Gastbeitrag Gastbeitrag 13. November 2017

So schafft man ein Treibhausklima fĂŒr innovative Ideen


KreativitĂ€t ist die SchlĂŒsselressource fĂŒr Innovationen. Doch sie ist wie eine launische Diva, die die richtigen UmstĂ€nde braucht. Heiterkeit und Muße gehören dazu. Miteinander – statt gegeneinander – und ein kameradschaftlicher Stil schaffen Austausch und angstfreie RĂ€ume. Deshalb wird in florierenden New-Economy-Firmen auch so viel Wert auf ein inspirierendes Umfeld gelegt.

In traditionellen Unternehmen sind die Manager keine Rebellen, sondern allenfalls Optimierer. Ideenlosigkeit, Mutlosigkeit und Zögerlichkeit sind die Folge. Wer Sicherheit will, wird den Trippelschritt-Modus wĂ€hlen: Hier noch ein paar PS, da mehr Design, dort ein neues Feature, die Verpackung grĂ¶ĂŸer, das Etikett bunter und dann das Zeugs billig in den Markt geworfen, um es der Konkurrenz mal so richtig zu zeigen.

Wirklich bahnbrechendes hat in tradierten Organisationen sehr schlechte Karten. Quer denken? Muster brechen? Wird theoretisch zwar gefordert, aber praktisch höchstens in kleiner Dosis gewĂŒnscht. Linear weiterplanen bedeutet: Mehr vom Gleichen und damit zunehmende Belanglosigkeit. Eine Disruption hingegen ist der Sprung durch die Feuerwand der Unsicherheit. Wer die Zukunft erreichen will, muss da durch.

Angst ist der grĂ¶ĂŸte Fortschrittskiller

Jede VerĂ€nderung – und damit auch jede Innovation – bedeutet zunĂ€chst, dass etwas bislang Unbekanntes entsteht, von dem niemand ganz sicher weiß, ob es besser oder schlechter sein wird als das davor. Ja, man kann den Wandel ignorieren oder bekĂ€mpfen. Besser ist es jedoch, ihn zu umarmen. Den Fortschritt aufhalten wollen? Wer seine Verweigerungshaltung behĂ€lt, verschwindet in der Bedeutungslosigkeit.

GenĂŒgend Menschen werden es kaum abwarten können, jede technologische Neuerung auszuprobieren. Aus den positiven Erfahrungen solcher Early Adopter, Vorreiter und Pioniere erwachsen dann neue Anforderungen an alle Player im Markt. So wird das Neue zu einem unverzichtbaren Teil unseres Lebens.

Was menschenmöglich ist, erweitern wir, seitdem es uns Menschen gibt. Vorsprung ist das Ziel. Und FOMO (fear of missing out), also die Angst, bei etwas, das gerade abgeht, nicht dabei zu sein und damit den Anschluss zu verpassen, wird selbst die NachzĂŒgler, wenn sie ĂŒberleben wollen, dazu bringen, der digitalen Vorhut schnellstens nachzueifern.

Befruchtung braucht rÀumliche NÀhe

Inspiration entsteht durch unkomplizierte Austauschmöglichkeiten. Und gegenseitige Befruchtung braucht rĂ€umliche NĂ€he. Jeder Gedanke wird klĂŒger, schĂ€rfer, prĂ€ziser, wenn man ihn mit anderen teilt. Co-kreativ nutzt man am besten die „Weisheit der Vielen“ und integriert jeden hilfreichen Einfall, ganz egal, von welcher Seite er kommt.

Gerade die „Jungen Wilden“ brennen darauf, neue Ideen fĂŒr existierende Ineffizienzen zu erschließen. Herkömmliches wird radikal infrage gestellt und Vorhandenes völlig neu kombiniert. Experimentell suchen sie nach NeuentwĂŒrfen und besseren, schnelleren Lösungen als die, die es am Markt bereits gibt. Dazu braucht es Neugierde, Offenheit und Zugang zu einer Gemeinschaft, mit der man sich besprechen kann.

Nur selten sind es Heureka-Momente, die Innovationen zugrunde liegen. Meist geht es um Gedankenrohlinge, die sich durch Anreicherung langsam in eine bahnbrechende Idee verwandeln. Also ist, damit dies geschieht, eine Kultur von KonnektivitÀt, Dichte und NÀhe sehr wichtig. Diese findet man zum Beispiel in Coworking-Spaces.

Wie Coworking-Spaces KreativitĂ€t beflĂŒgeln

Coworking-Spaces sind BĂŒroformationen fĂŒr digitale Nomaden, Biotope fĂŒr Kollaboration und Inkubatoren fĂŒr neue Businessideen. Alles hockt nah beieinander. Jeder redet mit jedem und ist an dessen Ideen interessiert. Die Luft flirrt vor Denkarbeit und vibriert vor Konzentration. So entsteht ein Treibhausklima fĂŒr VerĂ€nderungen, die die Welt noch braucht.

Die offenen und zumeist minimalistisch gestalteten ArbeitsrĂ€ume sind vornehmlich fĂŒr Kreativarbeiter aus den Bereichen Design, Software, Marketing und Beratung sowie fĂŒr Freelancer aller Art konzipiert. Im Gegensatz zu traditionellen BĂŒros, in denen Diskretion einen hohen Stellenwert hat, sind Coworking-Spaces lebendig, quirlig und sehr dynamisch.

Einer von vielen Pluspunkten ist, dass Coworking-Spaces zwar individuell gestaltet sind, gleichzeitig aber ein standardisiertes Angebot liefern. Das bedeutet Berechenbarkeit fĂŒr diejenigen, die international tĂ€tig sind und in jeder neuen Stadt zĂŒgig einen Ort mit einer vollfunktionsfĂ€higen Infrastruktur finden möchten.

Im Zentrum: KonnektivitÀt und Kollaboration

Nachteile haben Coworking-Spaces natĂŒrlich auch: Familienbilder, Auszeichnungen und dergleichen auf dem (eigenen) Tisch zu platzieren, sowas passt dort leider nicht. Denn die hĂ€ufig wechselnden Mieter könnten genau den Platz beanspruchen, den man sich gerade heimelig gemacht hat.

In Ruhe arbeiten ist in Coworking-Spaces nicht immer ganz einfach. Denn deren Herzfaktor ist die Kollaboration, um nÀher an innovative Themen heranzukommen und allenfalls mögliche Kooperationspartner kennenzulernen. Daher nennen sich manche auch Makerspaces. Dort kann jeder individuell an seinem Projekt arbeiten, aber bei Bedarf auch die Anwesenden konsultieren.

Man hat dabei Zugriff auf eine Gemeinschaft kreativer Personen, die statt Bedenken und Zweifeln vor allem Ideen und konstruktives Feedback zu geben bereit sind. Vernetzung, AgilitÀt und das Teilen von Denkmaterial sind die zentralen StÀrken von Coworking-Spaces. So hat ihre Erfolgsgeschichte wohl gerade erst begonnen.

Mieten Sie sich in einen Coworking-Space ein

Auch traditionelle Firmen erkennen zunehmend die Vorteile dieser Art, wie man in Coworking-Spaces zusammenarbeitet. Dabei sehen die Manager zum einen Kosteneinsparungen und höhere FlexibilitĂ€t, denn fĂŒr Mitarbeiter, die viel unterwegs sind, muss man dann weniger feste ArbeitsplĂ€tze im FirmengebĂ€ude vorhalten.

Der Hauptvorteil ist aber sicher der, dass man an den Innovationsgeist andocken kann. Die PrĂ€senz in einem Coworking-Space trĂ€gt außerdem zur AttraktivitĂ€t als Arbeitgebermarke bei. Man wird als innovatives Unternehmen gesehen, was tradierten Firmen nicht schaden kann, wenn sie Young Professionals fĂŒr sich gewinnen wollen.

Nachdem etwa Gisbert RĂŒhl, der CEO des StahlhĂ€ndlers Klöckner AG, im Silicon Valley war, ist er mit seinem VorstandsbĂŒro fĂŒr einige Wochen in einen Berliner Coworking-Space eingezogen, um komplett in diese Welt einzutauchen. Und damit ist er nicht allein. Betahaus-GrĂŒnder Max von der AhĂ© berichtet von je einem Drittel Startups, Freelancern und Unternehmensvertretern.

KreativitÀt braucht das richtige Umfeld

Heutzutage dauert das Erstellen von Prototypen, das Testen am Markt und das Einholen qualifizierter Kundenfeedbacks nur noch Tage, nicht mehr Monate oder Jahre. Diese Zeitersparnis machen agile Teams zu ihrem Wettbewerbsvorteil. Warum also bei der Ideenfindung und Planung Zeit vertrödeln? Wer eine entsprechend bewegliche Unternehmenskultur schafft, der kann die junge Generation fĂŒr sich begeistern.

Dort, wo stattdessen verkrustete Hierarchiestrukturen bestehen, wird riskiert, dass die besten jungen Mitarbeiter kĂŒndigen. Denn jĂŒngere Generationen sind nicht mehr darauf angewiesen, sich auf eine vorgegebene Arbeitsweise einzulassen. Sie suchen sich einen Arbeitgeber, der ihren Vorstellungen gerecht wird, oder sie wechseln zu denjenigen, die ihre Werte teilen: Millennial-Unternehmer.

So umgeht die junge digitale Elite immer öfter die alten Strukturen und praktiziert Offenheit, Innovation und Kollaboration einfach untereinander. Als Disruptoren arbeiten sie ĂŒbrigens gar nicht auf den Untergang etablierter Unternehmen hin. Sie konzentrieren sich nur exakt auf das, was fĂŒr die Kunden von heute und morgen besser ist als das, was die Old Economy derzeit bietet.

 

Das Buch zum Thema

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Autorin

Anne M. SchĂŒller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als Europas fĂŒhrende Expertin fĂŒr das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte Unternehmenstransformation. Sie zĂ€hlt zu den gefragtesten Rednern im deutschsprachigen Raum. 2015 wurde sie in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen. Zu ihrem Kundenkreis zĂ€hlt die Elite der Wirtschaft. Ihr Touchpoint Institut bildet zertifizierte Touchpoint Manager aus. Kontakt: www.anneschueller.de

Siehe auch: 5 Fragen an Anne M. SchĂŒller

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Über den/die Autor(in)

Anne M. SchĂŒller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfache Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als Europas fĂŒhrende Expertin fĂŒr das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte UnternehmensfĂŒhrung. Sie zĂ€hlt zu den gefragtesten Referenten im deutschsprachigen Raum und hĂ€lt VortrĂ€ge und Workshops zum Thema. Sie ist Gastdozentin an mehreren Hochschulen. Ihr Bestseller „Touchpoints“ wurde zum Mittelstandsbuch des Jahres 2012 gekĂŒrt. Ihr aktuelles Buch „Das Touchpoint-Unternehmen“ ist Managementbuch des Jahres 2014. Zu ihrem Kundenkreis zĂ€hlt die Elite der deutschen, schweizerischen und österreichischen Wirtschaft. Ab sofort bildet ihr Touchpoint Institut auch zertifizierte Touchpoint Manager aus.


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