5 Fragen an: Dagmar Vogler-Holzmann

Dagmar Vogler-Holzmann arbeitet als p√§dagogische Fachkraft in einer gro√üen bayerischen Stiftung im Rahmen der beruflichen Bildung junger Erwachsener. Es geh√∂rt zu ihren t√§glichen Aufgaben, die F√§higkeiten von Menschen einsch√§tzen zu k√∂nnen und ma√ügeblich zu f√∂rdern. Seit 2007 unterst√ľtzt sie mit ihrer Firma ‚ÄěAbenteuer-Bewerbung.de‚Äú selbstst√§ndig Sch√ľler, Studenten, Facharbeiter und Akademiker erfolgreich bei ihrer Stellensuche. Abenteuer Bewerbung hat seinen Namen aufgrund der inneren Einstellung, die ein Bewerber haben sollte, wenn er sich auf die ‚ÄěJagd nach einem¬† Job‚Äú macht. Eine Bewerbung ist ein Abenteuer, der Bewerber ist der J√§ger und sein Job ist die Beute. Wir alle sind J√§ger- seit Urzeiten ! Nicht z√∂gern, nicht zaudern- jagen!
Wenn Sie noch mehr Fragen an Dagmar Vogler-Holzmann haben, k√∂nnen Sie sie √ľber abenteuerbewerbung@web.de gerne kontaktieren!

1. Welche Voraussetzungen sind ideal bei einem Bewerber ?

Die idealen Voraussetzungen bei einem Bewerber sind eine gute Selbstwahrnehmung und kritisches Denken, gepaart mit ein wenig Kreativit√§t. Wer diese drei Eigenschaften in den Bewerbungsprozess einbringen kann, hat schon fast gewonnen. Sehr oft entstehen unstimmige Bewerbungen durch eine √úber- oder Untersch√§tzung des eigenen K√∂nnens und der eigenen Ausstrahlung, kritisches Denken hilft, die eigenen M√∂glichkeiten gut absch√§tzen zu k√∂nnen, sowohl nach unten als auch nach oben, denn viele Menschen ‚Äď √úberraschung!-¬† sch√§tzen ihre F√§higkeiten und Erfahrungen viel zu gering ein ! Ein Schuss Kreativit√§t und assoziatives Denken unterst√ľtzt eine individuelle Bewerbung und beleuchtet die eigene Aussage aus verschiedenen Gesichtspunkten- eine Bewerbung bekommt ein Gesicht.

Tip: Mit verschiedenen Freunden und Verwandten sprechen, deren Urteil sie vertrauen, und die Ihre verschiedenen Facetten kennen. Eventuell auch einen professionellen Coach hinzuziehen, es kann sich lohnen ! Gedankenspiele, Brainstorming und das Durchspielen von Alternativen unterst√ľtzt das Gef√ľhl f√ľr die eigene Vielf√§ltigkeit und erh√∂ht die M√∂glichkeiten eine T√§tigkeit zu finden, die wirklich ihren Interessen entspricht, denn nur dann werden Sie wirklich erfolgreich und gl√ľcklich sein in ihrem Job.

 

2. Von Bewerbern wird immer wieder verlangt, dass ihre Bewerbungsunterlagen individuell gestaltet werden sollten ‚Äď Wie viel Individualit√§t ist bei den zahlreichen Bewerbungstipps und ‚Äďideen, die es bereits gibt √ľberhaupt noch m√∂glich?

Tipps sind eben nur Tipps und weisen lediglich auf M√∂glichkeiten hin, die der Bewerber dann adaptieren kann. Individualisierende Ma√ünahmen beziehen sich jedoch nicht nur auf gestaltende Elemente, sondern- und vor allen Dingen- auf Authentizit√§t. Begreift man ‚Äěindividuell = authentisch‚Äú kann man davon ausgehen, dass die M√∂glichkeiten unersch√∂pflich sind, denn wir alle sind ‚Äěindividuell‚Äú und k√∂nnen ‚Äěauthentisch‚Äú sein. Dem Inhalt nach gleicht keine Bewerbung einer anderen, solange wir nicht ‚Äěstandarisiert‚Äú vorgehen. Individuelle Bewerbungen zu erstellen ist kein Hexenwerk, wenn sie authentisch und kreativ sind. Wer Individualit√§t mit m√∂glichst phantasievoller Gestaltung gleichsetzt, und die pers√∂nliche Aussage zur Kompetenz vernachl√§ssigt, f√§hrt bei den meisten Arbeitgebern schlechter. Aussage kommt in jedem Fall vor Gestaltung. Grunds√§tzlich in der Gestaltungsfrage eher zur√ľckhaltend sein, wenn es sich nicht um ausgesprochen ‚Äěkreative‚Äú Berufe handelt. Schlechtes Design oder ein √úberma√ü an Design wird negativer bewertet als eine schlichte, aber ordentliche und harmonisch wirkende Bewerbung.

 

3. Wie viel Zeit sollten Bewerber in die Erstellung Ihrer Unterlagen investieren?

In einer Bewerbung zeichnen wir ein Bild, das der zuk√ľnftige Arbeitgeber von uns haben soll. Wir bleiben selbstverst√§ndlich bei der Wahrheit, jedoch gestalten wir die Bewerbung geschickt und setzen unsere zweifelsfrei vorhandenen F√§higkeiten ins rechte Licht. In einer Bewerbung fertige ich umfassende Informationen √ľber meine Person an, die ich dann wieder und wieder ‚Äěfiltriere‚Äú und bis zur Substanz ‚Äěreduziere‚Äú, um meinen zuk√ľnftigen Arbeitgeber in kurzer Zeit davon zu √ľberzeugen, dass hier die Bewerbung einer Person vorliegt, die es sich lohnt, kennenzulernen. Es ist klar, dass dieser Prozess nicht in zwei Stunden abgeschlossen sein kann. Sicherlich ist es schwierig, eine exakte Zeit zu nennen, jedoch rechne ich zwischen 5 und 10 Stunden f√ľr eine Bewerbung, die dann anschlie√üend je nach Arbeitgeber immer wieder individualisiert wird und dabei jeweils 1-2 Stunden zus√§tzliche Arbeit erfordern kann. Ich arbeite mit meinen Kunden solange an einer Bewerbung, bis sie absolut optimal ist, und keine Fragen offenl√§sst, dann ist sie vorl√§ufig ‚Äěfertig‚Äú , denn das Leben schreitet voran, und es kann sich jeden Tag etwas tun, was in der Bewerbung neu aufgenommen werden sollte ( Kurse, Fortbildungen etc.).

 

4. Berufseinsteiger, Neuorientierte, Wieder- und Quereinsteiger ‚Äď Muss jede Bewerbergruppe auf andere Punkte bei der Bewerbung achten?

Grunds√§tzlich sind mir keine grundlegend anderen Regeln f√ľr Einsteiger/Umsteiger/Wiedereinsteiger bekannt. F√ľr sie gelten genau die gleichen Basisregeln der Bewerbung, wie f√ľr die meisten Bewerber. Zuerst steht die Analyse: Wo stehe ich ? dann die √úberlegung: Wo m√∂chte ich hin ? Haben sie diese Bestandsaufnahme vollzogen,¬† geht es bei¬† dem Personenkreis der Quereinsteiger/Umsteiger in erh√∂htem Ma√ü um das WARUM des Branchenwechsels. Umsteiger punkten mit klarer Motivation und Erfahrungen zum Fachgebietswechsel, der Arbeitgeber sollte sehen k√∂nnen, wo der Vorteil liegt, eine ‚Äěfachfremde‚Äú Person einzustellen ( das kann durchaus von Vorteil sein, denn die Person bringt wertvolle Erfahrungen aus ihrem Bereich mit und ist gleichzeitig motiviert, sich Neues anzueignen). Berufseinsteiger punkten mit ihrer in der Ausbildung gewonnen Kompetenz und / oder mit weiteren Erfahrungen z.B. durch Auslandsaufenthalte oder je nach Beruf auch mal durch sozial engagiertes Handeln.

Wichtig ist dem Arbeitgeber zu vermitteln, das das Anliegen zum Wechsel ernst gemeint ist und einen fachlichen Hintergrund hat, man sollte vermitteln, dass man f√ľr seine Sache ‚Äěbrennt‚Äú und nicht nur ‚Äělauwarm vor sich hin lodert‚Äú oder eventuell nur deswegen wiedereinsteigt, um das monatliche famili√§re Budget zu erh√∂hen, verst√§ndlich- aber kein Grund, der einen Arbeitgeber motiviert, sich eine Wiedereinsteigerin anzuschauen.

 

5. Worauf m√ľssen vor allem Frauen, die einen Wiedereinstieg nach der Babypause planen bei ihrer Bewerbung den Fokus legen?

Zu mir kommen u.a. Frauen, die nach einer Familienzeit von 10 Jahren einen Neueinstieg in das Berufsleben w√ľnschen. Auch hier gilt erst mal wieder die ‚Äěinterne Checkliste‚Äú, was kann die Bewerberin, und welchen Beruf / T√§tigkeit m√∂chte sie aus√ľben. Bei sehr qualifizierter T√§tigkeit kann eine berufliche Auszeit von 10 Jahren eine gro√üe Rolle spielen, bei anderen Berufen ist das in einem geringeren Ausma√ü der Fall. Die Bewerberin sollte deutlich machen, was sie in den 10 Jahren der Kindererziehung realisiert hat, manche Frau hat in dieser Zeit Nebenjobs ausge√ľbt, neue messbare F√§higkeiten entwickelt, Kurse besucht und/oder ihre Kenntnisse theoretisch vertieft, das ist von gro√üem Vorteil. Grunds√§tzlich sollte die Bewerberin zu ihrer Familienzeit ‚Äěstehen‚Äú, und diese darzustellen wissen, keinesfalls sollte sie damit versch√§mt hinter dem Berg halten. Ich erlebe immer wieder, dass Frauen sich daf√ľr¬† sch√§men und sich als unattraktiv f√ľr den Arbeitsmarkt empfinden. Hier gilt es in jedem Fall mit mehr Selbstbewusstsein aufzutreten. Eine Bewerberin mit Kindern und einem guten sozialen Umfeld hat einer jungen Frau ohne Kinder manchmal einiges an Kenntnissen und F√§higkeiten voraus. Sicherlich ist es auch sinnvoll, die zeitlichen und pers√∂nlichen M√∂glichkeiten der Bewerberin abzuklopfen, damit der neue Beruf auch langfristig und mit Freude ausge√ľbt werden kann.

 

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