Versicherungscheck ‚Äď Teil 2: Die private Rentenversicherung

Die Bev√∂lkerung altert, es mangelt an Fachkr√§ften, immer mehr Junge m√ľssen immer mehr Alte mitfinanzieren – es droht die Altersarmut. Der demographische Wandel droht mit Ver√§nderungen, die es¬† verst√§ndlich machen, dass sich immer mehr Arbeitnehmer privat absichern m√∂chten.
Bei den aktuellen Prognosen des Bundesarbeitsministeriums scheint dies auch sinnvoll: Das durchschnittliche Rentenniveau soll bis 2025 um circa zehn Prozent sinken.

Private Rentenversicherung ‚Äď ja oder nein? Und wenn ja: Welche Versicherung ist die richtige f√ľr mich? Um Ihnen diese Fragen beantworten zu k√∂nnen, interviewen wir im zweiten Teil unseres Versicherungschecks den Versicherungsmakler Alexander Kuhlen.

1. Halten Sie den Abschluss einer privaten Rentenversicherung f√ľr sinnvoll?

Grunds√§tzlich ist es so, dass eine Rentenversicherung im Allgemeinen im Gegensatz zu fast allen anderen Kapitalanlageformen einen wesentlichen Vorteil besitzt. Wir m√ľssen uns vor Augen f√ľhren, dass wir einen kontinuierlichen Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung haben. Unter der Annahme, dass wir m√∂glicherweise 90 Jahre, 100 Jahre oder sogar noch √§lter werden, garantiert eine Rentenversicherung eine feste und regelm√§√üige Einnahmequelle im Alter. Ein anderweitig angespartes Verm√∂gen hingegen k√∂nnte im Laufe der Jahre irgendwann v√∂llig aufgebraucht sein.
In fr√ľheren Jahrzenten war die gesetzliche Rentenversicherung f√ľr die meisten von uns v√∂llig ausreichend. Sie ersetzte bei Renteneintritt das wegfallende berufliche Einkommen¬† und gew√§hrleistete eine angemessene lebenslange Liquidit√§t.
Das sich stetig versch√§rfende Ungleichgewicht zwischen Beitragszahlern und Leistungsempf√§ngern f√ľhrt zu gravierenden Ver√§nderungen innerhalb des gesetzlichen Rentenversicherungssystems. Folge ist, dass das Rentenniveau voraussichtlich immer weiter sinken wird. Gef√§hrlich ist, dass dieser Prozess relativ schleichend voranschreitet. Oft nimmt man die Rentenk√ľrzungen n√§mlich nur indirekt wahr. Beispiele hierf√ľr sind unter anderem die Anhebung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre oder die Einf√ľhrung der Besteuerung der gesetzlichen Rente seit Inkrafttreten des Alterseink√ľnftegesetzes im Jahr 2005. Auch sogenannte ‚ÄěNullrunden‚Äú f√ľhren immer wieder dazu, dass der reale Rentenwert jedes Einzelnen aufgrund der Inflation faktisch sinkt.
Eine private Altersvorsorge ist daher f√ľr jeden unumg√§nglich, der nicht von Armut im Alter betroffen sein will.
Die private Rentenversicherung kann ein wichtiger Baustein innerhalb eines Altersvorsorgekonzeptes sein und ist erfahrungsgem√§√ü in vielen F√§llen durchaus empfehlenswert. Die auf dem Umlageverfahren basierende gesetzliche Rentenversicherung bietet keine echte Planungssicherheit mehr. Eine privat organisierte Rentenversicherung ist daher h√§ufig unabdingbar. Selbstverst√§ndlich muss im Vorhinein zun√§chst einmal immer erst die jeweilige Kunden-Gesamtsituation betrachtet werden. Beim Abschluss n√§mlich geht man einen Vertrag ein, der √ľblicherweise √ľber mehrere Jahrzehnte l√§uft. Die Entscheidung sollte also nicht √ľbers Knie gebrochen werden. Sie sollte viel eher auf einer fundierten Grundlage beruhen.

2. In welchem Alter empfiehlt sich der Abschluss einer privaten Rentenversicherung?

Ich empfehle einen Abschluss so fr√ľh wie m√∂glich, d.h. am besten direkt mit dem Einstieg ins Berufsleben und unmittelbar nach dem Abschluss einer Berufsunf√§higkeitsversicherung. Der Vorteil liegt darin, dass man bis zum Rentenbeginn ganz einfach noch mehr Jahre Zeit zum Sparen zur Verf√ľgung hat. Hinzu kommt der Zinseszins-Effekt. Dies bringt mit sich, dass die zur Schlie√üung der Rentenl√ľcke aufzubringenden Beitr√§ge verh√§ltnism√§√üig gering sind.
Oft jedoch wird der Abschluss immer weiter in die Zukunft verschoben oder sogar g√§nzlich vers√§umt. Zum einen herrscht bei vielen eine gewisse Unsicherheit die richtige Entscheidung zu treffen. Zum anderen m√∂chten sich viele Kunden auch nicht in ihrem heutigen Lebensstandard einschr√§nken und auf einen Teil ihres Einkommens verzichten, so dass die Beitr√§ge f√ľr eine private Rentenversicherung zur Verf√ľgung stehen.

3. Welche Modelle privater Rentenversicherungen gibt es grundsätzlich?

Es gibt verschiedene Arten von privaten Rentenversicherungen, die sich u.a. bez√ľglich der staatlichen F√∂rderung durch Zulagen oder Steuervorteile sowie hinsichtlich der Besteuerung der Rente selbst unterscheiden. Zu nennen sind hier die normale private Rentenversicherung, die Riester-Rentenversicherung und die R√ľrup-Rentenversicherung (Basis-Rente). Auch eine Direktversicherung bei Angestellten ist denkbar, die allerdings im Namen des Arbeitgebers eingerichtet wird und somit der betrieblichen Altersvorsorge zuzurechnen ist.
Hat man sich dann f√ľr das grunds√§tzliche Rentenversicherungsmodell entschieden, gibt es eine weitere Differenzierung hinsichtlich der Kapitalanlage innerhalb der Rentenversicherung. So unterscheidet man grob gesagt zwischen klassischen und fondsgebundenen Rentenversicherungen sowie vielen Mischformen. Die klassischen Versicherungen bieten √ľblicherweise eine garantierte Verzinsung, die fondsgebundenen meist nicht. Tendenziell empfehle ich insbesondere bei langen Vertragslaufzeiten eine fondsgebundene Variante, da diese wesentlich flexibler ist und auch vermehrt in Sachwerte investiert werden kann, so dass der Versicherungswert erfahrungsgem√§√ü nicht so stark durch die Inflation angegriffen werden kann. Klassische Varianten sind aufgrund der √ľberwiegenden Anlage in festverzinsliche Wertpapiere und der anhaltenden Niedrigzinsphase viel eher davon betroffen.

4. Worauf sollte jeder beim Abschluss einer privaten Rentenversicherung achten?

Aufgrund der Komplexit√§t des Marktes und der Vielzahl der angebotenen Produkte ist es f√ľr Kunden heutzutage sehr schwer den passenden Vertrag zu finden. Bei der Auswahl einer geeigneten Rentenversicherung sollte man einige Punkte beachten, wie z.B. die Finanzst√§rke und Erfahrung des Unternehmens, sowie die gegebenen Garantien. Des Weiteren sollte man sich mit dem Thema Kosten besch√§ftigen. Diese sind zwar in der Regel in die Beitr√§ge einkalkuliert, k√∂nnen sich allerdings von Anbieter zu Anbieter stark unterscheiden. Auch das Thema Kapitalanlage und Fondsauswahl innerhalb des Tarifes spielen eine wesentliche Rolle. Zudem sollte der Tarif eine hohe Flexibilit√§t bieten, so dass man seine private Rentenversicherung an sich √§ndernde Lebensumst√§nde anpassen kann.

5. Unterscheiden sich die Angebote f√ľr Studenten, Azubis, Arbeitnehmer, Beamte und Selbstst√§ndige?

In der Regel gibt es keine gravierenden Unterschiede. Es ist jedoch so, dass manche Rentenversicherungen nicht f√ľr alle Berufsgruppen staatlich gef√∂rdert werden, wie z.B. die Riester-Rente. Einige Versicherer bieten zudem f√ľr junge Leute (Studenten, Azubis, Berufseinsteiger) die M√∂glichkeit, mit einem in den ersten Jahren geringen Starter-Beitrag anzufangen, so dass der Einstieg in die Altersvorsorge vereinfacht wird.

6. Welche Versicherungen bieten seri√∂se Angebote f√ľr die private Rentenversicherung?

Pauschale Empfehlungen f√ľr bestimmte Anbieter oder Produkte sind meiner Ansicht nach nicht zielf√ľhrend, da im Vorhinein zun√§chst einmal die individuellen W√ľnsche, Vorstellungen und Ziele des Kunden im Mittelpunkt stehen sollten.
Sinnvoll ist die Kontaktaufnahme mit einem auf das Thema Altersvorsorge und Rente spezialisierten Versicherungsmaklers. Dieser informiert Sie umfassend und unabh√§ngig, kann f√ľr Sie den gesamten Anbietermarkt vergleichen und Ihnen einen passenden Vertrag vermitteln. Rechtlich gesehen steht der Versicherungsmakler im Gegensatz zum Ausschlie√ülichkeitsvertreter auf der Seite seiner Kunden.

Sie haben der 1. Teil unserer Serie verpasst? Außerdem haben wir noch Teil 3 zum Thema Berufsunfähigkeit.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.