Karrierefaktor 10. Juli 2017

Bewerben f√ľr einen Job in Gro√übritannien


Wenn du dich irgendwo im United Kingdom (UK), also in Gro√übritannien um einen Job bewerben m√∂chtest, musst du auf einige Besonderheiten achten: Die Bewerbungen f√ľr dortige Unternehmen unterscheiden sich von denen f√ľr Betriebe in Deutschland.
 

So fängst du an

Bewerbungen werden in Gro√übritannien so gut wie gar nicht mehr postalisch angefordert. Das macht es leichter und billiger f√ľr dich, denn du musst deinen Cover Letter (Anschreiben) und dein Curriculum Vitae (Lebenslauf) nur als Anhang in einer Mail senden. Ein Deckblatt f√§llt ganz weg ‚Äď die Personaler dort m√∂chten nicht erst endlos scrollen, ehe sie zu den Informationen gelangen.
 

Die richtige Sprache

Du musst dich auf jeden Fall der richtigen Sprache bedienen, wenn du auf den britischen Inseln arbeiten möchtest: Englisch ist nicht gleich Englisch! Du schreibst deine Bewerbung in British English, und zwar ausschließlich. Das bedeutet, dass sich keine amerikanischen Wendungen oder Schreibweisen einschleichen sollten.

Hab beim Schreiben also immer ein Auge im Wörterbuch, falls du unsicher bist, und lass auf jeden Fall noch einen Muttersprachler gegenlesen, ehe du die Bewerbung absendest. Die Briten blicken etwas mitleidig auf das leicht vereinfachte American English herab, daher ist es ein Tritt ins Fettnäpfchen, wenn du die Sprachen mischst.
 

Der Cover Letter

Der Cover Letter entspricht in etwa dem Anschreiben in einer Bewerbung f√ľr ein deutsches Unternehmen. Finde auf jeden Fall heraus, wer dein Ansprechpartner ist, und richte dich in der Ansprache direkt an ihn oder sie. Ruf gern auch im Unternehmen an, um den Namen zu erfragen und vielleicht die eine oder andere clevere Frage zum Unternehmen zu stellen: Die Pers√∂nlichkeit des m√∂glichen Arbeitgebers ist sehr wichtig, denn viele Informationen werden in der Bewerbung gar nicht gegeben. Kann man sich an deinen Anruf erinnern, betrachten die Personaler deine Bewerbung schon mit ganz anderen Augen.

Nenne auf jeden Fall die Stelle, auf die du dich bewirbst. Kennst du eine Person im Unternehmen, √ľber die du darauf aufmerksam wurdest, erkl√§rst du das ebenfalls zu Beginn des Anschreibens. So hast du direkt eine Verkn√ľpfung hergestellt. Im Hauptteil des Schreibens gehst du auf die Anforderungen ein, die in der Stellenanzeige genannt wurden, und verkn√ľpfst sie mit deinen F√§higkeiten. Zur Vertiefung verweist du auf dein Curriculum Vitae.

Wichtig ist, dass du dein Interesse gerade an diesem Unternehmen erkl√§rst. Daf√ľr musst du (wie bei Bewerbungen in deutschen Unternehmen auch) sorgf√§ltig deine Hausaufgaben machen: Schau die die Website genau an, die Bewertungen von Angestellten, die Pressemitteilungen des Unternehmens und die Artikel in verschiedenen Print- und sozialen Medien.
 

Der Schluss des Cover Letters

Schau noch einmal genau in die Anzeige: M√∂chten die Personaler deine Gehaltsvorstellungen wissen und bitten sie um eine Angabe, wann du anfangen k√∂nntest? Diese Informationen solltest du auf keinen Fall √ľber die knifflige Formulierungsarbeit des Cover Letters vergessen. Sieh dir Gehaltsvergleiche an, um herauszufinden, wie hoch du deine Forderungen ansetzen kannst.

Das Anschreiben beendest du mit einem h√∂flichen „Yours sincerely“ und deinem Namen. Anders als in Deutschland unterschreibst du hier nicht von Hand. Das Anschreiben sollte im Idealfall nicht mehr als eine Seite umfassen.
 

Wenige Daten im Lebenslauf

F√ľr dein Curriculum Vitae brauchst du keine √úberschrift ‚Äď hier steht als Erstes gro√ü dein Name, dann folgen deine Adresse und deine Kontaktdaten. Du schreibst explizit nichts √ľber deine famili√§re Situation, dein Alter, deinen Geburtsort, deine Religion oder deine Hautfarbe. Diese Informationen sind √§hnlich wie in der Bewerbung f√ľr ein amerikanisches Unternehmen nicht erw√ľnscht, weil sie zu ungewollter Diskriminierung f√ľhren k√∂nnten. Aus demselben Grund verzichtest du auch auf ein Foto.
 

Summary oder Personal Profile

Du beginnst dein Curriculum Vitae mit einer Kurzcharakteristik. Hier beschreibst du deine pers√∂nlichen Eigenschaften, deine Kompetenzen und deine Erfahrungen. Halte diese Zusammenfassung aber kurz, mehr als f√ľnf Zeilen sollten es nicht sein.
Objective ‚Äď was sind deine Ziele?

Hier kannst du verdeutlichen, warum du diese Position in diesem speziellen Unternehmen anstrebst. Gleichzeitig erklärst du, was du gern noch erreichen möchtest. Das zeigt, dass du dir Gedanken darum machst, wie deine Zukunft genau in dieser Firma aussehen könnte.
 

Education ‚Äď wie verlief dein Bildungsweg?

Wie in der amerikanischen Bewerbung auch beginnst du mit deinem letzten Abschluss und arbeitest dich zur√ľck, bis du bei deinem Schulabschluss angekommen bist. Deine Schullaufbahn selbst ist nicht von Interesse. Hier erw√§hnst du auch Fort- und Weiterbildungen, um zu zeigen, dass du kontinuierlich lernen m√∂chtest und am Puls der Zeit bist.
Professional Experience ‚Äď deine Joberfahrungen
Du beschreibst deinen bisherigen Karriereweg ausf√ľhrlicher als in einer deutschen Bewerbung. Daf√ľr nennst du jeweils den Namen des Unternehmens, die genaue Bezeichnung deiner Position und den Zeitraum, in dem du dort besch√§ftigt warst. Hinzu kommen konkrete Projekte sowie deine Erfolge und Leistungen. Diese notierst du jeweils in Stichworten zum jeweiligen Job. So sehen die Personaler, wie du auf deine Soft Skills und Erfahrungen aus dem Personal Profile am Anfang kommst.
 

Skills ‚Äď was kannst du sonst noch?

Unter den Skills erkl√§rst du deine zus√§tzlichen F√§higkeiten. Diese sind √§hnlich aufgebaut wie im Deutschen: Vor allem deine Sprach- und EDV-Kenntnisse sind wichtig. Da Englisch eine Weltsprache ist, gibt es hier deutlich weniger Fremdsprachenkenntnisse unter den Einwohnern als in anderen L√§ndern. Die Tatsache, dass Deutsch deine Muttersprache ist, ist ein deutlicher Pluspunkt f√ľr dich.

Sowohl bei Sprachen wie auch bei Computerkenntnissen solltest du das Niveau deiner Fähigkeiten angeben, damit die Personaler wissen, wie sie dich einstufen können und was du im Job noch lernen musst.

 

Hobbys, Activities oder Engagements ‚Äď vorsichtig ausw√§hlen

Schreibe unter diesem Punkt nicht einfach alles, was dir Spa√ü macht. Hier geh√∂ren eigentlich nur Freizeitaktivit√§ten hinein, die auch irgendwie zur Stelle passen. Au√üerdem kommen Mannschaftssportarten in einer sportbegeisterten Nation wie Gro√übritannien immer gut an. Falls du aber auf lebensgef√§hrliche Actionsportarten stehst, unterschlag das Hobby besser ‚Äď allzu risikofreudig solltest du auf den ersten Blick nicht erscheinen.
 

References ‚Äď zur R√ľckversicherung

Diesen Punkt wirst du in der deutschen Bewerbung nicht finden: Du musst zwei Referenzen angeben, bei denen sich deine m√∂glichen neuen Arbeitgeber melden k√∂nnen, um mehr √ľber dich zu erfahren. Das k√∂nnen bisherige Arbeitgeber sein, aber auch Universit√§tsdozenten oder Ausbilder, wenn du noch nicht lange im Job bist. Frag im Vorfeld bei den Leuten nach, die daf√ľr infrage kommen, und hol ihr Einverst√§ndnis ein. Es muss nicht sein, dass sich die Briten bei ihnen melden. Tun sie es doch, sollten sie darauf vorbereitet sein, √ľber dich zu sprechen.
 

Ausf√ľhrlicher als andere Lebensl√§ufe

Wie du siehst, ist das Curriculum Vitae umfangreicher als etwa der deutsche Lebenslauf. Entsprechend darf er auch zwei Seiten lang werden (je mehr Erfahrung du hast, desto länger wird er). Gleichzeitig verzichtest du aber auch auf einige Dinge wie die persönlichen Angaben, aber auch das Datum und deine Unterschrift.
 

Keine Zeugnisse

Zu einer Bewerbung f√ľr Gro√übritannien geh√∂ren erst einmal nur die beiden genannten Schriftst√ľcke: der Cover Letter und das Curriculum Vitae. Deine Abschlusszeugnisse, Arbeits- und Praktikumszeugnisse sowie Bescheinigungen √ľber absolvierte Fort- und Weiterbildungen schickst du also erst einmal nicht mit. Allerdings solltest du beglaubigte √úbersetzungen von den relevanten Zeugnissen anfertigen lassen und sie zusammen mit den Originalen mitnehmen, wenn du zu einem Gespr√§ch eingeladen wirst.
 

Der Personalbogen

Manche Unternehmen in Gro√übritannien schreiben auf ihrer Website direkt, dass sie keine Bewerbungen per E-Mail w√ľnschen. Sie stellen Personalbogen zur Verf√ľgung, die die Bewerber ausf√ľllen sollen. Hier musst du dich extrem kurzfassen k√∂nnen, denn der Platz ist rar. Unter „additional information“ gibst du an, warum du diese Stelle in diesem Unternehmen haben m√∂chtest und warum du dich eignest. Achtung: Es kann sein, dass du einen solchen Personalfragebogen auch noch ausf√ľllen sollst, wenn du bereits deine perfekt formulierte Bewerbung eingeschickt hast. Das ist frustrierend, aber geh trotzdem gewissenhaft und sorgf√§ltig vor, sonst verbaust du dir deine Chancen.
 

Die Unterschiede zur Bewerbung in den USA

Wer sich schon einmal mit Bewerbungen f√ľr die USA auseinandergesetzt hat, wurde sicher beim Anfang des Curriculum Vitae hellh√∂rig: wenige pers√∂nliche Angaben wegen der Diskriminierungsgesetze, kein Foto? Tats√§chlich sind diese Punkte gleich, aber sonst unterscheiden sich die Bewerbungen f√ľr das UK und die USA deutlich. Das f√§ngt schon bei der Formalie der Abschiedsklausel an: W√§hrend in den USA ein „Sincerely“ die Norm ist, muss es im Britischen „Yours sincerely“ hei√üen.

Der gr√∂√üte Unterschied liegt aber im Umfang: W√§hrend du dich f√ľr die USA-Bewerbung √ľberall knapp und kurzhalten musst, hast du vor allem im Lebenslauf bei der UK-Bewerbung mehr Zeit und Platz, ins Detail zu gehen. Die Personaler ersehen gern schon aus den Angaben im ausf√ľhrlicheren Lebenslauf, um was f√ľr einen Typ Mensch es sich handelt. So k√∂nnen sie trotz der fehlenden pers√∂nlichen Angaben √ľberlegen, ob du zum Unternehmen passen w√ľrdest. Nutze diese Chance weise, und viel Gl√ľck!

 

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