5 Fragen an: Iris Schöberl

Bis zu meinem Burn-Out im Jahr 2011 war ich als Rating-Spezialistin f√ľr die BayernLB t√§tig. Diese T√§tigkeit hat mich letztlich in ein Burn-Out-Syndrom gef√ľhrt, welches ich mit professioneller Hilfe nun (im Jahr 2014) erfolgreich √ľberwunden habe. Ich habe gelernt, dass verantwortungsvolles Arbeiten und leistungsangetriebenes Leben auch Spass machen kann, wenn man die Rahmenbedingungen zu seinen Vorteilen √§ndert. Deshalb habe ich einen ersten Schritt getan und ein Buch √ľber mein Thema Burn-Out (‚ÄěLeiden aus Leidenschaft‚Äú)¬† geschrieben. Ein weiterer Teil mit konkreten Hilfen ist in Arbeit und wird voraussichtlich im Herbst in den Buchhandel kommen.

1. Die Work-Life-Balance findet immer mehr Beachtung, Arbeitsbedingungen verbessern sich, moderne Technik macht flexible Arbeitszeiten m√∂glich. Warum f√ľhlen sich trotz dieser Entwicklung immer mehr Arbeitnehmer gestresst und √ľberfordert?

In der Tat wird derzeit von vielen Unternehmen und arbeitnehmerfreundlichen Einrichtungen sowie der Politik die Verbesserung der Work-Life-Balance propagiert. Dennoch gibt es eine gro√üe Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Verbesserung und den tats√§chlichen Gepflogenheiten in den Unternehmen. Durch den Trend zur st√§ndigen mobilen Erreichbarkeit des Arbeitnehmers, von dem erwartet wird, dass er √ľberall zu jeder Uhrzeit f√ľr seine Vorgesetzen erreichbar sein muss, wird die flexible Arbeitszeit ad absurdum gef√ľhrt. Der Mitarbeiter ist nicht ‚Äěfreier‚Äú geworden, sondern zum Sklaven der modernen Technik geworden. Die Umstellung auf die st√§ndige Bereitschaft fordert zur Zeit hohen Tribut von Mensch und Wirtschaft.

2. Kurze Stressphase oder Gefahr des Burn Outs: Wie erkenne ich den Unterschied?

Burn-Out erkennt man an dem Zusammenspiel vieler einzelner Punkte √ľber einen l√§ngeren Zeitraum

  • keine nachhaltige und vollst√§ndige Erholung nach Wochenenden und/oder Urlauben
  • st√§ndige Gereiztheit
  • Zur√ľckzug vom sozialen Leben
  • St√§ndige ‚Äěunnat√ľrliche‚Äú M√ľdigkeit
  • Wunsch nach Beendigung der derzeit herrschenden Situation

Weitere Informationen hierzu lesen Sie bitte in meinem Buch: ‚ÄěLeiden aus Leidenschaft‚Äú nach, welches ich im Kindle-Shop von Amazon ver√∂ffentlicht habe.

3. Wie wichtig sind Aspekte wie gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung um ein Burn Out vorzubeugen?

Generell ist gesunde Ern√§hrung und ausreichende Bewegung gut f√ľr den Menschen in jeder Lebenssituation. Alleine reichen diese Punkte sicher nicht aus, um eine Burn-Out zu verhindern. Dennoch unterst√ľtzen sie den Genesungsprozess, wenn man Burn-Out Syndrome aufzeigt.

4. Was kann ich außerdem tun, um mein Stresslevel am Arbeitsplatz zu verringern?

Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten. Gehen Sie offensiv mit dem Thema um. Sie werden sehen, dass nicht nur Sie, sondern viele in Ihrem Umfeld ebenfalls an einer Überarbeitung und hohem Stress leiden. Sprechen Sie mit Ihrem Betriebsarzt. Möglicherweise haben Sie die Chance, gemeinsam mit Kollegen und Vorgesetzten das Klima in Ihrem Unternehmen zu ändern.

5. Wenn es schon zu sp√§t ist: Ich f√ľhle mich leer und ausgebrannt ‚Äď Wie komme ich hier wieder raus?

Erste Schritte nach dem Erkennen sind:

  • gehen Sie zum Arzt Ihres Vertrauens!
  • Sprechen Sie die Situation an und bitten ihn um professionelle Hilfe!
  • Ihr Arzt wird Ihnen in der Regel medizinische Unterst√ľtzung bieten k√∂nnen, oder Sie an entsprechende Einrichtungen vermitteln.

Seien Sie sicher, dass wenn Sie den ersten Schritt in diese Richtung eingeschlagen haben, dann haben Sie bereits den schwersten Schritt getan. Denn die Erkenntnis, dass man in einem Burn-Out steckt und nicht mehr ‚Äěfunktioniert‚Äú ist m√∂glicherweise das Schwerste, was Sie bisher erlebt haben.

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