5 Fragen an: Birgit Henke

Birgit Henke ist Coach f√ľr Stressmanagement, Entspannungstechniken und Autorin. Sie begleitet Personen auf dem Weg zu einer gesunden Lebensweise, indem Sie je nach ihren individuellen Lebensumst√§nden M√∂glichkeiten aufzeigt, auch im Alltag¬† wieder schlank, vital und leistungsf√§hig zu werden, einfache aber effektive Entspannungstechniken einzubauen und aktives Stressmanagement zu betreiben. Ihren Fokus hat sie dabei vor allem auf berufst√§tige Personen ausgerichtet, denn gerade dieser Personenkreis ist aufgrund immer h√∂herer Anforderungen, Zeitmangel¬† und Flexibilit√§t besonders gef√§hrdet. Dazu hat Birgit Henke individuelle Onlinekurse entwickelt. Sie begleitet Ihre Kunden auf dem Weg zu mehr Vitalit√§t und Wohlbefinden gern auch in telefonischen Coachingstunden.

1. Jährlich entstehen der deutschen Volkswirtschaft durch krankheitsbedingte Ausfälle von Arbeitnehmern Kosten in Milliardenhöhe. Wie können Firmen diese Verluste reduzieren?

Es ist mittlerweile wissenschaftlich mehrfach erwiesen, das Arbeit und Gesundheit sehr eng miteinander verbunden sind.
Es reicht heute also nicht mehr aus nur auf Gefahren ‚Äď und Unfallquellen hinzuweisen oder dem Mitarbeiter einen Anreiz zu verschaffen, regelm√§√üig ins Fitnessstudio zu gehen.
Die Unternehmen haben es heute mehr oder weniger selbst in der Hand wie ‚Äěgesund‚Äú ein Mitarbeiter ist. Ich denke, eine betriebliche Gesundheitsf√∂rderung hat nur dann langfristig Erfolg, wenn diese direkt in das Managementsystem des ¬†Unternehmens integriert ist. Schlie√ülich h√§ngen Fehlzeiten von zahlreichen Faktoren ab, sie erfordern also ein vernetztes ganzheitliches Denken.
Das F√∂rdern gesundheitsgerechter Bedingungen f√ľr den Arbeitsplatz ist demzufolge genauso wichtig wie das gesundheitsgerechte Verhalten am Arbeitsplatz. Es n√ľtzt nichts, wenn sich der Mitarbeiter beispielsweise in Eigenregie das Wissen √ľber Stressbew√§ltigungsstrategien angeeignet, diese aber aufgrund schlechter Arbeitsorganisation, Ignoranz in der F√ľhrungsetage und st√§ndiger Erreichbarkeit nicht aktiv anwenden kann. Ein weiterer ¬†wichtiger Faktor ist eine gesundheitsgerechte Verpflegung am Arbeitsplatz und Bewegung. Auch hier vermag man schon sehr viel in den allt√§glichen Arbeitsablauf integrieren.

Zusammengefasst kann man sagen, dass Ma√ünahmen wie Gesundes Betriebsklima, Gesundheitsorientierte F√ľhrung durch das Unternehmensmanagement, Gesunde Arbeitsorganisation im Unternehmen, Gesundheitsf√∂rdernde Verpflegung am Arbeitsplatz und Bewegung f√ľr einen dauerhaften Erfolg stehen.¬†

2. Welche Berufe sind besonders anf√§llig f√ľr krankheitsbedingte Ausf√§lle.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben in einer Statistik erfasst, dass ca. rund 70% der krankheitsbedingten Fehlzeiten auf 5 Krankheitsgruppen entfallen. Darunter fallen Erkrankungen des Bewegungsapparates, der Atemwege, Verletzungen, physische Erkrankungen und Herz-Kreislauferkrankungen. Arbeitnehmer die schwer k√∂rperlich arbeiten sind¬† besonders anf√§llig, was den Bewegungsapparat betrifft, aber auch diejenigen die einer √ľberwiegenden sitzenden T√§tigkeit nachgehen fallen u.a. in diese Kategorie.
√úber psychische Beschwerden, berichten h√§ufig ¬†diejenigen die au√üerhalb der normalen Arbeitszeit arbeiten oder Probleme haben, Beruf und Freizeit zu trennen. Aber auch diejenigen die lange Anfahrtswege zur Arbeit zur√ľcklegen m√ľssen, die st√§ndig erreichbar sind oder ¬†immer am oberen Limit arbeiten sind gro√üen psychischen Belastungen ausgesetzt. Auch Call Center Mitarbeiter und Berufe der Krankenpflege reihen sich hier ein.

3. Was kann jeder Arbeitnehmer im Alltag selber tun, um trotz Druck und Stress gesund zu bleiben?

Zun√§chst einmal muss jedem bewusst werden, dass Gesundheit auch Eigenverantwortung ist, Verantwortung wie wir unser Leben f√ľhren.
Dazu z√§hlen neben einer ausgewogenen, gesunden Ern√§hrung auch Bewegung und das Wissen dar√ľber, welche Faktoren bei dem Einzelnen Stress ausl√∂sen. Nur so k√∂nnen diese dann langfristig gezielt minimiert und ausgeschaltet werden.
Wichtig ist zu lernen, Prioritäten zu setzen, sich Freiräume zu schaffen, dass heißt auch mal Nein sagen können. Auch das Delegieren von Aufgaben und ein aktives aber sinnvolles Zeitmanagement helfen Stressfaktoren zu minimieren.
Da Stress jedoch sehr individuell wahrgenommen wird, ist auch das Managen von Stress sehr komplex und individuell. Hier muss wirklich jeder f√ľr sich ein aktives Stressmanagement betreiben.

4. Wie wichtig sind ausgleichende Aktivitäten wie Sport neben der Arbeit?

Bewegungsmangel steht an 5. Stelle der f√ľhrendsten Risikofaktoren an Sterbef√§llen in Deutschland. Das zeigt deutlich, dass Bewegung √§u√üerst wichtig ist, um gesund und fit zu bleiben. Zudem ist Bewegung ideal um Stress abzubauen.
Die positiven Effekte, die sich bei ausreichender und regelm√§√üiger Bewegung einstellen, werden auch die letzten Bewegungsmuffel √ľberzeugen. So wird die Durchblutung von Gehirn und Muskeln gef√∂rdert, so dass die Leistungsf√§higkeit wieder erh√∂ht ansteigt, verspannte Muskeln lockern sich ‚Äď R√ľckenschmerzen und Kopfschmerzen lassen nach,¬† es stellt sich eine allgemeine geistige und k√∂rperliche Frische und Vitalit√§t ein.
Dabei ist es so ziemlich egal, wie wir uns Bewegung verschaffen. Wichtig ist, dass die Muskeln aktiviert werden, der Puls ansteigt und der Stoffwechsel auf Touren kommt. Das kann man schon morgens in den Alltag integrieren, indem man beispielsweise mit dem Rad ins B√ľro f√§hrt oder die Treppen in die 5. B√ľroetage nimmt. Genauso gut kann man auch dem typischen Mittagstief davonlaufen, indem man nach einem gesunden Snack einen z√ľgigen Spaziergang macht. Der positive Nebeneffekt dabei ist, dass man wieder fit und erfrischt an die noch zu erledigenden Aufgaben herangeht.

5. Welche weitere Entspannungstechniken empfehlen Sie bei Stress im Beruf?

Generell empfehle ich Techniken, die man recht schnell erlernen  und in jeder Situation anwenden kann.
Bew√§hrt haben sich verschiedene Atem- und Augen√ľbungen wie ‚Äěder Blick in die Ferne‚Äú oder die ‚Äěverz√∂gerte Atmung‚Äú. Die verz√∂gerte Atmung ist eine Variante um schnell Stressreaktionen und M√ľdigkeit abzubauen. Hierbei sitzt man aufrecht und locker, die F√ľ√üe auf den Boden gestellt. Die Handfl√§chen liegen auf den Oberschenkeln und die Augen sind geschlossen. Nun atmet man normal ein und sofort langsam wieder aus. Das Entscheidende daran ist, das die Ausatmung sehr viel langsamer erfolgt als das Einatmen.

Um jedoch gezielt gegen Stress anzugehen, empfehle ich zusätzlich das Erlernen des Autogenen Trainings oder der Progressiven Muskelentspannung.
Der Vorteil des einmal erlernten Autogenen Trainings liegt darin, dass man dieses wirklich √ľberall anwenden kann und sich tats√§chlich sekundenschnell entspannen kann. Und die √úbungen aus der Progressiven Muskelentspannung sind auch einzeln gut im Alltag anzuwenden um¬† Muskelverspannungen schnell wieder zu l√∂sen bzw. gar nicht erst aufkommen zu lassen.

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