklungen vorherzusehen und ggf. die Strategie anzupassen und die entsprechenden Maßnahmen ergreifen zu können.

 

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