5 Fragen an: Gunnar Kunz

Gunnar Kunz war nach seinem Studienabschluss in Psychologie als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Justus-Liebig-Universit├Ąt in Gie├čen t├Ątig. Sein Schwerpunkt war dort neben der Dozentent├Ątigkeit die Erforschung von Lehr-Lern-Prozessen bei Erwachsenen. 1989 promovierte er zur Analyse des selbstgesteuerten Lernens mit Lehrtexten bei Prof. Dr. Franz Schott.
Im Anschluss war Gunnar Kunz als angestellter Personalentwickler und Trainingsspezialist in Firmen t├Ątig. Seine eigene Weiterbildung umfasst Methoden der klientenzentrierten Gespr├Ąchsf├╝hrung, der kognitiven Verhaltensmodifikation, der Personalentwicklung und der Kommunikationspsychologie. Seit 1997 arbeitet er selbstst├Ąndig als Trainer, Coach und Buchautor. Mehr Informationen unter www.dr-kunz-consult.de.

1. Wie w├╝rden Sie einen guten Chef definieren?

Ein guter Chef muss zum einen bereit sein, Verantwortung zu ├╝bernehmen: F├╝r das Team und die Abteilung. Er braucht F├╝hrungskompetenzen. Das hei├čt, zum einen fachliche F├Ąhigkeiten, aber im Wesentlichen soziale Kompetenz, Durchsetzungskraft und die F├Ąhigkeiten, sein Team zusammenzuhalten. Ein gutes Teamklima zu erzeugen und zu erreichen, dass alle an einem Strang ziehen ÔÇô Das ist notwendig f├╝r die Erreichung der gemeinsamen Ziele.
Zum anderen muss er f├Ąhig sein, Vertrauen aufzubauen, damit gemeinsam und nicht gegeneinander gearbeitet wird. Und trotz Stress und Anspannung muss die F├╝hrungskraft ihren Mitarbeitern Spa├č an der Arbeit vermitteln und Zufriedenheit und Wohlbefinden im Team schaffen. In schwierigen Situationen gilt es au├čerdem, das Team zu sch├╝tzen, und dabei nicht nur Verantwortung zu ├╝bernehmen, sondern auch zu delegieren.

┬á2. Worauf sollte sich eine F├╝hrungskraft konzentrieren ÔÇô Auf die Mitarbeiter oder das Unternehmen?

Die Unternehmensziele m├╝ssen immer im Mittelpunkt bleiben. Vorrangige Aufgabe einer F├╝hrungskraft ist die Zielerreichung der Organisationseinheit.
Das wiederrum kann jedoch nur langfristig erfolgen, wenn die Mitarbeiter mit Spa├č dabei sind und nicht nur einen 08/15-Job machen. Das Gef├╝hl, durch die eigene Arbeit etwas Sinnvolles zu tun und zur Zielerreichung beizutragen, ist dabei essentiell. Gleichzeitig muss nat├╝rlich auch das Finanzielle stimmen ÔÇô Das ist Teil der Mitarbeitermotivation.
Kurzum: Die Zielerreichung steht im Mittelpunkt, ist jedoch ohne Team nicht m├Âglich. Schauen Sie sich zum Beispiel J├╝rgen Klopp an: Der hatte den Titel immer im Auge ÔÇô erreichen konnte er ihn jedoch nur, weil eine gute Mannschaft hinter ihm stand.

3. Wie wichtig sind Soft Skills, pers├Ânliche┬á und soziale Kompetenz f├╝r eine F├╝hrungskraft?

Das Wort Durchsetzung hat immer so einen negativen Klang, dabei steht es auch f├╝r soziale Kompetenzen: Durchsetzungskraft hei├čt auch, eine gemeinsame Linie finden und einschlagen zu k├Ânnen, in Diskussionen zu ├╝berzeugen und auf Mitarbeiter einzugehen. Hierf├╝r ist es entscheidend, zwischenmenschliche Aspekte wahrzunehmen, sich einf├╝hlen zu k├Ânnen und demnach zu handeln. Nur so funktioniert das Team.
Moderne F├╝hrungsstile sollten durch Einbeziehung und Mitwirkungsm├Âglichkeiten f├╝r die Mitarbeiter gepr├Ągt sein. Das hei├čt Mitarbeiter unterst├╝tzen, f├Ârdern und individuelle Ma├čnahmen zur Personalentwicklung vornehmen.
Manchmal müssen jedoch auch weniger angenehme Entscheidungen getroffen nd gelegentlich steinige Wege eingeschlagen werden. Dann sind Soft Skills insofern gefragt, als das der Chef es schafft, seine Mitarbeiter trotzdem für die Erfüllung der Aufgabe zu motivieren. 

4. Wie viel Distanz sollte trotz Einf├╝hlungsverm├Âgen und Teambuilding zwischen Chef und Mitarbeitern erhalten bleiben?

Eine gewisse Distanz muss immer gewahrt werden. Ein Chef sollte Teamplayer sein, aber trotzdem nicht als gleichwertiges Mitglied des Teams wahrgenommen werden.
Seine Aufgabe ist es auch, n├Âtige Entscheidungen zu treffen und Pflichten und Notwendigkeiten durchzusetzen ÔÇô und daf├╝r muss Distanz gewahrt werden. Von kumpelhaftem Verhalten w├╝rde ich jeder F├╝hrungskraft abraten. Das erweckt schnell den Eindruck, als sei der Chef einer unter vielen Mitarbeitern und das ist er definitiv nicht. ┬á
Vielen Mitarbeitern, die den Sprung zur F├╝hrungskraft schaffen, f├Ąllt genau das anfangs schwer. Durch die Distanz wird man beim Kaffeeklatsch schnell ausgeschlossen, bekommt nicht mehr alles unter der Hand mit ÔÇô wahren muss man sie jedoch trotzdem unbedingt!

 5. Kann diese Balance jeder lernen?

Nein, ich denke, dass nicht jeder F├╝hren ohne Weiteres ┬álernen kann. Das ist eindeutig auch eine Frage des Talents. Wer F├╝hrungskompetenzen hat, wird dies nicht erst im Chefsessel zeigen. Menschen, die schon in fr├╝hen Jahren Aufgaben, wie beispielsweise die des Trainingsleiters im Sportverein ├╝bernommen haben, zeigen dieses Talent schon fr├╝h und au├čerhalb des B├╝ros. Wer ÔÇ×im wahren LebenÔÇť in der F├╝hrungsfunktion akzeptiert wird, sich in der Rolle wohlf├╝hlt und aufbl├╝ht, der kann es auch leichter schaffen, seine F├╝hrungsf├Ąhigkeiten im Arbeitsumfeld unter Beweis zu stellen. Jemand, der hingegen noch nie nach der ├ťbernahme von F├╝hrung und Verantwortung gestrebt hat, wird auch nicht nach der Rolle der F├╝hrungskraft streben und k├Ânnte kaum in diese Rolle schl├╝pfen, geschweige denn in ihr aufgehen.
Wichtig ist es, F├╝hrungstalent bei sich zu erkennen, zu erproben und selber schrittweise in die Leitungsrolle hineinzuwachsen. Dann wird man eine erfolgreiche F├╝hrungskraft. Aber nat├╝rlich kann man F├╝hrungskompetenzen auch in einem gewissen Grade durch Weiterbildung und Praxislernen ausbauen, wenn man die pers├Ânlichen Voraussetzungen mitbringt und es auch wirklich will! Als F├╝hrungskraft in einer Firma steckt man h├Ąufig in einer Sandwichposition, ger├Ąt leicht in die Schusslinie und braucht in stressigen Situationen ziemliches Stehverm├Âgen – das ist nicht jedermanns Sache.

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