5 Fragen an: Stefan Rippler


Stefan Rippler lebt in M√ľnchen. Er ist Herausgeber und Autor mehrerer Karriere-Fachb√ľcher. Journalistische Erfahrungen gesammelt bei der Lokalpresse, sp√§ter bei Burda, Bertelsmann, Bauer und Springer. Derzeit ist er Chefredakteur der DIY- und Wohnzeitschriften aus der Selbermachen Media GmbH. In der Freizeit liest er Philosophisches oder Sachb√ľcher, ist mit der Kamera unterwegs oder joggt und genie√üt die Natur ‚Äď am liebsten in den Bergen.

1. Was ist das schlimmste Fettnäpfchen, in das ein Bewerber treten kann?

Mit der Bewerbung herausstechen zu wollen, ist ein guter Vorsatz. Dabei √ľberzeugt ein gut strukturiertes Anschreiben mit schl√ľssiger Argumentation aber viel eher als besonders kreative Ideen (Bewerbungsrap, Bewerbung als Gebrauchsanleitung, Bewerbung als Geschichte). Verzierte Lebensl√§ufe, Ledereinb√§nde und Co sind meist verschenkte Liebesm√ľh. Auch weniger empfehlenswert: √úbertriebene Gr√ľnde daf√ľr zu nennen, warum man der perfekte Kandidat f√ľr genau die Stelle in genau diesem Unternehmen ist („Schon als Kind habe ich mit Kuscheltieren aus Ihrer Herstellung am liebsten gespielt.“) – oder, auch oft gesehen: Copy-Paste-Fehler im Anschreiben (Firmenname im Text des Anschreibens passt nicht zum Firmenname im Briefkopf).

Schon beim Vorstellungsgespr√§ch angekommen? Schlechte Witze rei√üen, im Gespr√§ch gleich nach dem Gehalt fragen und vorher im Small-Talk nach der Begr√ľ√üung erstmal ordentlich l√§stern, wie schwer das B√ľro doch mit den √∂ffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, sind nur ein paar M√∂glichkeiten, den guten ersten Eindruck zu vergeigen. Von klassischen No-Gos ganz abgesehen: Kaugummikauen, unangebrachte Kleidung, unentschuldigt zu sp√§t erscheinen, oder unvorbereitet auf das Gespr√§ch zu sein.

2. Was sollte ein Bewerber, au√üer P√ľnktlichkeit und passender Kleidung, unbedingt mitbringen, um eine Chance auf die Stelle zu haben?

Der Bewerber muss zum Unternehmen passen und die Firma zum Bewerber. Das Bewerber-Profil sollte den Erwartungen des Arbeitgebers, z. B. universit√§re Schwerpunkte, Praktika-Erfahrungen oder Fremdsprachen, entsprechen. Gleichzeitig steht aber auch die Firma selbst auf dem Pr√ľfstand. Welche Aufgabenbereiche, Weiterbildungsm√∂glichkeiten sowie generellen Rahmenbedingungen werden geboten? All dies gilt es zu ber√ľcksichtigen und idealerweise ist nach einer m√∂glichst gro√üen √úbereinstimmungen zu suchen. Und selbst wenn es nur etwas mehr als sechzig Prozent an √úberschneidung gibt, sollte man der Sache eine Chance geben – allerdings nur, wenn man wirklich Lust auf den Job hat und sich vorstellen kann, dass diese Arbeit einem Spa√ü macht. Wichtig ist, dass man nicht blind die erstbeste Stellenanzeige zur Bewerbung nutzt, sondern gezielt schaut, wo das eigene Profil wirklich gesucht und damit dann auch wertgesch√§tzt wird.

¬†3. Was m√ľsste ein Bewerber tun, damit Sie ihn trotz perfektem Profil nicht einstellen?

Ob ein Bewerber nach dem Vorstellungsgespr√§ch eingestellt wird oder nicht h√§ngt, immer von mehreren Faktoren ab: Passt der Bewerber auf die Stelle? Passt er zum Unternehmen, zur Firmenkultur? Passt der Bewerber ins Team? Passt die Gehaltsvorstellung von Bewerber und zuk√ľnftigem Arbeitgeber zusammen? Gibt es einen anderen Bewerber, der in einer oder mehreren Fragen besser abschneidet? Es gibt also diverse M√∂glichkeiten, warum ein Bewerber mit perfektem Profil trotzdem nicht eingestellt wird: So kann zum Beispiel ein Bewerber top-qualifiziert sein, aber gar nicht ins Team passen – oder, selbst wenn er ins Team passt, sind die Gehaltsvorstellung so weit von dem entfernt, was der Etat f√ľr die Planstelle hergibt.

 4. Welche war die schrägste Situation, die Sie je in einem Bewerbungsgespräch erlebt haben?

Das schr√§gste Bewerbungsgespr√§ch dauerte nur etwas mehr als zehn Minuten und endete damit, dass der Bewerber und die anderen am Auswahlprozess beteiligten zusammen zum Kaffeetrinken gegangen sind – weil beide Seiten sofort feststellten, dass zwar die Chemie stimmt, aber nicht die Vorstellungen bez√ľglich der Stelle. Die Bewerberin wurde dann als freie Mitarbeiterin in einem anderen Bereich des Unternehmens t√§tig.

5. Welche Phase im Bewerbungsgespräch ist die Wichtigste?

Das A und O beim Bewerbungsgespr√§ch ist die Vorbereitung. Nur wenige Bewerber bereiten das Vorstellungsgespr√§ch akribisch vor. Fragt man sie, was ihre Botschaft ist, bekommt man h√§ufig ein Achselzucken. Hier fehlt das Bewusstsein, dass man vorab erarbeiten muss, was man seinem Gegen√ľber im Gespr√§ch vermitteln will.

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