5 Fragen an: Sascha Schmidt

Sascha Schmidt ist ganzheitlicher Karriereberater und -coach. Den SchlĂŒssel zur Vereinbarkeit von Karriere und Familie sieht er in dem Willen der MĂŒtter und VĂ€ter, die es tun. GrĂ¶ĂŸtes Hindernis ist fĂŒr ihn die fehlende familienfreundliche FĂŒhrungskultur in Unternehmen.

Im Coaching stĂ€rkt und ĂŒberprĂŒft er den Willen der Eltern; als Personalberater unterstĂŒtzt er Unternehmen auf den Weg zu mehr Familienfreundlichkeit im FĂŒhrungsalltag.

 1. Warum wird die Herausforderung Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen immer grĂ¶ĂŸer?

Es gibt immer mehr Frauen und MĂ€nner, die dem klassischen RollenverstĂ€ndnis nicht mehr entsprechen: Er macht als ErnĂ€hrer Karriere und sie kĂŒmmert sich um Haushalt und Kinder. MĂŒtter wollen nicht ihre berufliche Laufbahn opfern und VĂ€ter wollen nicht mehr abwesend sein. Auf der einen Seite fangen Arbeitgeber und Kommunen an, berufstĂ€tige Eltern zu unterstĂŒtzen. Auf der anderen Seite ist in den Köpfen der FĂŒhrungskrĂ€fte hĂ€ufig kein VerstĂ€ndnis zu finden, wenn der Projektleiter in die Elternzeit geht. Sich als Arbeitgeber als „familienfreundlich“ zertifizieren zu lassen reicht nicht aus. Damit das kein Etikettenschwindel ist, sollte die Unternehmens- und FĂŒhrungskultur entsprechend ausgerichtet sein. Da sind wir in sehr vielen Unternehmen noch meilenweit entfernt von. Hier liegt die große Herausforderung der Vereinbarkeit von Karriere und Familie!

2. Karriere und Kinder – Können Frauen dieser Anforderung langfristig gerecht werden?

Die Frage gilt genauso fĂŒr MĂ€nner. Ich habe es selber erlebt und praktiziert: Double income – two kids geht! Und zwar auch wenn beide Elternteile Vollzeit als FĂŒhrungskrĂ€fte arbeiten. Grundvoraussetzung ist, dass beide es wirklich wollen. Dann schaffen Sie es, sich in der Partnerschaft entsprechend zu unterstĂŒtzen. Wer jedoch zum  Beispiel alleinerziehend ist, fĂŒr den wird es schwierig werden, den Spagat zwischen Karriere und Kinder zu meistern.

3. In Zeiten von zunehmenden Burn-Out-Erkrankungen wird der Begriff Work-Live-Balance immer hĂ€ufiger genutzt – Was genau verbirgt sich dahinter?

Ich mag den Begriff Work-Life-Balance nicht. Er nimmt eine kĂŒnstliche Trennung von Arbeit und Freizeit vor. Ich spreche in meiner Karriereberatung von Life-Balance. Befinde ich mich mit meinem Tun – egal ob im Meeting oder auf dem Fußballplatz – im Einklang mit mir. Konkret: Macht mir Spaß, was ich gerade tue? Unser Arbeitsleben ist zentraler Bestandteil unseres tĂ€glichen Tuns. Wer in der Arbeit aus der Balance fĂ€llt, der möge prĂŒfen, ob er den richtigen Job oder Arbeitgeber hat. Meine Faustformel hierfĂŒr lautet: Ein Tag pro Woche ohne Spaß im Job ist ok. Bei zwei Tagen sollten Sie an VerĂ€nderungen denken. Wie geht es Ihnen?

4. Wie bringen Arbeitnehmer ihre beruflichen und privaten Interessen in Einklang?

Ganz einfach, in dem Sie EntscheidungstrĂ€ger in eigener Sache werden. Sie glauben gar nicht, welchen Unterschied es macht, zu sagen „Ich muss das tun“ oder „Ich will das tun“. Meine Coaching-GesprĂ€chspartner lernen es, vom „MĂŒssen“ ins „Wollen“ zu kommen. Dann sage ich nĂ€mlich nicht: „Heute muss das Fußballtraining meines Sohnes ausfallen, da ich die PrĂ€sentation fertig machen muss“ sonder „Ich will die PrĂ€sentation fertig machen; das ist wichtig fĂŒr mich und meine Karriere und daher werde ich nicht zum Training gehen.“ Klingt fĂŒr manche hart, zugleich sind Sie sich so bewusst, dass Sie die Verantwortung fĂŒr ihr Handeln haben. Kinder lieben ĂŒbrigens Eltern, die tatkrĂ€ftig sind und sich nicht als Opfer von UmstĂ€nden darstellen. Werden Sie also FĂŒhrungskraft in Ihrem Leben, dann bekommen Sie private und berufliche Interessen in den Einklang – jeder fĂŒr sich individuell.

5. Besonders nach der Elternzeit ist es fĂŒr viele Arbeitnehmer schwierig, den Wiedereinstieg zu meistern – Worauf sollten Eltern hier bei der Jobsuche achten?

Die Wahl des richtigen Arbeitgebers ist entscheidend, ob der Wieder- oder Neueinstieg gelingt. UnterstĂŒtzt eine Firma und der direkte Vorgesetzte das Comeback nach der Elternzeit oder merken Sie gleich, dass Sie zum Beispiel als Teilzeit-FĂŒhrungskraft unerwĂŒnscht sind? Wenn hier nicht die Chemie stimmt, dann wird der Wiedereinstieg schwer. ZusĂ€tzlich gilt es darauf zu achten, wie familienfreundlich das Unternehmen in seinem Personalmanagement aufgestellt ist. Gibt es die Möglichkeit von flexiblen Arbeitszeiten, Home Office  und sonstiger UnterstĂŒtzung?

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